Aston Martin V8 Vantage

Aston Martin V8 Vantage Aston Martin V8 Vantage

Fahrbericht Aston Martin V8 Vantage

— 07.10.2005

Das Ziel heißt Porsche

385 PS, 280 km/h, 105.000 Euro: Mit dem neuen V8 Vantage wildern die Briten erstmals im Porsche-Revier. Mit Stil und Stärke.

Außen bullig, innen zeitgeistig britisch

Der Hintern schmerzt wie nach einer Handkantenmassage, denn im Testwagen ist der schmalste Sitz montiert. Das Hirn tut nur noch Dienst nach Vorschrift, denn drei Dutzend Radarfallen und drei Polizeistreifen in Zivil waren zuviel des Guten. Doch die Augen glühen schon vor dem ersten Guinness wie zwei Kerzen im Halbdunkel, denn diesen Tag werden sie so schnell nicht vergessen. Das Kurzzeitgedächtnis hat längst die Wiedergabetaste gedrückt. Und es erscheinen Szenen eines wilden Ritts quer über die Britischen Inseln, vom viktorianischen Scarborough ins prollige Blackpool.

Hauptdarsteller ist der neue Aston Martin V8 Vantage. Ein Auto, das nicht nur die Herzen des englischen Publikums im Sturm erobern wird. Der Vantage ist nach DB9 und Vanquish der dritte Streich des Ulrich Bez, des Aston-Martin-Chefentwicklers und früheren BMW-, Porsche- und Daewoo-Managers. Der V8 ist wieder ein typischer Aston Martin, dazu optisch betont sportlich: breit, flach, kurz, bullig. Innen gibt er sich zeitgeistig britisch – mehr Millennium Dome als Buckingham Palace.

Das Cockpit ist komplett beledert, statt Holz dient dunkles Aluminium als Kontrastmaterial. Die Ausstattung ist so komplett, wie man es von einem 105.000-Euro-Auto erwarten darf. Schwächen? Die Instrumente sind schlecht ablesbar, die Mittelkonsole macht sich unnötig breit, die Tasten und Knöpfe sind viel zu klein – aber das Design der Armaturenbrettlandschaft ist eine Klasse für sich. Typisch Aston: die rote Hochschalt-Warnleuchte, die zwischen Sitz und Schweller verborgene Handbremse, der Starterknopf aus Kristallglas.

Der V8 sorgt für akkustische Gänsehaut

Wer den Starter betätigt, schürt das Leerlauf-Feuer unter der gewölbten Motorhaube, wo der Achtzylinder schon im Stand mit einer kompakten Dröhnung auf sich aufmerksam macht. Der Dialog mit dem Gaspedal läßt Köpfe herumschnellen und provoziert drohende Zeigefinger, doch die eigentliche Vorstellung beginnt erst mit dem Einkuppeln und Losfahren. Jetzt überzieht der 4,3-Liter-V8 die Bühne mit einer akustischen Gänsehaut, die Mütter nach ihren Kindern greifen läßt, und deren Nachhall fast eine komplette Rotlichtphase überdauert.

Der 1570 Kilo schwere V8 Vantage spurtet in 5,0 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 280 km/h. Ein Porsche Carrera S ist zwar spritziger und schneller, aber der Aston Martin ist spannender. Vor allem im mittleren Tempobereich und vor allem bei schaltfauler Fahrweise. Mehr Zylinder und mehr Hubraum bedeuten mehr Mumm schon ab 2500/min. Doch auch die Drehfreudigkeit kommt nicht zu kurz. Während der artverwandte 4,2-Liter-Jaguar-V8-Kompressormotor seine Nennleistung bei 6100 Umdrehungen abgibt, benötigt der V8 Vantage 7300 Touren für 385 PS.

Der Verbrauch? Im 125-km/h-Formationsflug auf englischen Autobahnen keine zwölf Liter, beim freien Blasen über die Hochmoore 20 Liter und mehr. Beim Schaulaufen an der Promenade von Scarborough erntet der Aston Martin immer wieder Szenenapplaus. Seine Meisterprüfung legt der Vantage jedoch dort ab, wo kein Zuschauer uns beobachtet: auf der anspruchsvollen Berg-und-Tal-Bahn durch die Yorkshire Dales auf dem Weg zur Westküste. Hier profitiert das Coupé von seinem leichten und steifen Unterbau (Aluminium-Spaceframe), der für hohe Stabilität und gute Lenkpräzision sorgt.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preis

Ein Blick unter die Motorhaube offenbart nicht nur Elemente des Alu-Chassis, sondern auch eine massive Domstrebe und diverse Querverstärkungen. Das Fahrwerk verzichtet auf verstellbare Dämpfer, die Bremsen kommen ohne Carbon- und Keramik-Hilfe aus, die Lenkung ist eine konventionelle Zahnstangenlenkung. Im Kurvengeschlängel zeigt sich der V8 von seiner besten Seite. Schon bei 3500 Umdrehungen gibt der Vierventiler richtig Zunder, bei 5000 Touren wird per Drehmoment-Maximum (410 Nm) noch kräftig nachgelegt, erst bei 7500 Touren wirft der Begrenzer das Handtuch.

Immer wieder muß ich an den bekannten Aston-V12 denken. Was kann der eigentlich noch besser? Laufruhe und Geräuschniveau, okay. Aber der V8 hängt gieriger am Gas, klingt schärfer und lastet weniger schwer auf der Vorderachse. Auf der Abfahrt nach Blackpool durch den Forest of Bowland darf auch die Bremse zeigen, was sie kann. Die vier Scheiben verzögern zuverlässig bis tief hinter den Scheitelpunkt, die vier knallroten Sättel scheinen immun gegen hohe Beanspruchung, hohe Geschwindigkeit und hohe Temperaturen. Viel zu früh ist Schluß mit der heißen Fahrt. Der "kleine" Aston Martin mit der sinnlichen Traumfigur ist eine verdammt gute Alternative zu Porsche – auch für mich. Allerdings nur mit einem breiteren Sitz und einer anderen Lederfarbe als Ochsenblut.

Technische Daten: V8, längs hinter der Vorderachse eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4280 cm³ • Leistung 283 kW (385 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 410 Nm bei 5000/min • Heckantrieb • Sechsganggetriebe an der Hinterachse eingebaut (Transaxle) • Einzelradaufhängung • Länge/Breite/Höhe 4382/1866/1255 mm• Tankinhalt 77 Liter • Reifen vorn 235/45 ZR18, hinten 275/40 ZR18 • Leergewicht 1570 kg • 0–100 km/h in 5,0 s • Spitze 280 km/h • Preis: 105.000 Euro

Autor: Georg Kacher

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V8

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