Fahrbericht Ford Mustang

Ford Mustang: Fahrbericht

— 24.09.2014

So fährt der neue Ford Mustang

Er kommt erst im Sommer 2015, aber wir haben ihn schon ausprobiert: den neuen Ford Mustang, der mit 418 PS auch den verschärften Galopp beherrscht.

Man muss nur ein paar Tasten im Lenkrad drücken, den Fuß fest auf die Bremse stellen und blitzschnell aufs Gas wechseln – dann beginnt ein Spektakel, das in der Autowelt seines Gleichen sucht: Laut heult der V8-Motor auf und während vorn die Bremsen eisern zupacken, beginnen sich hinten die 275er-Walzen in den weit ausgestellten Radhäusern zu drehen und ehe man bis drei gezählt hat, verschwindet die Welt da draußen im beißend heißen Qualm der Reifen, die sich am Asphalt aufreiben: "Line Lock" heißt die Funktion, die den neuen Ford Mustang wie ein nervöses Rennpferd vor dem Start mit den Hufen scharren lässt, bevor er endlich davon schießen darf.

Der neue Mustang soll die europäische Konkurrenz aufmischen

Unbändiger Vorwärtsdrang: Der neue Ford Mustang will sich mit der etablierten Konkurrenz messen.

Dieser hoffnungslos unvernünftige und absolut pubertäre Spaß macht nicht nur süchtig und sorgt für ein breites Grinsen im Gesicht der Reifenhändler. Vor allem ist er sinnbildlich für den neuen Mustang und seinen Weg in die Welt. Denn nachdem es das legendäre Pony-Car in den USA in 50 Jahren zum Kult gebracht hat, wird die neue Generation ab nächstem Sommer zum ersten Mal offiziell auch nach Europa exportiert – und ihre Macher können es kaum erwarten, sie gegen europäische Kraftmeier zu testen. Auf das Kräftemessen auf der Autobahn, auf der Landstraße und erst recht auf der Nordschleife haben die Ingenieure in Detroit jetzt fast fünf Jahre lang hingearbeitet. Denn auch wenn der Mustang schon immer ein perfekter Showstar war, war es mit der Faszination spätestens beim Fahren vorbei. Polterig, ungehobelt und bisweilen unkontrollierbar war der Mustang stets das Wildpferd unter den Sportwagen und der Fahrer fühlte sich oft genug wie der Reiter bei einem Rodeo.
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Am Arbeitsplatz zeigt sich der Wagen hochwertig

Erstaunlich hochwertiger Innenraum: Materialien und Verarbeitung zeigen viel Liebe zum Detail.

Doch damit ist es 50 Jahre nach der Mustang-Premiere jetzt vorbei: Die angetriebene Starrachse im Heck liegt endlich auf dem Schrottplatz der Geschichte und eine solide Einzelradaufhängung macht den Mustang zu einem wohl erzogenen Rassepferd. Dazu noch eine elektrische Lenkung mit drei Servo-Stufen und gleich vier Fahrprogramme – schon findet jeder die perfekte Gangart. Mal ist der Mustang der gelassene Cruiser, wie wir ihn als Leihwagen auf der Route 66 oder dem Highway No. One lieben – erst recht, wenn man sich den Spaß im zeitgleich verfügbaren Cabrio vorstellt. Und mal ist er ein messerscharfer Rennwagen, der sich überraschend präzise und sauber über den Mulholland Drive oder den Angels Crest Highways in den Hollywood Hills treiben lässt: Die Schaltung knackig, die Federn stramm, die Lenkung präzise – endlich macht der Mustang das, was sein Fahrer will. Aber nicht nur das Fahrwerk haben die Amerikaner diesmal mit einer ungeahnten Gründlichkeit abgestimmt. Sondern auch der Innenraum zeugt von einer nie dagewesenen Liebe zum Detail.

Die Materialien sind für Ford-Verhältnisse fast schon edel, selbst die Prototypen sind sauber verarbeitet und wenn man sich den Tacho ("Ground Speed"), die Kippschalter für die Fahrprogramme, die Mustang-Plakette über dem Handschuhfach oder den rot leuchtenden Startkopf anschaut, dann merkt man, welchen Spaß die Designer bei der Arbeit am Mustang hatten.

Downsizing unter der Haube als Zeichen der neuen Zeit

Kleiner Treibsatz: Mit dem 2,3-Liter-Ecoboost ist der Ford Mustang tendenziell untermotorisiert.

