Ferrari F12 Berlinetta: Fahrbericht

— 22.08.2012

Heißer Ritt mit 740 PS

Einsteigen, anschnallen, durchatmen. Dann Zündung an, Motor starten, sechsten Sinn aktivieren. Denn der F12, Ferrarris neues Topmodell, fährt sich wie ein Supersportler von einem anderen Stern.



Nach fünf Runden haben sich Ross und Reiter warmgeritten. Der Zweibeiner feilt mit feuchter Stirn an der Ideallinie und spielt mit den Bremspunkten, das rote Vollblut bläht die Nüstern. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn infolge des strammen Galopps gehen die Lüftungsklappen in der Frontschürze auf und kühlen auf diese Weise die Bremsen. Wie es um die weitere Befindlichkeit des "cavallino rampante", des sich aufbäumenden Pferdes, bestellt ist, kann der Jockey am Bordcomputer ablesen: Die Motor- und Getriebetemperatur liegen im grünen Bereich, die von den Drifteinlagen klebrig gekneteten Reifen könnten allerdings eine Pause vertragen.

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Video: Ferrari F12 Berlinetta

Ferrarissimo

Doch Pause ist nicht – an diesem 37 Grad heißen Mittwoch auf der hauseigenen Teststrecke, wo der neue F12 in 1:23 Minuten mit einem Profi am Steuer sogar dem legendären Enzo fast zwei Sekunden abnehmen würde. Aber auch Hobbyfahrer kommen mit dem stärksten je gebauten Ferrari voll auf ihre Kosten. Garantiert. Dabei ist der F12 keine macchina molto arrabiata nach Art der Challenge-, GTO- oder Scuderia-Derivate. Der Beiname Berlinetta beschreibt vielmehr "ein Coupé mit festem Dach im Format einer kompakten Limousine". Das ist freilich die Untertreibung des Jahres, denn der Nachfolger des 599 GTB verbindet den Komfort und das Platzangebot eines Gran Turismo mit dem fahrdynamischen Talent eines Supersportwagens. Mit 740 PS ist der V12-Sauger aus Maranello sogar um 40 PS stärker als der brachiale Lamborghini Aventador. Mit 8700 Touren setzt er ein neues Drehzahl-Gipfelkreuz für Zwölfzylinder. Mit 15 Liter Normverbrauch unterbietet er den Vorgänger um 30 Prozent. Die Fahrleistungen: 0–100 km/h in 3,1 Sekunden, 0–200 km/h in 8,5 Sekunden, 0–300 km/h – nein, dafür ist die Start-Ziel-Gerade in Fiorano leider nicht lang genug.

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Mittelmotor-Feeling: Trotz V12 im Bug, liegen 54 Prozent des Ferrari F12-Gewichts auf der Hinterachse.

Doch auf einer freien Autobahn morgens um halb fünf soll der im Windkanal auf einen cW-Wert von 0,299 getrimmte F12 über 340 km/h schnell sein. Mithilfe einer Luftbrücke in den vorderen Kotflügeln, eines planen Unterbodens und nach oben entlüfteter hinterer Radhäuser entsteht eine Saugnapfwirkung. Bei 200 km/h steigt so der Anpressdruck im Vergleich zum 599 von 70 auf 123 Kilogramm. Der neue Ferrari macht Ernst mit Downsizing. Kraft und Effizienz legen gegenüber dem 599 zwar deutlich zu, doch das Gewicht sinkt um 70 Kilo, und auch die Abmessungen schrumpfen: 50 mm kürzer, 20 mm schmaler, 60 mm flacher. Der Schwerpunkt liegt mit 460 mm fast so tief wie bei einem Rennwagen. Die leicht heckbetonte Gewichtsverteilung (46:54 Prozent) erinnert eher an einen Mittelmotor-Sportler als an ein Frontmotor-Konzept. Unter der um 20 Prozent steiferen Vollalu-Karosserie stecken eine neu entwickelte Radaufhängung, ein neuer 6,3-Liter-Motor und eine neue, vom 458 Italia inspirierte Lenkung, die in nur zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag zackt.

Eine richtig schnelle Runde in Fiorano gehört für Ferraristi zu den am meisten angeklickten Erlebnissen auf der Festplatte im Hinterkopf. Am Bremspunkt vor der ersten Rechtskurve blinkt am Digitaltacho kurz die Ziffer 240 auf. Dann musst du nicht nur voll in die Eisen steigen, sondern auch gleichzeitig das linke Schaltpaddel gezogen halten, denn ohne die Bremswirkung des automatischen Rückschalt-Stakkatos ginge es geradeaus ins Kiesbett. Der rechte Daumen zieht noch vor dem Einlenken den Fahrdynamikknubbel auf "CT OFF" – die Idealposition für 30-Grad-Heckschwenks ohne Brummkreisel-Spätfolgen. Die anschließende Dritte-Gang-S-Kurve wird im Walzertakt durchtanzt: Wagen dreht rechts, Wagen dreht links, Gaspedal und Lenkung halten die Bewegung in perfektem Fluss. Ähnliches haben wir in anderen Ferrari-Modellen erfahren, aber erst dem F12 gelingt die Symbiose aus totaler Gelassenheit und radikaler Unmittelbarkeit.

Weitere Details zum Ferrari F12 Berlinetta gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel lesen Sie in AUTO BILD 32/2012 oder als Download im Heftarchiv.

Technische Daten Ferrari F12 Berlinetta: V12, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 6262 cm³ • Leistung 545 kW (740 PS) bei 8250/min • max. Drehmoment 690 Nm bei 6000/min • Hinterradantrieb • Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe • Reifen 255/35 ZR 20 v., 315/35 ZR 20 h. • L/B/H 4618/1942/1273 mm • Leergewicht 1630 kg (fahrbereit) • Verbrauch EU-Mix 15,0 l Super plus • CO2 350 g/km • Spitze 340 km/h • 0–100 km/h 3,1 s • Tankinhalt 92 l • Preis: circa 268.400 Euro

Ferrarissimo

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Ferrari F12 Berlineta

Veröffentlicht:

20.08.2012

Preis:

1,00 €

Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Klar, 268.400 Euro sind eine Menge Holz. Aber der Gegenwert stimmt. Schließlich präsentieren die Italiener mit dem F12 einen unglaublich ausgewogenen und in vielerlei Hinsicht perfekten Sportwagen. Die Berlinetta ist einerseits geräumig (bis zu 500 Liter Kofferraum), komfortabel und absolut alltagstauglich. Andererseits geht der Zweisitzer wie die Seuche, bremst und lenkt mit kaum für möglich gehaltener Spontaneität, spielt in Bezug auf Handling und Straßenlage in einer eigenen Liga. Bravo, Ferrari!



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