Deutschlands Top 200, Folge 16: Opel Manta

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Deutschlands Top 200, Folge 16: Opel Manta

— 02.10.2005

Nix mehr Super, Ingo!

Was für eine Karriere: Ein Opel Manta machte Werbung für die DEA – und wird jetzt zum zweiten Mal berühmt.

Der echte Ingo-Manta: satte 33 cm breiter

Das Beste sind die Reifen. Man muß ein bißchen suchen, um sie zu finden, die Dinger lagern versteckt in einer Ecke der Werkstatt. Aber es lohnt sich, denn so was gibt es wirklich selten: "345/35 ZR 15" steht auf den Pirelli-Pneus der Hinterachse. Auf deutsch bedeutet das: Die Lauffläche ist stolze 345 Millimeter breit, die Felge aber nur 15 Zoll groß. In der Kombination sieht das aus, als hätte man zwei Kleinwagen-Reifen aneinandergeklebt. Einfach grotesk.

Na gut, der Rest des Autos, das da drüben nackt bis aufs Blech auf der Hebebühne steht, ist nicht minder kurios. Allein schon wegen der vielen roten Flammen, die sich über beide Seiten ziehen. Und natürlich wegen der Ausmaße: Der Bursche ist 4,55 Meter lang, 1,34 Meter hoch – und genau zwei Meter breit. Das sind 33 Zentimeter mehr als im Ursprung. Es ist ein Opel Manta B, 1983 als ganz normales Sportcoupé gebaut und anschließend aufgerüstet mit dem Breitbausatz "Super-Extrem" von Tuner Mattig in Passau. Ganz dickes Ding.

Aber nicht nur das: Genau dieser Manta war der Star in der legendären DEA-Werbung mit Super-Ingo. Sie wissen schon, diesem Manta-Proll mit Fransenjacke und Goldkettchen, der sich öfter mal im Kraftstoff vergriff und sich deshalb immer wieder anhören mußte: "Super, Ingo – nicht Diesel!" Der knallgelbe Ingo-Manta ist spätestens seitdem einer der bekanntesten Vertreter der 470.074 Manta, die von 1970 an in Deutschland neu zugelassen wurden. Damit schafft es der Volkssportler auf Platz 48 unserer Bestenliste "Deutschlands Top 200".

Rote Lack-Flammen für die TV-Karriere

Besitzer Mike Wolf (31) aus Chemnitz hat mit dem Werbe-Manta eine Menge durchgemacht. Gefunden hatte er ihn mal in einer Kleinanzeige. Schon fertig umgebaut, mit passenden Reifen drauf und korrekten Einträgen im Fahrzeugschein. 14.500 Mark kratzte der gelernte Schlosser damals zusammen. "Das war viel Geld für mich. Aber als ich diesen Extrem-Breitbau gesehen habe, habe ich gedacht: Ein Manta von einem anderen Stern – so stelle ich mir das Auto vor."

Auch wenn Wolf beim Blick in den Rückspiegel nicht viel mehr als die Kotflügel sah. Und mit dem serienmäßigen Zweiliter-Motor (110 PS) in Kombination mit den dicken Rädern so gut wie nicht von der Stelle kam. Drei Wochen zuckelte Wolf so durch Chemnitz, dann wurde es ihm zu bunt: Er zerlegte den Wagen, besserte die Karosserie aus, pflanzte dem Manta den 204 PS starken Dreiliter-Motor aus dem Omega ein (siehe technische Daten auf Seite 4) und ließ ihn von Gold in Gelb umlackieren.

"Das Auto war einzigartig. Ich war der Held auf jedem Treffen." Auch die Szene-Zeitschriften berichteten über Mike und sein gelbes Manta-Monster. Damals lief die DEA-Werbung schon, allerdings noch mit einem ganz normalen blauen GSI. Als die Produktionsgesellschaft einen auffälligeren Manta suchte, fand sie ihn bei Mike Wolf. Die Zusammenarbeit begann mit einem Schock für den Chemnitzer: "Die wollten unbedingt Flammen drauflackieren lassen. Als der Wagen zehn Tage später zurückkam, fand ich ihn furchtbar. Ich habe mich so geschämt, daß ich ihn in der Garage versteckt habe."

