Ram 1500 EcoDiesel im Test

Dodge Ram 1500 EcoDiesel CrewCab: Test

— 30.09.2015

Die Größe macht's

Diese Kombination ist neu: ein riesiger US-Pick-up mit 3.0-V6-Turbodiesel. Reicht das für den 2,7 Tonnen schweren und zwei Meter breiten Ram?

Ihr normales Leben, liebe Leser, ist schlagartig vorbei. Jedenfalls dann, wenn Sie sich einen Ram zulegen und damit erstmals zu Hause aufkreuzen. Dabei muss der Ram gar nicht in diesem leuchtenden Flame Red lackiert sein wie unser Testwagen. Mit der Wucht seiner Erscheinung sprengt der amerikanische Fullsize-Pick-up die Nichtbeachtungsschwelle jedes Nachbarn. Hälse verdrehen sich, Augen reißen auf, Kiefer klappen nach unten.

Schon rein optisch ist der Ram 1500 ein ganz dickes Ding

Klare Kante: Das Design des Ram 1500 ist von amerikanischen Loks und Lastwagen inspiriert.

Es ist nicht nur die schiere Größe, die dieses Automobil zum Hingucker werden lässt. Es ist auch das charakteristische Lokomotiven-Design: Die Front mit dem monströsen Kühlergrill und den stufig abgesetzten Scheinwerfern verdanken wir der Idee des früheren Dodge-Chefgestalters Phillip E. Payne, der sich vom Aussehen amerikanischer Lastwagen und Lokomotiven inspirieren ließ. Auch uns Europäer zieht der Ram in seinen Bann. Doch anders als die Amerikaner haben wir mit ihm ein technisches Problem: fette, durstige V8 oder schwere Diesel, die ein Heavy-Duty-Fahrwerk erfordern. Dieses Dilemma ist nun beendet. Denn jetzt gibt es einen zusätzlichen Motor, ideal für Europa: den 3.0-Turbodiesel aus dem Jeep Grand Cherokee. Der von VM aus Italien zugelieferte V-Sechszylinder wiegt nur 20 Kilo mehr als der V8-Benziner, kann deshalb mit dem gleichen Fahrwerk kombiniert werden wie der Benziner und bleibt damit trotz 790 Kilogramm Zuladung problemlos unter der 3,5-Tonnen-Grenze.
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Der neue Selbstzünder macht den Ami für Europa interessant

Passt ganz ausgezeichnet: Der Dreiliter-Diesel zeigt sich dem hohen Fahrzeuggewicht jederzeit gewachsen.

Doch ist der Dreiliter-Diesel nicht zu schwach für den dicken Ram? Nein, ist er nicht. Er bewegt den über zwei Meter breiten, fast zwei Meter hohen und über 2,7 Tonnen schweren Pickup mit Anstand und ohne sich je zu blamieren. Kein Wunder, denn zum einen wiegt der Ram EcoDiesel gerade einmal 300 Kilo mehr als ein Jeep Grand Cherokee mit dem gleichen Motor, zum anderen wird der Diesel wirkungsvoll unterstützt von der ebenfalls aus dem Jeep bekannten Achtstufen-Wandlerautomatik des deutschen Herstellers ZF. V6-Diesel und ZF-Automatik arbeiten auch im Ram Pickup überzeugend zusammen. Der kurze erste Gang der Automatik hilft dem Diesel beim Anfahren, die kleine Turboverzögerung schnell zu überwinden. Das ordentliche Drehmoment von 569 Nm wiederum hilft der Automa-tik dabei, schnell höhere Gänge einlegen zu können. Das wiederum hilft dem Diesel, seine Drehzahlen zu senken. Und das hilft dem Ram-Besitzer, weil es den Kraftstoffverbrauch drosselt. So schnürt der EcoDiesel auf der Autobahn mit sanft abgeregelten 171 km/h Spitze im siebten Gang dahin und dreht dabei 3325 Touren.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Nimmt man das Gaspedal auf etwa Halbgas zurück, stellt man fest, dass die Automatik nun in den langen Achten hochschaltet und der Ram sein Höchsttempo zumindest in der Ebene hält. Der Lohn: nur noch 2650 Touren und damit ein Verbrauch bei Höchsttempo von 16 Liter/100 km. Bei gleicher Geschwindigkeit zieht sich der 5.7-V8 bereits 20 Liter Superbenzin pro 100 km rein.

Beim Fahrverhalten räumt der Fullsize-Pick-up mit Vorurteilen auf

Schluss mit der wogenden Trampeligkeit: Das Fahrwerk des Ram garantiert Präzision und Komfort.

Begnügt man sich mit Tempo 130, sinkt der Dieselverbrauch auf unter 12 Liter/100 km. Unser Testverbrauch im gemischten Betrieb lag bei 10,5 Liter/100 km, was einem Aufschlag von 1,5 Liter pro 100 km gegenüber dem Grand Cherokee mit der gleichen Motor-Getriebe-Kombination entspricht. Also reitet man diesen Ram ohne ständige Gedanken an den Tankinhalt. Die Fahrt wird zum Genuss ohne Reue. Er hat kaum mehr etwas von der wogenden Trampeligkeit, für die man große US-Fullsize-Pick-ups noch vor 20 Jahren belächelte. Vordere Einzelradaufhängung, präzisere Zahnstangenlenkung, schraubengefederte Hinterachse und auf Wunsch sogar Luftfederungen bringen erstaunliche Fahrpräzision, Fahrsicherheit und Fahrkomfort. So kann man auch im Alltag ohne Anstrengung fahren oder viele Kilometer auf Langstrecken absolvieren – obwohl der Testwagen nicht die 2176 Euro teure Luftfederung an Bord hatte. Doch auch mit dem serienmäßigen Stahlfedern reitet man im Ram 1500 komfortabel durch die Lande. Nur auf kurzen Querfugen zittert die Fuhre nach und erinnert so an die schweren Radaufhängungen und Räder. Hauptsache, die Straße wird nicht zu eng. Fette 2,47 Meter Breite – gemessen inklusive der großen Außenspiegel – sind auch von diesem Hochsessel aus schwer durch deutsche Innenstädte zu bugsieren.

