Fahrbericht Kia Rio

Kia Rio 1.4 Kia Rio 1.4

Fahrbericht Kia Rio

— 10.05.2005

Rio zum Pauschalpreis

Eine Reise im neuen Kia Rio ist zwar nicht unbedingt exotisch, aber auch alles andere als eine Touristenfalle.

Schrumpfkur auf Golf-II-Maße

Auf der automobilen Landkarte lag Rio bislang irgendwo in der tristen Grauzone. Kias unscheinbarer Fünftürer mit dem exotischen Namen erinnerte zuletzt eher an das Last-Minute-Angebot eines Reiseveranstalters als an einen ernstzunehmenden Golf-Konkurrenten. Watteweich eingepackt in ein Fünf-Jahre-all-inklusive-Paket (Steuern, Service, Wartung), vergaßen die Koreaner glatt, daß sie ja eigentlich Autos und keine Sorgenfrei-Pakete verkaufen wollten. "Das war ein Fehler", bestätigt Marketingleiter Jürgen Sans die Sünden der Vergangenheit, "der nächste Rio muß als Automobil überzeugen."

Das versucht er in Deutschland ab Juli 2005. Dann fährt die zweite Rio-Generation zu den 420 Kia-Händlern – und outet sich ganz selbstbewußt als Absteiger der Familie. Mit 3,99 Metern immerhin 23 Zentimeter kürzer als sein Vorgänger, sucht der Rio Bekanntschaften fortan in der Polo-Klasse. Damit schafft er Platz für Bruder Cerato und dessen Nachfolger. Exakt auf die Größe eines Golf II geschrumpft, nutzt der Rio nun die sogenannte B-Plattform, auf der auch die Konzernbrüder Getz und Matrix von Hyundai stehen. Eine gute Basis, wie die erste Ausfahrt mit dem Copacabana-Koreaner zeigte.

Der üppige Radstand von 2,50 Metern (Polo: 2,46 m) läßt auch Menschen von europäischem Zuschnitt genügend Lebensraum – vorn und hinten. Das ist allemal Polo-Format. Dazu ein Kofferraum, der mit 270 Litern auch "rein zufällig" genau die Größe des Wolfsburger-Bestsellers erreicht. Jaja, die Burschen wissen schon sehr genau, vom wem sie sich noch Kunden abgreifen können.

"2007 Qualität auf Toyota-Niveau"

Zumal am Rio II nun wirklich nichts (mehr) peinlich ist. Okay, optisch ist er kein Reißer (und der Polo?). Doch die Proportionen stimmen, das Design wirkt gefällig. Wenn man Kia etwas vorwerfen kann, dann, daß sie es immer noch nicht geschafft haben, ihren Autos einen einheitlichen Markenauftritt zu geben. Jedes Kind kommt momentan mit einem anderen Gesicht zur Welt. Daran muß Kia arbeiten.

An den Sitzen auch. Die bieten in Kurven soviel Seitenhalt wie ein Melkschemel. Die Materialien hingegen überzeugen und die Verarbeitung weitgehend auch. Wobei, wer einmal hinter die Rio-Kulissen schaut, entdeckt doch noch so manch schlecht entgratetes Plastik oder manche nicht abgedeckte Schraube. Auf dem Weg zum selbstbewußt postulierten Ziel, spätestens 2007 eine Qualität auf Toyota-Niveau zu bauen, bleibt also noch Raum für Verbesserungen.

Doch die Koreaner lernen schnell, wie wir wissen. Zum Beispiel in Sachen Fahrwerkabstimmung. Die ist ihnen beim Rio gelungen. Sicher, der Rio federt noch nicht so souverän wie ein Polo, doch der Komfort ist wirklich nicht übel. Nur wenn die Piste allzu ruppig wird, stoßen die Dämpfer schnell an ihre Grenzen. Auch der Servolenkung mangelt es noch am Feintuning. Für meinen Geschmack arbeitet sie zu leichtgängig, meldet zu wenig von dem, was da auf der Straße passiert.

Zwei Benziner, ein Diesel

Mit drei Motoren startet Rio seine Deutschland-Tour, an deren Ende 12.000 Einheiten pro Jahr herausspringen sollen. Der Einstieg beginnt mit einem (nicht ganz leisen) 1,4-Liter-Benziner. 96 PS stark und völlig ausreichend. Der Unterschied zum 1,6-Liter-Benziner mit 112 PS erschien mir bei ersten Testfahrten marginal. Lediglich im Drehzahlkeller konnte der 1.6er sein stärkeres Drehmoment besser in Szene setzen. Dritter im Bunde wird ein 1,5-Liter-Diesel mit 109 PS (Rußfilter erst ab 2006, dann aber serienmäßig), den wir aber noch nicht fahren konnten.

Was ein Ticket für die Rio-Reise kosten darf, wird gerade kalkuliert. Nur soviel: Überrascht vom derzeiten Billig-Trend im Geizland Germany, hat sich der Kia-Importeur kurzfristig entschieden, einen abgespeckten Rio für weniger als 10.000 Euro anzubieten. Der hat dann zwar auch ABS, sechs Airbags, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung, aber keine Klimaanlage und kein ESP – schon deshalb ist er eigentlich nicht zu empfehlen. Mein Tip: der 1.4 EX mit nahezu kompletter Komfortausstattung für rund 11.000 Euro. Ein Typ, mit dem sich Rio endlich einen festen Platz auf der automobilen Landkarte sichern dürfte.

Autor: Tomas Hirschberger

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