Neue EU-Pläne für Hauptuntersuchung

EU will schärfere HU-Regeln

— 13.07.2012

Widerstand gegen jährlichen TÜV

Das Bundesverkehrsministerium lehnt die EU-Pläne für eine jährliche Hauptuntersuchung ab. Auch die Polizei hält die Reform für unnötig.

(dpa) Das Bundesverkehrsministerium ist gegen eine jährliche Hauptuntersuchung bei älteren Autos. "Wenn man unsere Standards zugrundelegt, unsere Qualität der deutschen Prüfpraxis, dann halten wir das für nicht notwendig", sagte ein Ministeriumssprecher heute (13. Juli 2012) in Berlin. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas (Foto oben) hatte zuvor Pläne für eine Reform der Sicherheitsüberprüfung in Europa vorgestellt. Demnach will er Pkw ab dem siebten Betriebsjahr jedes Jahr zum TÜV schicken. Auch Autofahrerverbände wandten sich gegen die Pläne.

Kfz-HU: Änderungen Juli 2012

TÜV-Plakette TÜV-Plakette TÜV-Prüfbericht
Die Zahl der tödlichen Unfälle im europäischen Straßenverkehr sei "sehr besorgniserregend", sagte Kallas. In die meisten Unfälle seien Autos verwickelt,  die sechs Jahre oder älter seien, sagte der Verkehrskommissar. Technische Mängel seien Ursache für sechs Prozent aller Autounfälle und für 2000 Tote pro Jahr, 1200 davon wären nach Kallas' Ansicht durch bessere Sicherheitskontrollen zu vermeiden – Experten zweifeln das aber an. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sprach heute wie tags zuvor schon der ADAC von "reiner Abzocke" der Autofahrer. "Der Zustand der Fahrzeuge bei Unfällen in Deutschland spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle", sagte DPolG-Chef Rainer Wendt. Vielmehr seien Raserei, Alkohol und Fahren ohne Gurt Gründe für schlimme Unfälle und Schäden. Nur die Prüfstellen freuten sich über die Pläne, die neben häufigeren Überprüfungen auch europaweit einheitlichere Standards vorsehen.

Tatort TÜV: Prüforganisationen im Test

Gegen Unterstellungen, sein Vorschlag erfolge auf Werben der Prüforganisationen, wehrte sich Kallas: "Es ist für mich eine sehr große Überraschung, etwas über eine Lobby für technische Inspektionen zu hören." Derlei Kritik sei unbegründet. "Wir erkennen an, dass Deutschland sehr gut ist mit technischen Prüfungen.
Stichwort: Hauptuntersuchung
Die Hauptuntersuchung (HU) für Fahrzeuge – umgangssprachlich "TÜV" genannt – gibt es in Deutschland seit 1951. Sie soll verhindern, dass Autos oder Motorräder mit Sicherheitsmängeln im Straßenverkehr unterwegs sind. Zunächst verschickten die Zulassungsstellen dazu "Einladungen", seit den 1960er Jahren gibt eine farbige Plakette auf dem Nummernschild dem Autofahrer an, wann er sein Fahrzeug wieder vorzustellen hat. Erstmals muss die Hauptuntersuchung bei Pkw nach drei Jahren und dann alle zwei Jahre durchgeführt werden – was die EU über eine neue Richtlinie nun verkürzen will. Die Tests führt der Staat nicht selbst durch, sondern anerkannte Prüforganisationen wie die TÜV-Unternehmen (TÜV Nord, TÜV Süd, TÜV Rheinland usw.), Dekra oder GTÜ. Neben der Sicherheitsprüfung werden die Abgase auf Umweltverträglichkeit untersucht. Das deutsche System gilt weltweit als vorbildlich.
Quelle: dpa
Aber wir müssen einen einheitlichen Ansatz (in Europa) haben", sagte Kallas. Bereits am Donnerstag hatten TÜV Süd und Dekra die Pläne begrüßt. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) beschrieb das deutsche System ebenfalls als "sehr erfolgreich". Es fehlten Daten, die die Notwendigkeit häufigerer Prüfungen belegten. Beschlossene Sache sind die Pläne noch nicht. Nun werden sich Europaparlament und EU-Staaten mit den Vorschlägen beschäftigen.

Seehofer will EU-Bürokratie zum TÜV schicken

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer macht unterdessen massiv Front gegen die Pläne der EU-Kommission für einen jährlichen TÜV für alte Autos. "Was wir angesichts solcher Vorschläge aus Brüsseler Amtsstuben wirklich brauchen, ist ein TÜV für die EU-Bürokratie", sagte Seehofer. Jährliche Prüfungen für Autos und Motorräder seien nicht notwendig, aber teuer und lästig. Die Menschen "erwarten von der EU-Kommission, dass sie die wirklich drängenden Probleme löst und nicht mit täglichen neuen bürokratischen Gängelungen das alltägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger erschwert", sagte Seehofer.

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