Technik im Winter

Diesel im Winter

— 06.02.2012

Wenn der Diesel kapituliert

Bei minus 23 Grad ist Schluss für Dieselfahrer. Denn bei so großer Kälte wird aus dem klaren Kraftstoff eine trübe, butterähnliche Masse, die kein Motor mehr schluckt.

Der ADAC warnt: Bei den aktuellen Temperaturen drohen nicht nur Batterieschäden, sondern auch das Ausflocken von Dieselkraftstoffen. Beides legte Anfang 2012 tausende von Autos lahm – so kam es am 2. Februar 2012 zur zweithöchsten Einsatzzahl der "Gelben Engel" seit Bestehen des ADAC. Zwar versprechen die Hersteller Sicherheit bei bis zu minus 25 Grad. Doch im Winter 2011/2012 lagen die nächtlichen Temperaturen schon im kritischen Bereich. Dabei besteht die Gefahr, dass die Paraffine im Kraftstoff im Dieselfilter ausflocken. Geschieht dies, springt der Wagen entweder gar nicht mehr an oder geht nach wenigen Metern wieder aus.
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Autofahren im Winter: 33 Fragen zur Kälte

ADAC-Experte Hubertus Paulus rät deshalb, das Auto möglichst in einer Garage zu parken. Ist dies nicht möglich, sollte man sich wenigstens windgeschützte Bereiche suchen, um Dieselfahrzeuge abzustellen. Wichtig ist auch, dass der Tank möglichst voll ist, damit sich kein Kondenswasser bildet. Schon ab sieben Grad minus bilden sich in der klaren Flüssigkeit die ersten Wolken aus kleinen Wachskristallen. Im modernen Dieselkraftstoff sorgen Fließverbesserer dafür, dass sie nicht weiterwachsen oder sich zu großen Brocken zusammentun. Sinkt das Quecksilber aber unter minus 22 Grad, helfen auch diese Zusätze nicht mehr. Davor bewahren auch Additive aus dem Baumarkt nicht. Sie können im Tank sogar für böse Überraschungen sorgen: Entweder setzt das Baumarktmittel die Hilfsstoffe aus der Raffinerie außer Gefecht, oder die Wundersäfte werden bei zu großer Kälte eingefüllt, vermischen sich nicht mit dem Diesel und verstopfen die Filter. Folge: Der Motor steht. Auch der Trick mit dem Zutanken von Benzin reißt bei dieser Eiseskälte nichts mehr raus. Früher genehmigten Dieselfahrer ihrem nagelnden Gefährt im Winter an der Dieselsäule oft noch einen Schluck Benzin. Das steht zwar auch heute noch in einigen Betriebsanleitungen, aber modernen Common-Rail-Diesel oder Pumpe-Düse-Motoren droht durchs Benzin sogar der Pumpentod.

Vorsicht, Explosionsgefahr!

Jeder Tropfen Benzin verändert Struktur und Schmierfähigkeit des Diesels sowie die Druckverhältnisse in den Pumpen. Also: Finger weg! Und selbst bei den Fahrzeugen, die den Spritzer Benzin im Diesel noch vertragen können, hilft es heutzutage nicht mehr weiter, denn ab 23 Grad unter null wird auch das Diesel-Benzin-Gemisch zäh. Aber was tun, wenn ihr Auto wegen ausgeflockten Diesels nicht läuft? Ruhe bewahren und bitte niemals den Tank erwärmen, etwa mit einem Gasbrenner: Explosionsgefahr! Der Kraftstoff muss in einem geheizten Raum langsam auftauen. Bei plus 20 Grad Außentemperatur lösen sich die Wachskristalle wieder auf, nach einem Tausch des Kraftstofffilters fährt das Auto wie vorher.

Batterien geben auf

Bei Temperaturen um minus 20 Grad sind es jedoch oft auch die Batterien, die Fahrzeuge lahmlegen: "Batterien, die älter als vier Jahre sind, gehen jetzt schon häufiger mal in die Knie", erklärt Ingenieur Hubertus Paulus. Besonders problematisch wird es derzeit, wenn ein Fahrzeug am Tag weniger als 15 Kilometer bewegt wird: "Wenn das Gebläse, die Stand- und Sitzheizung laufen, kann die Batterie auf dieser kurzen Strecke nicht mehr aufladen", so der Ingenieur vom ADAC. Er rät deshalb, auf dem Rückweg eine längere Strecke zu fahren, bis die Motortemperatur angestiegen ist, oder die Batterie zuhause an ein externes Ladegerät anzuschließen. Ältere Batterien sollte man zum Winter ohnehin in einer Werkstatt überprüfen lassen. "Das macht auch jetzt noch Sinn, wenn es weiter so kalt bleibt", betont Paulus.

Biodiesel – winterfest mit Qualitätssiegel

Für Biodiesel (Rapsöl-Methyl-Ester/RME) gilt Ähnliches wie für normalen Diesel: Ohne Additive zur Erhöhung der Kältefestigkeit ist der Kraftstoff etwa bis zehn Grad unter null frostfest. Bei tieferen Temperaturen bilden sich ebenfalls Kristalle. Deshalb mischen die führenden deutschen Biodiesel-Hersteller Fließverbesserer bei, die den Diesel bis mindestens minus 20 Grad kältefest machen. Tipp: Autofahrer, die mit ihren Fahrzeugen Biodiesel tanken können, sollten darauf achten, dass der Anbieter des Kraftstoffs die Einhaltung der DIN EN 14214 garantiert und die Qualität des Biodiesels überwacht wird – zu erkennen zum Beispiel an einem Zertifikat der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel e.V. (AGQM).

Oben in der Bildergalerie: So schützen Sie Ihr Auto bei extremer Kälte!

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