Das Arbeitstier gibt sich am Arbeitsplatz durchaus luxuriös

Luxus: Der Ram-Pilot hat viele elektronische Helfer, Ledersitze und eine fette Sound-Anlage an Bord.

Die 5,82 Meter Länge des viertürigen Ram CrewCab (Mannschaftskabine) verbieten von vorneherein die Einfahrt in Parkhäuser oder Tiefgaragen. Auch ein passender Parkplatz am Straßenrand wird schnell zur Utopie. Und auf Querstellplätzen hat man ein schlechtes Gewissen, weil praktisch die komplette Ladefläche auf die Fahrbahn hinausragt. Dabei hatte der Testwagen nur die kurze 5-Feet-7-Inch-Pritsche mit 1,63 Meter Innenlänge, das ist die kürzeste lieferbare Ladefläche. Kürzer als der Testwagen geht es aber auch. Dafür gibt es im Ram-Programm den RegularCab mit nur zwei Türen und einer Sitzreihe. Mit der gleichen 5-Feet-7-Inch-Pritsche kommt er auf 5,31 Meter Gesamtlänge – ein Zweipersonenauto, das länger ist als ein Audi Q7; so sind sie, die Amerikaner. Auch in Sachen Ausstattung verwöhnt der Ram wie ein typisches US-Auto: elektrische Hilfen bis hin zur Lenkradeinstellung sind selbstverständlich. Und die Lederbezüge der wahrlich großzügigen Sitze können nicht nur beheizt werden, sondern mittels in den Sitzen versteckten Ventilatoren auch gekühlt.

Im Allradantrieb steckt viel moderne Technik

Vielseitig: Der Allradantrieb verteilt seine Kraft variabel, verfügt über Sperren und Untersetzung.

Dazu verwöhnen eine bassstarke Soundanlage und das elektrische Schiebedach. Auch mit nützlichen Details spart der Ram EcoDiesel nicht, denn er wird nur in der höchsten Ausstattungsstufe namens Laramie importiert. Auch antriebstechnisch lässt es der dicke Amerikaner an nichts fehlen. Ganz traditionell ruht zwar die aufgeschraubte Karosserie auf einem mächtig dimensionierten Leiterrahmen. Aber der Allradantrieb zeigt moderne Züge und Vielseitigkeit: Dank einer elektronisch beaufsichtigten Lamellenkupplung verfügt der dicke Pick-up über einen automatischen Permanentallrad mit variabler Kraftverteilung zur Vorderachse. Der packt entschlossen zu und nimmt notfalls auch mal ein kurzes Reifenquieken auf griffiger Fahrbahn durch kleine Verspannungen in Kauf, als sich dem Vorwurf zu laschen Eingreifens auszusetzen. Wer partout will, kann den zusätzlichen Vorderradantrieb auch manuell abschalten, was im Testbetrieb aber keine messbaren Verbrauchsvorteile brachte. Das Allradsystem lässt zusätzlich noch eine manuelle Sperrung der Allradkupplung zu, die auch dann aktiv ist, wenn man von Straßen- auf Geländegang (Low) umschaltet, was die Motorantriebs- und Bremskraft in jedem Automatikgang um den Faktor 2,64 erhöht.

Eine etwas zahme Differenzialbremse, zusätzlich aber auch die elektronischen Bremseingriffe der Schlupfregelung helfen gegen einseitiges Durchdrehen, wenn man sich festgefahren hat. Das kommt vor allem dann vor, wenn der enorm lange Unterboden auf einer Hügelkuppe aufsitzt. Doch einem Ram-Fahrer hilft jeder gern wieder heraus.
Technische Daten Ram 1500 EcoDiesel
Motor V6-Zylinder, Turbodiesel
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellenantrieb 4/Kette
Einspritzung direkt, el. Common Rail
Hubraum 2987 cm³
Leistung bei 1/min 179 kW (244 PS)/3600
Drehmoment bei 1/min 569 Nm/2000
Radaufhängung vorn Einzelrad, Schraubenfedern
Radaufhängung hinten Starrachse, Schraubenfedern
Lenkung Zahnstange, hydraul. Servo
Allradantrieb perman. üb. el. Mehrscheiben kuppl.
Kraftverteilung vorn:hinten 0:100 bis 50:50
Traktionshilfen el. Bremseingriff v/h, Diff.-bremse h
Getriebe 8-Stufen-Wandlerautomatik
Bremsen vorn/hinten innenbelüft. Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 275/60 R 20
Serienbereifung 275/60 R 20
Tankvolumen 98 l/Diesel
Anhängelast gebremst/ungebremst 3475 oder 3500/750 kg
Wendekreis links/rechts 15,0/15,1 m
Preis 69.900 Euro
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Endlich gibt es den mächtigen Ram Pickup mit einen europatauglichen Dieselmotor, der nicht gleich die Zuladungskapazität raubt. Der 3.0-V6- Diesel macht den Fullsize-Amerikaner ausreichend sparsam, aber nicht unkomfortabel. Doch die Chrysler-Leute kalkulierten den Preis für diese Version viel zu hoch, sodass der US-Traum für viele ein Traum bleibt.

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