Fahrbericht Audi A8 4.2 TDI quattro

Fahrbericht Audi A8 4.2 TDI quattro

— 13.06.2005

Diesel-Weltmeister mit 326 PS

Audi setzt neue Mastbe: Der frische 4,2-Liter-TDI bietet mehr Leistung als jeder andere Serien-Diesel. Eine Ausfahrt zwischen fetten Muskeln und feinen Manieren.

Super-Diesel ist ber jeden Zweifel erhaben

Bis zur Fuball-WM dauert es ja noch ein bichen. Doch ob Deutschland zu Hause auch nur in die Nhe des Weltpokals kommt, ist eher fraglich. Bei den Pkw-Dieseln sieht das ganz anders aus. In der Top-Liga der Selbstznder spielen die deutschen Autobauer brasilianisch, kmpfen praktisch nur gegen sich selbst. Und sehen sich ab sofort mit einem neuen PS-Weltmeister konfrontiert: Der Audi A8 4.2 TDI bringt es auf gigantische 326 PS da mu die versammelte Konkurrenz passen.

Der Weg zu dieser Spitzenleistung fhrt wie schon beim Vorgnger 4.0 TDI ber zwei Turbolader mit variabler Turbinengeometrie und Common-Rail-Direkteinspritzung. Die arbeitet jetzt aber wie schon bei den kleinen V6-TDI mit Piezo-Injektoren. Aufflligstes Merkmal des neuen V8-TDI bleibt natrlich der Hubraum, bei dem Audi grozgig aufrundet: Aus 4,134 Litern wird so ein 4.2 TDI. Was ich mu es gestehen irgendwie auch besser klingt als 4.1 TDI.

Auf der Strae zeigt sich der neue Super-Diesel ohnehin ber jeden Zweifel erhaben. Der Druck auf die Starttaste lst ein tiefes Brummen aus. Das typische Dieselnageln lt sich nicht hren. Der 4.2 TDI erinnert eher an gewaltige Schiffsdiesel nur als seien sie ganz weit weg und dick in Watte gepackt.

In 5,9 Sekunden von null auf hundert km/h

Neben dieser akustischen Defensivleistung berzeugt der V8 auch mit seinem weichen, vibrationsarmen Lauf wenn sich hier was schttelt, dann der Fahrer vor Erstaunen. Ein Tritt aufs Gaspedal und es passiert fr den Bruchteil einer Sekunde fast gar nichts. Nein, keine Anfahrschwche. Das ganze wirkt eher so, als wollte die Elektronik alle am Antrieb beteiligten Komponenten (inklusive meiner Wenigkeit) erst noch auf das bevorstehende Donnerwetter vorbereiten. Tatschlich sorgt der Drehmomentwandler der perfekt agierenden Sechsgang-Automatik fr diesen kontrollierten Soft-Start. Anschlieend fllt die Kraft dann aber um so heftiger und mit infernalischer Inbrunst ber alle vier Rder her.

Wre hier nicht serienmig ein quattro-Antrieb unters Auto geschnallt, die Rder wrden hoffnungslos durchdrehen. Bei 3750 Umdrehungen versammeln sich 326 PS zum Start in ein neues Dieselzeitalter. Audi verspricht 5,9 Sekunden um Landstraentempo 100 zu erreichen. Zur Erinnerung: Wir sprechen hier von einem fast zwei Tonnen schweren Luxus-Diesel-Dampfer. Da kann selbst ein Porsche Boxster S kaum mithalten. Mu frustrierend sein ...

Auch in allen anderen Lebenslagen strmt der 4.2 TDI nach vorn, als gbe es kein Morgen. Egal, bei welcher Drehzahl ich den Vierventiler auch erwische, er antwortet stets mit einem heftigen Tritt ins Kreuz und brachialer Beschleunigung. Dieses kurzweilige Spiel lt sich bis 250 km/h treiben, dann regelt die Elektronik ab.

Beim Drehmoment hlt sich Audi eher zurck

Stattliche 650 Nm liegen zwischen 1600 und 3500 Touren an. Ein hllischer Haufen Kraft, der im Fahrbetrieb weder Fragen noch Wnsche offen lt. Auer vielleicht, warum gegenber dem Vorgnger kein Zuwachs zu verzeichnen ist? Und warum die Konkurrenz smtlich zwischen 50 und 100 Nm mehr auftischt? Audi sagt, da man gar nicht mehr rausholen wollte. Und da diese pltzliche Bescheidenheit natrlich nicht bedeutet, da gewisse Antriebsteile wie etwa die Automatik hheren Krften nicht gewachsen sind. Mir fllt es schwer, zu glauben, da Audi an der Doppel-Meisterschaft (PS- und Drehmoment-Meister) so wenig Interesse zeigt.

Was den Innenraum angeht, fhrt Audi ja schon seit einigen Jahren auf Meisterkurs. Der A8 4.2 TDI gibt sich da natrlich keine Ble, glnzt mit piekfeinen Materialien und hochwertiger Verarbeitung. Eben standesgem. Das sportlich-direkte Fahrverhalten dagegen erwartet in dieser Klasse sicher nicht jeder. Meine Meinung: Kann man so machen, schlielich will ein A8 keine S(chmuse)-Klasse sein. Bis auf das trockene Abrollen auf Querfugen, die unseren Testwagen mit seinen schicken, aber aufpreispflichtigen 19-Zllern ein ums andere Mal zum Poltern brachten, geht der Komfort voll in Ordnung.

Der Preis fr den strksten Serien-Diesel mit Automatik und Allrad: 81.000 Euro. Viel Geld, doch Bruder Phaeton kostet als V10 TDI 4Motion sogar noch 6300 Euro mehr. Doch Zulassungs-Weltmeister wollen beide nicht werden.

Autor: Gerald Czajka

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