Während der Innenraum fast revolutionär ist, haben die Designer ihren Kult-Klassiker außen ganz behutsam in die Moderne geführt: Der Bug sieht noch immer aus wie das Maul eines Haifischs, das Heck ist breit und knackig wie eh und je und die Silhouette so sündig wie einst Marilyn Monroe im Gegenlicht. Und trotzdem sieht der Mustang irgendwie neu und frisch aus, wenn er seine längere Motorhaube in die kalifornische Sonne reckt, die abgedunkelten Seitenscheiben jetzt eine schöne Einheit bilden und er mit seinen LED-Leuchten in den Tag blinzelt. Leider macht die neue Zeit auch unter der Haube nicht halt. Denn zum Schrecken der ewig Gestrigen baut Ford im Mustang erstmals einen Ecoboost-Vierzylinder ein. Der 2,3-Liter-Motor sieht zwar mit 314 PS und 434 Nm auf dem Papier noch ganz ordentlich aus und mit einem Spitzentempo von 235 km/h kann man sich schon irgendwie arrangieren. Aber in der Praxis ist er etwa so lustvoll wie Sex mit Socken: Sein künstlich verstärkter Klang ist ein asthmatisches Röcheln und sein Elan gleicht eher einem Pony aus dem Streichelzoo als einem Wildpferd aus der Steppe. Da hilft es auch nicht, dass der Motor angenehm leicht auf der Vorderachse ist und der Mustang deshalb noch etwas präziser zu lenken ist.

Ein Achtzylinder mit fünf Litern Hubraum ist der Motor der Wahl

Mit dem fetten V8 im Bug sprintet der Mustang in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Aber keine Sorge, es muss niemand die leichte Schonkost fürs Umweltgewissen kaufen. Für lachhafte 5000 Euro mehr gibt es einen Motor, wie es sich für ein US-Auto gehört: Einen wunderbar antiquierten Achtzylinder mit hoffnungslos unvernünftigen fünf Litern Hubraum. Auch der dürfte zwar ein bisschen kehliger klingen, noch etwas lauter bollern und gegen einen Klappenauspuff würde sich wahrscheinlich auch keiner beschweren. Doch wenigstens hat der Motor genau den Punch, den man von einem solchen Volkssportwagen erwartet: Nicht filigran und geschliffen wie ein M3 oder ein C 63, sondern brachial und wie mit der Dampframme schleudert der V8 den Mustang mit seinen 418 PS und 524 Nm dem Horizont entgegen. Der Sprintwert dürfte bei etwa 4,5 Sekunden liegen und dass bei 250 Schluss sein soll, wollen die Entwickler selbst nicht glauben. Gut möglich, dass sie deshalb das freiwillige Tempolimit für die Exportmodelle wieder aufheben. Was er dabei verbraucht? Das interessiert zumindest bislang nicht einmal die Ingenieure bei Ford, die noch nicht einmal im Traum an die Homologationsdaten denken. Die rechnen nicht in Litern, sondern in reifen pro 100 Kilometer, so süchtig macht die Burn-Out-Funktion bei den ersten Testfahrten.

An der Kasse macht die amerikanische Ikone besonders viel Spaß

Kampfansage: 34.000 Euro verlangt Ford für den Mustang Eco-Boost, 39.000 Euro wird der GT kosten.

Er sieht nicht nur besser aus als je zuvor und ist liebevoller verarbeitet. Sondern endlich fährt der Mustang auch wie ein ernsthafter Sportwagen. Nur in einem Punkt will er sich partout nicht an den deutschen Konkurrenten aus den Tuningabteilungen von Audi, BMW und Mercedes orientieren: Beim Preis. Selbst wenn es bei uns nicht ganz so billig wird wie in Amerika, wo der nicht für den EU-Export geplante Einstiegssechszylinder schon für umgerechnet etwa 20.000 Euro zu haben ist, wird der Mustang ein absolutes Schnäppchen: 34.000 Euro für den Eco-Boost sind ein Kampfpreis und mit 39.000 Euro wird der GT zu dem mit Abstand billigsten Achtzylinder am Markt. Kein Wunder, dass Ford trotz einer Kapazität von mehr als 200.000 Autos im einzigen Mustang-Werk Flatrock schon um lange Lieferfristen fürchtet. Aber das Warten sind die Mustang-Fans in Deutschland ja gewöhnt. Und nachdem sie jetzt schon 50 Jahre auf den offiziellen Import des US-Stars gewartet haben, kommt es auf die paar Wochen nun auch nicht mehr an.

Autor: Thomas Geiger

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