Motoröl: das richtige Öl finden
Jetzt ist eine gute Zeit für den Ölwechsel. Doch welches Öl nehmen?

Bild: Christoph Börries
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Ein Ölwechsel ist stets eine clevere Idee, denn frisches Öl ist Balsam für Kurbelwelle, Nockenwelle, Kolben und alle anderen Teile, die im Motor rotieren, reiben, gleiten. Doch zur Mitte des Winters, also genau jetzt, tut man seinem Motor damit besonders viel Gutes. Warum ist das so?
Das hat vor allem mit den niedrigen Temperaturen, den häufigen Temperaturwechseln und der stark erhöhten Feuchtigkeit zu tun. Denn im Winter sammeln sich durch Feuchtigkeit und Kondensation mehr Verunreinigungen im Öl. Hinzu kommt, dass das Auto im Winter aufgrund der Witterungsverhältnisse häufiger als etwa im Sommer für Kurzstrecken genutzt wird, wodurch die Kraftstoffbeimengung im Öl erhöht wird. Im kalten Betriebszustand mogelt sich nämlich Kraftstoff an den Kolben vorbei, weil das Steuergerät mehr Benzin oder Diesel (Anfettung) einspritzen lässt, um die Verbrennung zu optimieren. Dieser Kraftstoff wird jedoch nicht vollständig verbrannt und gelangt zum Teil über die Zylinderwände ins Motoröl. Hinzu dichtet das zähflüssigere, kalte Öl nicht optimal gegen diesen Effekt ab.

Autofahren im Winter bedeutet mehr Feuchtigkeit, mehr Temperaturschwankungen und vermehrte Kurzstrecken. Das belastet das Öl zunehmend. Wer es zur Mitte des Winters wechselt, schont den Motor besonders effektiv.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Weil der Motor auf kurzen Strecken und im Winter ohnehin langsamer seine Betriebstemperatur erreicht, können beigemengter Kraftstoff und Wasser kaum verdunsten. Sie verdampfen erst, wenn das Motoröl eine Betriebstemperatur von 90 bis 100 °C erreicht hat und gelangen über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Ansaugtrakt und dann ins Abgassystem. Über das Jahr betrachtet, erreicht das Motoröl also zur Mitte des Winters seinen schlechtesten Zustand. Daher schont man in den kommenden Monaten den Motor besonders effektiv, wenn man jetzt einen Ölwechsel durchführt.
Motoröl ist nicht gleich Motoröl. Je nach Motor muss der Schmierstoff nämlich unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Um das richtige Öl zu finden, gibt es verschiedene Codes, die das Motoröl klassifizieren. Wer aber schon einmal im Autozubehörhandel vor dem Motorölregal gestanden hat, kennt die Verwirrung, die sich durch die vielen verschiedenen Abkürzungen einstellt: ACEA, A3-98, VW 505.00, 5W-40 – was heißt das denn? Welches Öl braucht der Motor? Die wichtigsten Fakten im Überblick!
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SAE-Klasse: SAE steht für "Society of Automotive Engineers", eine Organisation, die verschiedene Standards in der Autoindustrie festlegt – dazu gehören auch die SAE-Klassen, welche die Viskosität von Motoröl angeben. Im Ölcode, zum Beispiel "5W30" werden dafür die Niedrig- und die Hochtemperatur-Viskosität angegeben. Die Niedrigtemperaturviskosität steht vorne, erkennbar am "W" für Winter. Je kleiner die Zahl, desto kältebeständiger ist das Öl. Die Klasse SAE 5W bescheinigt dem Öl ein gutes Fließverhalten bis -35° C. Die zweite Zahl, in diesem Fall "30", gibt die Viskosität bei Wärme an. Je höher die Zahl, desto dickflüssiger bleibt das Öl bei hohen Temperaturen und dementsprechend belastbar ist der Schmierstoff.
ACEA-Spezifikation: Auch hinter ACEA steckt eine Organisation, die "Association des Constructeurs Européens d'Automobiles" (Verband der europäischen Automobilhersteller). Im ACEA sind europäische Hersteller wie VW oder Volvo organisiert, die ihre eigenen Motoröl-Spezifikationen geschaffen haben. Dieser Ölcode besteht aus Buchstaben, die das Öl einem Fahrzeugtyp zuordnen, sowie einer Zahl, welche die Leistungsfähigkeit des Motoröls beschreibt. Dabei gilt: je höher die Zahl, desto leistungsfähiger das Öl. Die Buchstaben stehen dabei für folgende Fahrzeugtypen:
- A: Pkw mit Ottomotor (Benziner)
- B: Pkw und kleine Nutzfahrzeuge mit Dieselmotor
- C: Pkw mit Otto- oder Dieselmotor mit modernen Abgasnachbehandlungssystemen (z. B. Partikelfilter)
- E: Lkw mit Dieselmotor
API-Klassen: Die sogenannte API-Klassifikation ist der Standard vom American Petroleum Institut. Entsprechend sind die Spezifikationen auf amerikanische Motoren abgestimmt. Hier wird das Motoröl mithilfe von Buchstaben in Klassen eingeteilt. Grundsätzlich wird dabei unterschieden zwischen Motorölen der Klasse "S" für Ottomotoren sowie Ölen der Klasse "C" für Dieselmotoren in Nutzfahrzeugen. Eine Norm für Diesel-Pkw gibt es nicht. Darüber hinaus gibt es die Klasse "GL" für Getriebeöl. Weitere Buchstaben kennzeichnen die Leistungsfähigkeit des Öls. Für Benziner sind aktuell die Klassen SJ, SL, SM und SN gebräuchlich. Vorherige Klassen sind nur für ältere Autos geeignet. Die API-Klasse SA kennzeichnet zum Beispiel ein Motoröl ohne jegliche Additive, dies kommt höchstens noch im Oldtimer zum Einsatz.
Hersteller-Codes: Hersteller wie VW oder Mercedes haben ihre eigenen Ölcodes. Das liegt vor allem daran, dass die Motoren immer komplexer werden und die Öle immer leistungsfähiger. Die Hersteller nehmen deswegen eigene Tests vor und geben nur bestimmte Öle für die jeweiligen Motoren frei. Das ist dann an den jeweiligen Hersteller-Spezifikationen erkennbar, etwa "VW 505.00" oder "Mercedes-Benz 229.1".
Wichtig ist, auf die Freigaben der Motoröle durch den Hersteller zu achten. Welches Motoröl für das jeweilige Auto geeignet ist, steht im Fahrzeughandbuch. Finden sich keine Herstellerfreigaben, müssen Sie auf die ACEA- oder API-Spezifikationen achten. Haben Sie das Fahrzeughandbuch nicht zur Hand, hilft manchmal auch das Serviceheft weiter. Alternativ bieten einige Ölhersteller im Netz Ölsuchmaschinen. Hier lässt sich über die Eingabe von HSN und TSN aus dem Fahrzeugschein einfach das geeignete Öl finden.
Ja und nein. Sofern die Sorten den Herstellervorgaben entsprechen, dürfen verschiedene Öle gemischt werden. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um ein Mineral- oder Synthetiköl handelt. Allerdings sollte man kein Öl verwenden, das nicht für den Motor freigegeben ist.
So benötigen Autos mit Partikelfilter beispielsweise sogenannte Low-Ash-Motoröle. Das sind Öle, die fast aschefrei verbrennen und den Filter somit nicht verstopfen. Wird hier ein anderes Öl verwendet, verstopft der Partikelfilter.

