Deutschland-Premiere in Berlin

Ypsilon-Launch in der Yce-Lounge Ypsilon-Launch in der Yce-Lounge

Deutschland-Premiere in Berlin

— 13.03.2003

Ypsilon-Launch in der Yce-Lounge

Er kommt zwar erst im Herbst auf den Markt, aber auch das lässt sich feiern: Lancia hat dem neuen Ypsilon eine VIP-Präsentation spendiert.

Von Genf über Berlin nach Frankfurt

Klaus Fricke ist keiner von denen, die man in Zeiten wie diesen um ihren Posten beneidet: Vorstandsvorsitzender der Fiat Automobil AG – der Job muss schon mal mehr Spaß gemacht haben. Erst recht, wenn man als Boss des deutschen Zweigs der schwer angeschlagenen Italiener auch noch für die Marke Lancia zuständig ist. Die ist hierzulande nahezu in Vergessenheit geraten: 3054 Einheiten wurden 2002 in Deutschland abgesetzt (minus 45,6 Prozent im Vergleich zu 2001). 1991 waren es noch 21.300.

Damals hießen die Modelle u.a. Thema, Dedra, Delta und Y 10 – und genossen teils einen legendären Ruf, besonders der Delta HF Integrale mit bis zu 197 Allrad-PS. Lang ist es her. Heute hat Lancia qualitativ deutlich bessere Fahrzeuge am Start, aber deutlich weniger Marktanteil (2002: 0,1 Prozent): das komfortable, aber glücklose Mittelklassemodell Lybra (seit 1999), die innovative, aber wenig beachtete Oberklasse-Limousine Thesis (2002), den luxuriösen Eurovan Phedra (2002, in Kooperation mit Fiat, Citroën und Peugeot) – und weiterhin den smarten, aber in die Jahre gekommenen Y; einst Frauenliebling, inzwischen ein Kleinwagen von vielen.

Der kleine Charmebolzen – schick ausgestattet für vergleichbar kleines Geld (Sondermodell Y Cosmopolitan 13.500 Euro) – ist mit 1650 Einheiten zurzeit das mit Abstand meistverkaufte Modell der Traditionsmarke (1906 gegründet). Sein Nachfolger, in Außenmaßen und Namenslänge (Ypsilon) gewachsen, wurde Anfang März auf dem Genfer Salon präsentiert. Und am Dienstagabend in Berlin. Auf der vorgezogenen Deutschlandpremiere in der künftigen Lancia-Dependance. Namhafte Adresse: Kurfürstendamm 110.

"Sinnlich, kultiviert, entschlossen, visionär"

Rund 300 Gäste aus Politik, Medien, Sport und Industrie wurden in die eigens geschaffene "Yce-Lounge" geladen, um den Mini-Konkurrenten vor allen anderen sehen zu dürfen. Eisschnelllauf-Weltmeisterin Anni Friesinger, neue Werbe-Botschafterin der Marke, enthüllte den von Eisskulpturen eingerahmten Italo-Beau. Bevor er offiziell auf die Straßen kommt, geht es noch auf die IAA in Frankfurt (September 2003) – und von dort dann in die bundesweiten Verkaufsräume.

Mit denen hat Fiat-/Lancia-/Alfa Romeo-Boss Fricke einiges vor: Bundesweit sollen rund zehn exklusive Showrooms an ausgewählten City-Standorten entstehen – zum Beispiel in Hamburg, München, Düsseldorf und eben Berlin. Alle rund 200 Quadratmeter groß, mit Holz- und Marmorböden, hochwertigen Möbeln, vielen Alu- und Glaselementen.

"Sinnlich, kultiviert, entschlossen, visionär" – diese Eigenschaften sollen künftig wieder für Lancia stehen, auch räumlich. Der Gedanke dahinter – und das kalkulierte Käufer-Selbstverständnis: "Nicht zeigen, was man hat, sondern zeigen, wer man ist", erklärt Klaus Fricke.

Den wurmt, was für die Konzern-Chefstrategen in den letzten Jahren oberste Maxime war: "Lancia ist zusammen geschrumpft worden auf ein Automobil – den Kleinwagen Y." Ein Auto also, das dem Anspruch der Marke nur bedingt gerecht werde: Lancia als italienische Alternative zu den elitären Automobilmarken – da ist ein Kleinwagen der falsche Ansatz.

Zweiter Anlauf für den Thesis

Groß angelegte Werbekampagnen für den Thesis sollen das ändern. Bis Mai kommt man am zweiten Anlauf des formschönen Kappa-Nachfolgers kaum vorbei: Er hängt auf 450 Quadratmeter großen Megapostern in deutschen Großstädten, gleitet "Sky-Hook"-gedämpft zur besten Sendezeit durch die TV-Werbeblöcke, chauffiert Luciano Pavarotti zum Deutschland-Konzert in München, shuttlet Promis zu VIP-Events und (wieder) zurück. Potenzielle Käufer ködern.

Kommen die nicht zu Lancia, kommt Lancia künftig zu ihnen: Speziell geschultes Personal soll die "bestmögliche Kontaktaufnahme mit den Kunden" gewährleisten – und als "Ambassador" (Botschafter) der "L’Arte di vivere" bei großen Unternehmen vorsprechen. Klinken putzen für "die ganze Kraft einer Kultur", so der neue Lancia-Slogan. Was Marke und Konzern können, haben sie eindrucksvoll in Genf gezeigt: Fiat hat am Lac Léman neun Neuheiten präsentiert – mehr als jeder andere Hersteller. Im September gibt es Nachschlag: Dann zeigt Lancia auf der IAA den "Fulvietta", genetischer Nachfolger des legendären Fulvia (1964-74). 2004 folgt zudem ein MPV im so genannten B-Segment (Punto etc.), spätestens 2005 ein Crossover als Lybra-Nachfolger sowie ein SUV (Sport Utility Vehicle).

"Ein erfolgreicher Relaunch dauert vier bis fünf Jahre", weiß Klaus Fricke. Nimmt man als Starttermin die Markteinführung von Thesis und Phedra, sollte er 2006 abgeschlossen sein. Rechtzeitig zu Lancias 100. Geburtstag.

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