Button

Formel 1: Button über das Mercedes-Duell

— 28.05.2014

Hamilton auf emotionaler Achterbahnfahrt

Jenson Button spricht im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über die aktuelle Situation mit McLaren und das Titelduell bei Mercedes an der Spitze.

Herr Button, Sie sind in Ihrer 14-jährigen Formel-1-Karriere schon viele gute und schlechte Rennwagen gefahren. Wie finden Sie die heutigen Autos?

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch. Die Formel 1 ist immer noch die Königsklasse des Motorsports. Und sie macht auch immer noch Spaß. Aber diese Autos sind wirklich nicht so leicht zu fahren. Wenn man Abtrieb wegnimmt, könnte man denken, das wäre aufregend. Das Problem aber ist: Wir haben auch keinen mechanischen Grip von den Reifen mehr. Eine Ausnahme war Monaco, als wir mit der superweichen Mischung gefahren sind. Stattdessen haben wir jetzt extrem viel Drehmoment. Es sieht vielleicht so aus, als mache es Spaß. Aber das Auto rollt eigentlich mehr auf den Reifen rum, als dass man es präzise lenken kann. Meine Lieblingsautos waren jedenfalls andere.

Welche?

Zum Beispiel die Wagen aus 2004. Wir hatten 19.000 Touren, 900 PS, einen Reifenkrieg mit zwei Herstellern und eine V10-Motor. Das war unglaublich, eine besondere Zeit.

Und das Jahr, in dem Sie Weltmeister wurden?

2009 war auch ein tolles Jahr für mich, ebenso wie die folgenden, in denen die Technologie mit dem angeblasenen Diffusor durch die Decke ging. Wenn man erst einmal verstanden hat, wie diese Technologie funktionierte, konnte man sie wirklich zu seinem Vorteil nutzen. Wir standen praktisch ständig auf dem Gas, damit die Abgase weiter den Diffusor anströmen konnten. Ich habe das geliebt. Heute macht das Fahren nicht mehr so viel Spaß. Auch, wenn wir immer noch die schnellste Rennserie der Welt sind.

Brennt das Feuer noch?

Mittelfeld statt Titelkampf: McLaren & Button sind derzeit ein gutes Stück von der Spitze entfernt

Definitiv. Egal wie schnell die Autos sind, draußen auf der Strecke genieße ich das Fahren und den Zweikampf. Ich bin ständig auf der Suche nach dem Limit. Und ich weiß, dass die nächsten Jahre in der Formel 1 großartig werden, weil die Ingenieure den Abtrieb schon wiederfinden werden. Und McLaren wird dann bestimmt wieder um den Sieg kämpfen. Dies ist ein großartiges Team für die Zukunft. Jede große Mannschaft macht auch mal Schwächephasen durch. Aber wir werden zurückkommen. Und ich bin immer noch hungrig.

Auch für die nächsten Jahre?

Ja, ich will definitiv in der Formel 1 bleiben. Ich habe mit McLaren Höhen und Tiefen erlebt, aber ich würde es lieben, hier weiter fahren zu dürfen.

Wann werden Sie und wir wissen, ob Sie das auch dürfen?

Da muss ich Ron (Dennis; d. Red.) erst einmal fragen, ob er mich noch haben will. Deshalb kann ich die Frage nicht beantworten. Aber ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden. McLaren ist für mich eine Familie. Und egal ob Vertrag oder nicht; ich versuche jeden Tag, mein Bestes für dieses Team zu geben.

2009 haben Sie dominiert wie Mercedes jetzt. Was ist das für ein Gefühl?

Ich würde das nicht unbedingt vergleichen. Ich war im Rennen damals zwei bis drei Zehntelsekunden schneller als die anderen. Mercedes ist jetzt eine Sekunde voraus – im Qualifying und im Rennen! Wir haben als Team einen großartigen Job gemacht, aber wir hatten keine Zukunft – und auch nicht das Geld, um das Auto weiterzuentwickeln. Wir haben also mit einem großartigen Auto angefangen, wurden aber eingeholt, weil man kein Geld für die Verbesserung des Autos ausgeben wollte. Mercedes dagegen hat das Geld und die Ressourcen. Sie werden bis zum Ende pushen und kaum einzuholen sein. Einige Rennen am Stück zu gewinnen ist ein ganz besonderes Gefühl. Alles geht dann wie von selbst. Und sogar, wenn mal nicht alles perfekt läuft, läuft es. Manchmal weiß man gar nicht, warum man plötzlich auf dem Podest steht.

Das Gefühl kannte Lewis Hamilton auch, bis Nico Rosberg ihn in Monaco vom Thron stieß.

Ja, und wenn man ein paar Rennen am Stück gewinnt und dann plötzlich verliert - bei einem so prestigeträchtigen Grand Prix wie Monaco - wird es umso schwerer. Denn wenn man sich permanent auf der Siegerstraße bewegt, dann tut die Niederlage umso stärker weh. Man kann die emotionale Achterbahn nicht erklären, die Lewis jetzt durchlebt.

Sie kennen Lewis gut, immerhin war er drei Jahre Ihr Teamkollege. Was sind seine Stärken?

Jenson Button berichtet ABMS-Reporterin Bianca Garloff von seiner gemeinsamen Zeit mit Lewis Hamilton

Lewis ist unglaublich schnell. Und als er im vergangenen Jahr ein paar Rennen gewonnen hat, habe ich gesagt, er wird alle mit seinem Speed wieder schocken. Das hat er getan. Sein Speed gibt ihm Selbstvertrauen. Er ist jetzt selbstbewusster, als ich ihn je zuvor gesehen habe. Er schwimmt auf einer Welle, die ihn bis zum Titel tragen kann.

Trotzdem ist er zu schlagen. Das haben Sie vorgemacht.

Genau. Im Qualifying war Lewis immer schneller als ich. Trotzdem habe ich in den drei Jahren mehr Punkte geholt als er. Also muss ich etwas richtig gemacht haben. Ich bin der Meinung, man muss vorsichtig damit sein, sich nur auf seine natürlichen Fähigkeiten zu verlassen. Man muss auch in anderen Bereichen an sich arbeiten, um ein kompletter Formel-1-Fahrer zu sein. Ich zum Beispiel wusste in bestimmten Rennsituationen genau, wie ich das Auto am schnellsten von A nach B bewege. Es geht um die Übersicht im Rennen, die nicht jeder hat.

Aber eben auch ums Selbstbewusstsein. Wie sehr wird Lewis die Niederlage gegen Nico schmerzen?

Natürlich tut so etwas weh. Sogar Kleinigkeiten können manchmal viel ausmachen. 2012 hat Lewis in Spa mal die falsche Abstimmung gewählt. Das hat ihn mental verletzt. Und es ist hart, aus diesem Loch wieder rauszukommen. Andersrum: Wenn Du erst einmal in diesem Flow bist, den Sebastian Vettel Ende letzten Jahres erlebt hat, ist es ein Selbstläufer. Dann machst Du keine Fehler und wirst immer selbstbewusster. Zwischen Nico und Lewis sehe ich im Moment aber niemanden im Vorteil. Beides sind extrem schnelle und intelligente Jungs.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: McLaren / Getty Images

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