Ferrari/Mercedes/Rolls-Royce

Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith

Ferrari/Mercedes/Rolls-Royce: Vergleich

— 21.10.2014

Angriff der Luxus-Monster

Mit dem Downsizing galt die Zeit des V12 eigentlich als abgelaufen. An der Macht ist er nach wie vor – und stärker denn je. Wir fahren drei typische Vertreter mit elitärem Zwölfender.

Allzu rosig standen die Zukunftsaussichten für den Zwölfzylinder nicht, damals, als wir das letzte Mal Modelloberhäupter zu einem V12-Gipfel zusammentrommelten. Zweieinhalb Jahre ist das nun her – und siehe da: Obwohl einige Markenstrategen in der Zwischenzeit mächtig mit der Downsizingmachete durch die Motorenpaletten fuchtelten, viele Sechs-, ein paar Acht- und so manchen Zehnzylinder abservierten, haben die Zwölfender das Massaker wie durch ein Wunder völlig unbeschadet überstanden. Na bravo, werden Sie jetzt schimpfen, uns Otto-M3-Käufern kürzen sie wieder mal fleißig die Hubräume, bloß damit die da oben weiter sausen und brausen können. Und ja, man kann es so sehen, zumal so ein Fünfzehn-Komma-noch-was-Normliter-Ungetüm im Zeitalter von Flottenverbräuchen erst mal kompensiert werden will.

Alle Zwölfzylinder haben das Massaker überlebt

Sozialneid lindernd wirkt jedenfalls, den Zwölfzylinder nicht nur aus dem Blickwinkel der eigenen Begüterung zu betrachten, sondern wertfrei, als Kulturgut oder Kunstwerk sogar. Vielleicht als eine Art technisches Pendant zur Mona Lisa, die wir ja auch gerade deswegen so bewundern, weil wir sie uns eben nicht so mir nichts dir nichts über die Couch hängen können. Zu weit hergeholt? Wir glauben nicht, wo sich doch auch diese motorischen Meisterwerke in edlem Rahmen präsentieren.

800 Newtonmeter lassen den Rolls-Royce Wraith unaufhaltsam voranströmen.

Rolls-Royce Wraith Allerdings kleiden sie sich dann doch einen Tick aufregender. Vor allem Rolls-Royce hat sich nach mehr als 100 Jahren strengen Dresscodes für den Wraith endlich mal ein bisschen aufgeknöpft. Gespenst lautet sein Name ins Deutsche übersetzt, womit er sich auch auf spiritueller Ebene als Verwandter des Ghost zu erkennen gibt. Der erste Zweitürer ist er nicht, aber sehr wohl das erste richtige Coupé, wobei er ganz besonderen Wert darauf legt, nicht mit Fließheck angesprochen zu werden. Vielmehr sei er ein Fastback, ein GT für Gentlemen und dazu derjenige, den – nach Meinung seiner PR-Berater – Firmengründer Charles Rolls für sich selbst auserwählt hätte. Eine gewagte These, wenn man bedenkt, wie unverblümt er seine technische Potenz im keuschen Goodwood herumposaunt. Als "lebhaft" möchte das Pressedossier sein Fahrverhalten verstanden wissen. Nun ja, lebhaf­ter als in einem vergleichsweise ko­matös kurvenden Phantom ist es auf jeden Fall; so ein S 65 allerdings führe Kreise um den Wraith.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Gurgeln, brodeln, brüllen, grollen – so offensiv klang ein 65er noch nie.

Mercedes S 65 AMG Die große Rolle spielt das freilich nicht. Zum einen, weil die beiden im wahren Leben, wenn überhaupt, nur valetgeparkt aufeinandertreffen; zum anderen, weil auch der Merce­des zu den gemäßigteren Monarchen zählt. Im Gegensatz zu seinem zwei Nummern kleineren Bruder, der seine Macht nur allzu gern de­monstriert, beschränkt sich der S 65 sogar freiwillig in ihr. Wie viele New­tonmeter die beiden Turbolader aus dem Dreiventiler gepumpt bekä­men, verrät Mercedes nicht; zum Wohle anderer Antriebsangehöriger regelt man sein Maximalmoment aber seit jeher auf glatt 1000 herab. Ganz gleich ob im SL Black Series oder dem Maybach Landaulet – in allen Stationen seiner mehr als zehnjährigen Laufbahn steht der Sechsliter regungslos vor dieser Schwelle, sodass auch der S 65 sei­nen Vorsprung auf den gleich star­ken Vorgänger wieder über Umwege herausholen muss.

Tiefenentspannung trifft auf Hektik

Über die deutlich gesteigerte Traktion zum Beispiel, über die exaktere ESP-Re­gelung oder auch über die Speedshift-Automatik, die Kraft mit ihren sieben Stufen nicht nur bekömmlicher portioniert als der alte Fünf­stufer, sondern im S-Programm auch herzhafter schaltet. Hinzu kommen Modifikationen wie die AMG-spezifische Elastokinematik, eine überwältigende Keramik­bremsanlage und die neue Parame­terlenkung, die im tiefenentspann­ten Fahrgefühl der S-Klasse jedoch etwas Hektik verbreitet. Nicht nur dass sie bei niedrigen Geschwindig­keiten recht schreckhaft anspricht, sie variiert vor allem ihre Überset­zungen, was für Mercedes, die jahr­zehntelang Konstanz im Lenkgefühl propagierten, eine so weitreichende Veränderung darstellt wie die Um­stellung des Markenemblems von Stern auf Mond.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

E-Diff und Sperre drillen den FF ins Eck, die Vorderräder docken direkt am Motor an.

