Fiat und Chrysler: Die Zukunft — 06.01.2011
Der neue Auto-Riese
Fiat startet in eine neue Ära: Zuerst hat Konzernchef Marchionne die Lastwagensparte ausgegliedert, nun greift er nach der Mehrheit am US-Partner Chrysler.
Überblick: News und Tests zu Chrysler
Derzeit halten die Italiener 20 Prozent an den Amerikanern und wollten eigentlich nur auf 35 Prozent aufstocken. Den Anteil hat Sparfuchs Marchionne im Gegenzug für das Versprechen bekommen, Chrysler mit importierter europäischer Technik wieder auf Vordermannzu bringen – ein Unterfangen, mit dem zuvor der deutsche Autobauer Daimler grandios gescheitert war. Doch die Zahlen sprechen für Marchionne: Die im Krisenjahr 2009 eingebrochenen Verkaufszahlen von Chrysler haben sich wieder erholt. 2010 verkaufte der kleinste der drei US-Autokonzerne knapp 1,1 Millionen Wagen, ein Zuwachs von 17 Prozent. Gleichzeitig konnte der italienisch-kanadische Manager, dessen Markenzeichen Pullover sind, die Verluste eindämmen. 2011 soll Chrysler wieder schwarze Zahlen schreiben.Parallel hat Marchionne in Italien aufgeräumt. Er hat die Lkw-Marke Iveco sowie die Agrar- und Baumaschinen von Case New Holland (CNH) vom Autogeschäft getrennt und sie als Fiat Industrial eigenständig an die Börse gebracht. "Das ist zugleich das Ende wie auch der Beginn einer neuen Ära", sagte Marchionne zu Wochenbeginn auf dem Mailänder Parkett, als der Handel mit den neuen Aktien begann. Die Auto-Fiat ist nun bereit für einen neuen Partner. Marchionne hat den über Jahrzehnte gewachsenen, italienischen Traditionskonzern letztlich aus der Not heraus zerschlagen. Weltweit würden nur sechs Autokonzerne langfristig überleben, hatte der 58-jährige Manager schon vor zwei Jahren prophezeit. EineJahresproduktion von bis zu sechs Millionen Autos sei dafür nötig. Dieses Ziel will er zusammen mit Chrysler bis 2014 erreichen.
Überblick: News und Tests zu Fiat
Eine Fusion der beiden Autofirmen schloss Marchionne aber erst einmal aus. Warum auch? Die Manager dies- und jenseits des Atlantiks tanzen nach seiner Pfeife. Der Vielflieger drückte durch, dass der knuffige Kleinwagen Fiat 500 in den USA über das Chrysler-Händlernetz vertrieben wird. Gleichzeitig verkauft er die nächste Generation der großen Chrysler-Limousine 300 in Europa unter der Marke Lancia. Der Mehrheitseigner von Chrysler – die Autogewerkschaft UAW – lässt Marchionne gewähren. Der Pulloverträger sei auf dem Weg, Fiat zum Weltkonzern zu machen, kommentierten denn auch italienische Medien – allerdings nicht ohne Kritik. Denn der Mann, der Fiat auf den US-Markt zurückbringt, attackiert daheim das Tarifsystem.Kritiker sprechen von moderner "Sklaverei", Befürworter von einer "neuen Ära des Automobils". In einem Referendum muss die Fiat-Belegschaft bis Ende Januar 2011 entscheiden, ob sie dem Pakt zustimmt. Marchionne gilt in Italien als Retter von Fiat. Mit dem Chrysler-Deal hat er große Hoffnungen geschürt. Eine erste italienisch-amerikanische Allianz zerbrach allerdings spektakulär: General Motors hatte sich bei Fiat eingekauft – die Partnerschaft aber wurde 2005 geschieden.
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Kommentare zum Artikel (2)
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Ciao Marchionne,bis hierher hast Du alles richtig gemacht,auch die Mitarbeiter sind Fiat treu geblieben-mit der krise u. dem noch andauerndem Chaos-.Jetzt solltest Du Deinen Mitarbeitern entgegenkommen.Auch Du bist jemanden etwas Schuldig...Ciao bello,un abbraccio,
Iac.-Francesco
Germany
Warum ausgerechnet Chrysler? Burger und Pizza isst man doch auch nicht zusammen.
Chrysler kauft hier in Europa doch kein Mensch.
Mercedes hat sich doch damals mit dieser Marke schon kräftig die Finger verbrannt.
Liebe FIAT-Verantwortliche, hierzu kann ich nur den Kopf schütteln...