Comeback bei der Essen Motor Show 2005

Es begann eine seltsame Zeit für ihn. Das Auto, die Spots, der Kult – sie haben Mike Wolf ins Rampenlicht gebracht. "An der Ampel sind die Leute regelrecht aus den Autos gesprungen. Und auf den Opel-Treffen war ich noch gar nicht auf dem Platz, da haben die anderen schon 'Super-Ingo' geschrien." Bei jeder Tankstellen-Eröffnung war der Manta zusammen mit Ingo-Darsteller Gerhard Guntram Gschwind dabei.

Doch der Ruhm brachte auch Neider: "Es wurde erzählt, ich hätte sechsstellige Summen kassiert, wäre total abgehoben und würde mit keinem mehr reden. Ich habe damals viele Freunde in der 34,5-cm-Szene verloren. Dabei war ich doch nur Mike Wolf, ein Arbeitsloser aus Chemnitz. Mich hat das völlig überfordert." Und dann, so Anfang 2002, war plötzlich Schluß. Auf einmal wollte keiner mehr was wissen vom Mega-Manta und seinem Besitzer.

Wolf ließ sich zum Lkw-Fahrer umschulen, der Wagen verschwand in der Garage. Bis sich vor ein paar Wochen Petra Mattig bei Wolf meldete. Die Tochter von Ex-Rallyefahrer und Firmenchef Peter Mattig führt die Geschäfte beim bayerischen Veredler und suchte nach einem spektakulären Zugpferd für die Tuningmesse Essen Motor Show 2005. Sie erinnerte sich an einen anderen Filmstar aus eigenem Hause: Das Auto, das im Film "Manta Manta" mit Til Schweiger und Tina Ruland die Hauptrolle spielte – ebenfalls ein Mattig-Manta.

Technische Daten des "Super Ingo"-Manta

Der Original-Wagen aus dem Film war nach einem Unfall verschrottet worden. Einen anderen ganz neu umzubauen, das würde zu lange dauern. "Wer hat noch einen Super-Extrem-Bausatz?" fragte Petra Mattig in Internetforen herum. Sie fand ihn bei Mike Wolf – ohne zu ahnen, daß sein Auto selbst schon mal ein Star war. Der ehemalige Super-Ingo-Manta wird jetzt bei Mattig zur Kopie des Kino-Manta umgebaut. Bekommt neue GFK-Teile, den Original-Grill, andere Spiegel, neue Kotflügel und die bunte Filmlackierung.

Wolfs Kumpel, der Manta-Spezialist Manfred Neumayer aus Erding, kümmert sich um Achsen, Leitungen, Tank, Himmel und Teppich, Armaturen und Frontscheibe. Die Zeit drängt: Vom 25. November bis 4. Dezember 2005 soll der Manta in Essen stehen. Da lassen sich dann auch noch mal diese wahnwitzigen Reifen ganz genau betrachten ...

Technische Daten Reihensechszylinder aus Omega A • 24 Ventile • zwei obenliegende Nockenwellen • Dual Ram • Hubraum 2969 cm³ • Leistung 150 kW (204 PS) bei 5400/min • max. Drehmoment 270 Nm bei 3600/min • Heckantrieb • Fünfgang-Getrag-Getriebe • Auspuff dopppelflutiger Eigenbau mit zwei Jetex-Endtöpfen und Doppel-Endrohren • Bremsen vorne innenbelüftete Scheiben von Pink Power mit Senator-B-Sätteln, hinten Scheiben und Sättel von Irmscher • Länge/Breite/Höhe 4550/2000/1340 mm • Reifen vorne 285/40 ZR15, hinten 345/35 ZR15 • Leergewicht 1145 kg • Spitze 230km/h.

Autor: Alex Cohrs

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