Diesel im Winter

— 20.01.2003

Bei minus 23 Grad ist Schluss . . .

... für Dieselfahrer. Denn bei so großer Kälte wird aus dem klarem Kraftstoff eine trübe, butterähnliche Masse, die kein Motor mehr schluckt.
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Der Diesel mag es gerne warm
Anfang Januar blickten Dieselfahrer in Brandenburg sorgenvoll aufs Thermometer. Bei Temperaturen von 20 Grad unter null und kälter entschied jeder neue Minusgrad über Fahren oder Parken bis zum Tauwetter. Der Diesel mag es gerne warm. Ab sieben Grad minus bilden sich in der klaren Flüssigkeit die ersten Wolken aus kleinen Wachskristallen. Im modernen Dieselkraftstoff sorgen Fließverbesserer dafür, dass sie nicht weiterwachsen oder sich zu großen Brocken zusammentun.

Sinkt das Quecksilber aber unter minus 22 Grad, helfen auch diese Zusätze nicht mehr. Aus dem Diesel wird eine trübe Masse, die in keinem Motor mehr verbrennt. Davor bewahren auch Additive aus dem Baumarkt nicht. Sie können im Tank sogar für böse Überraschungen sorgen: Entweder setzt das Baumarktmittel die Hilfsstoffe aus der Raffinerie außer Gefecht, oder die Wundersäfte werden bei zu großer Kälte eingefüllt, vermischen sich nicht mit dem Diesel und verstopfen die Filter. Folge: Der Motor steht.

Auch der Trick mit dem Zutanken von Benzin reißt bei dieser Eiseskälte nichts mehr raus. Früher genehmigten Dieselfahrer ihrem nagelnden Gefährt im Winter an der Dieselsäule oft noch einen Schluck Benzin. Das steht zwar auch heute noch in einigen Betriebsanleitungen, doch ab 23 Grad unter null wird auch das Diesel-Benzin-Gemisch zäh. Modernen Common-Rail-Diesel oder Pumpe-Düse-Motoren droht durchs Benzin sogar der Pumpentod. Jeder Tropfen Benzin verändert Struktur und Schmierfähigkeit des Diesels sowie die Druckverhältnisse in den Pumpen. Also: Finger weg!
Achtung, Explosionsgefahr!
Doch warum fahren die Autos in Sibirien oder anderen Dauerfrostregionen auch noch bei Temperaturen von minus 40 Grad und darunter? Erstens gibt es dort fast keine Diesel, zudem lassen etwa in Sibirien die meisten Autobesitzer ihre Motoren ganz einfach rund um die Uhr laufen. Umweltschutz hat hier noch keine Chance. Und was sollen deutsche Autofahrer tun, wenn ihr Auto wegen ausgeflockten Diesels nicht läuft? Ruhe bewahren und bitte nie den Tank erwärmen, etwa mit einem Gasbrenner.

Achtung: Explosionsgefahr! Der Kraftstoff muss in einem geheizten Raum langsam auftauen. Bei plus 20 Grad Außentemperatur lösen sich die Wachskristalle wieder auf, ist die Diesel-Butter im Tank binnen einen Tages wieder flüsssig. Nach einem Tausch des Kraftstofffilters fährt das Auto wie vorher. Für Dieselfahrer kommt mit dem Frost aber auch aus anderen Gründen der Frust: Der kalte Motor startet schwer und läuft unruhig. Doch dagegen kann man etwas tun:

• Zwei Mal vorglühen, das wärmt den Brennraum vor. Der Diesel zündet leichter • Nicht voll tanken. Bei Dieselmotoren laufen bis zu 90 Prozent des Kraftstoffs erwärmt in den Tank zurück. Der Diesel wird nicht kalt • Leichtlauföl einfüllen, am besten 0W 30. Auf Herstellerangabe achten! • Batterie kontrollieren. Notfalls destilliertes Wasser nachfüllen, Batterie und Pole reinigen, Klemmen nachziehen • Keilriemenspannung prüfen. Ist sie zu gering, kann die Lichtmaschine die Batterie nicht richtig laden.
Biodiesel – winterfest mit Qualitätssiegel
Biodiesel (Rapsöl-Methyl-Ester/RME) ist bis etwa zehn oder zwölf Grad unter null frostfest. Bei tieferen Temperaturen bilden sich so große Kristalle, dass die Kraftstofffilter verstopfen und nichts mehr geht. Deshalb mischen die 16 deutschen Biodiesel-Hersteller Additive bei, die das Entstehen zu großer Kristalle verhindern.

Wichtig: "Die Zusätze müssen noch unter den produktionswarmen Biodiesel gemischt werden, damit sie sich gleichmäßig verteilen", sagt Dr. Jens Haupt, Referent für Qualitätssicherung bei der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel in Bonn. Wurde alles richtig gemacht, läuft der Motor mit RME-Diesel auch bis minus 22 Grad. Tankstellen, die diesen winterfesten Biodiesel in den Tanks haben, erkennen Autofahrer an einem Qualitätssiegel. Solche Tankstellen werden strenger kontrolliert und geben garantiert nur winterfesten RME-Kraftstoff (Biodiesel aus Raps) nach E-DIN 51606 ab.
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