Ferrari FF Im FF feierte der 6,3-Liter 2011 Uraufführung – als hubraumstärks­ter straßenzugelassener Ferrari-Motor jemals. An seinen 660 PS hat sich seitdem nichts geändert, nur an deren Stellenwert. Damals bedeuten sie den absoluten Overkill, das Leis­tungsniveau des Enzo, heute sind sie nur noch der Bodensatz eines Motors, der sich für F12 und LaFer­rari inzwischen auf 740 beziehungs­weise 800 PS hochstuft. Von Verfall ist ansonsten aber nichts zu spüren. Der Kurzhuber turnt topfit zwischen den Lastzuständen hin und her, dreht wie besessen und entfesselt bis zu 683 Newtonmeter, von denen mindestens 500 über das gesamte Drehzahlspektrum anliegen. 3,7 bis hundert, glatte elf bis 200 und 335 km/h Topspeed – ferrariintern mag das nur noch für den vorletzten Platz genügen, in der Liga vollwertiger Viersitzer bedeutet es Rang eins. Nach Werten klassifiziert gehören die drei Zwölfzylinder – wie ein­gangs schon erwähnt – aber nicht. Sie sind keine bloßen Datenhaufen, denen man so einfach ein Attribut aus dem Kontext reißen kann, um es in irgendwelche Beziehungen zu setzen, sondern schlicht Gesamt­kunstwerke.
Technische Daten Ferrari Mercedes Rolls-Royce
Motorbauart V12 V12-Biturbo V12-Biturbo
Einbaulage vorn-mittig längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 3 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4
Hubraum 6262 cm³ 5980 cm³ 6592 cm³
Leistung kW (PS) b. 1/min 485 (660)
/8000
463 (630)
/4800-5400
465 (632)
/5600
Literleistung 105 PS/l 105 PS/l 96 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 683/6000 1000/2300-4300 800/1500-5500
Antrieb Allrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 7-Stufen-
Automatik
8-Stufen-
Automatik
Bremsen vorn 398 mm/innenbel./gelocht 420 mm/innenbel./perforiert 395 mm
/innenbelüftet
Bremsen hinten 360 mm/innenbel./gelocht 360 mm/innenbel./perforiert 402 mm
/innenbelüftet
Radgröße vorn – hinten 8,5 x 20 – 10,5 x 20 8,5 x 20 – 9,5 x 20 8,5 x 21 – 9,5 x 21
Reifengröße vorn 245/35 ZR 20 255/40 ZR 20 255/40 R 21
Reifengröße hinten 295/35 ZR 20 285/35 ZR 20 285/35 R 21
Reifentyp Bridgestone Potenza
RE 050 A
Conti SportContact
5P (MO)
Conti SportContact
5 (*)
Länge/Breite/Höhe 4907/1953/1379 mm 5116/1899/1496 mm 5269/1947/1507 mm
Radstand 2990 mm 3035 mm 3112 mm
Leergewicht/Zuladung 1880 kg/k. A. 2175/575 kg 2360/450 kg
Leistungsgewicht 2,8 kg/PS 3,5 kg/PS 3,7 kg/PS (trocken)
Tankvolumen 91 l 80 l 83 l
Beschl. 0-100 km/h 3,7 s 4,3 s 4,6 s
Höchstgeschw.* 335 km/h 250/300 km/h (abgeregelt) 250 km/h
(abgeregelt)
Verbr. auf 100 km
/Reichweite
15,4 l Super Plus/590 km 11,9 l Super Plus/670
km
14,0 l Super Plus/590 km
Grundpreis 258.100 Euro 234.906 Euro 280.989 Euro
*Herstellerangaben

Ferrari/Mercedes/Rolls-Royce: Vergleich

Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith Ferrari FF Mercedes S 65 AMG Rolls-Royce Wraith

Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

Die Welt des Zwölfzylinders ist eine ganz besondere. Schlaraffenländlich, dekadent und auch sehr speziell. Wo sonst gibt es Coupés, die gediegener fahren als jede Limousine? Wo sonst limitiert sich ein Motor im Drehmoment und ist trotzdem der stärkste der Welt? Und wo sonst düpiert ein vollwertiger Viersitzer selbst veritabelstes Sportgerät? Wraith, S 65 und FF stehen aber nicht nur für ihre Eigenheiten, sondern auch für ihre Tradition. Rolls-Royce betrat sie erstmals 1936 über den Phantom III, Ferrari folgte direkt nach dem Krieg im 1,5 Liter (!) kleinen 125 S, ehe Mercedes 1991 den W140 hochadelte. Mit 630, 632 und 660 PS kommen sich drei V12-Mitglieder nun so nahe wie nie zuvor. Absolut unvergleichlich bleiben sie dennoch.

Stichworte:

Coupé Luxusklasse

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