Immer nur nachfüllen reicht nicht – das Motoröl muss auch in regelmäßigen Abständen komplett ausgetauscht werden.
Bild: Ronald Sassen
Wird ein Öl mit der falschen Viskosität verwendet, kann der erforderliche Öldruck abweichen, was zu Schäden des Motors führt. Gleichzeitig erlöschen eventuell noch bestehende Garantieansprüche.
Besondere Vorsicht ist bei Motoren geboten, die einen im Motoröl laufenden Zahnriemen verwenden. Dies ist beispielsweise bei vielen EcoBoost-Motoren von Ford der Fall. Um die Reibung und den Verbrauch zu minimieren, wurde der Zahnriemenantrieb so konzipiert, dass der Riemen permanent im Motoröl läuft. Dabei kommt ein spezielles Öl zum Einsatz, welches das Material des Zahnriemens nicht angreift. Bei der Zugabe anderer handelsüblicher Öle beginnt sich der Zahnriemen zu zersetzen.

Zahnausfall: Durch falsches Öl beschädigter Zahnriemen eines Ford Fiesta EcoBoost.
Bild: DEKRA
Das aufgelöste Material kann dann zu schweren Schäden führen, indem es Ölleitungen im Motor zusetzt. Oder aber der beschädigte Zahnriemen springt über und zerstört dabei Ventile und Kolben – ein kapitaler Motorschaden. Wichtig: Die vorgesehenen Öle für die unter Öl laufenden Zahnriemen lassen sich nicht anhand der angegebenen Viskosität (etwa 5W40) erkennen. Stattdessen muss der exakte Motortyp in der Liste der zu vorgesehenen Motoren aufgeführt sein.
- Ölstand regelmäßig kontrollieren: AUTO BILD empfiehlt, den Ölstand spätestens nach jedem dritten Tankstopp zu überprüfen. Nur so können Sie erkennen, wann Öl in welcher Menge nachgefüllt werden muss. Denn wenn die Ölkontrollleuchte erst mal blinkt, ist es häufig schon zu spät. Anleitung: Ölstand prüfen
- Ölreserve mitführen: Das Öl im Tankstellenshop ist meist ziemlich überteuert. Hinzu kommt, dass viele Öle, wie die Low-Ash-Motoröle, oft nicht überall erhältlich sind. Bei blinkendem Kontroll-Lämpchen ist aber sofortiges Handeln gefragt. Deswegen am besten immer einen Liter Öl im Kofferraum dabeihaben.
- Regelmäßiger Ölwechsel: Das Öl minimiert Reibung und damit Verschleiß im Motor. Mit der Zeit verliert das Öl jedoch seine guten Eigenschaften. Deswegen ist ein regelmäßiger Ölwechsel wichtig. Hier sollte man sich mindestens an das Hersteller-Intervall halten.
- Longlife-Öle: Experten raten die langen Ölwechselintervalle von teilweise über 30.000 Kilometern zum Schutz von Komponenten wie Turbolader und Steuerkettenantrieb zu ignorieren und stattdessen feste Intervalle einzuführen, dabei aber weiterhin die vom Hersteller empfohlenen Longlife-Öle zu verwenden.
- Fahrprofil beachten: Kurzstreckenfahrzeuge sollten die vorgegebenen Intervalle unterschreiten. Denn erhitzt sich das Öl nicht vollständig bei der Fahrt, verringert sich die selbstreinigende Leistung des Öls. Bei einem jährlichen Ölwechsel ist die Mitte des Winters aufgrund der dann auftretenden kalten Temperaturen und der Feuchtigkeit der perfekte Zeitpunkt. So reduziert sich der Verschleiß des Öls. Wer dabei Geld sparen will, erledigt den Ölwechsel selbst.
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