Sebastian Vettel

Formel 1: WM-Special mit Sebastian Vettel

— 14.06.2014

Ich bin wie ein Elfmeter-Schütze

Die Welt steht dieser Tage im Zeichen der Fußball-WM in Brasilien. AUTO BILD MOTORSPORT unterhielt sich mit Sebastian Vettel über das runde Leder.

Vielbeschäftigt ist er, der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel. Eigentlich muss er seinen lahmenden Red Bull flott kriegen. Für die schönste Nebensache der Welt nimmt er sich aber immer die Zeit: Fußball. Vettel ist von Kindesbeinen an Anhänger des runden Leders. Als Fan der Frankfurter Eintracht, und, natürlich, der Nationalmannschaft.

Zur WM drückt Vettel - hier in einem Trikot von 2010 - natürlich Deutschland die Daumen

Zur WM wird er deshalb zum ganz normalen Fan. Selbstredend, dass er sich gerne mit den AUTO BILD MOTORSPORT Reportern zusammensetzt, um über sein Lieblingshobby zu reden. Ein paar Minuten Formel-1-Auszeit, nachdem er bei einem Fußball-Pflichttermin mit RTL zuletzt seinen Landsmann Nico Rosberg besiegte. Die erste Halbzeit lag Rosberg noch vorne, weil er den Ball länger hochhalten konnte. Doch Vettel gewann in der Verlängerung. Zuerst glich er beim Torwandschiessen aus, dann gewann er das Match beim Tipp-Kick-Spielen.

Herr Vettel, Sie sind im Dilemma. Wie kann man als vielbeschäftigter Formel-1-Fahrer die WM verfolgen? Sie haben sich ja schon vor langem als Fußball-Freak geoutet?

Vettel: Ich versuche natürlich so viel wie möglich mitzubekommen. Hauptsächlich die Spiele unserer Elf.

Könnte lustig werden, wenn Deutschland wieder auf England treffen sollte. Im Red–Bull-Team arbeiten doch hauptsächlich Engländer...

Auch mal gerne selbst am Ball: Vettel kickt von Zeit zu Zeit bei der Mannschaft der F1-Piloten mit

Ja, so wie 2010. Nach dem 4:1 saß ich im Meeting da wie der Sonnenkönig. Meine englischen Freunde wirkten da irgendwie etwas steif. Ich hoffe, dass es dieses Jahr wieder so ähnlich läuft, dass wir jubeln und die Engländer ein langes Gesicht ziehen.

Haben Sie denn Hoffnung, dass es Deutschland in Brasilien bis ins Finale schaffen kann und sogar den Titel gewinnt?

Vettel: Ja, weil sie einfach gut sind. Es sind jetzt nicht mehr nur junge Himmelsstürmer, sondern eine in sich gewachsene, erfahrene Truppe. Sie haben zwar viel Druck, weil die Erwartungshaltung enorm ist. Aber, da müssen sie durch.

Apropos: Wie gehen Sie mit dem enormen Mediendruck um? Können Sie sich in die Kollegen vom Fußball hineinversetzen?

Handshake mit Brasilien-Legende Roberto Carlos - Parallelen zum Fußball gibt es in der F1 viele

Vettel: Da sehe ich auf meiner Seite einen Vorteil. Zum ersten Mal stand ich mit sieben Jahren vor einer Kamera. Als Rennfahrer gibt man schon mit 15 oder 16 richtige Interviews. So können wir diesen Bereich schon früher kennen lernen. Für mich war das ein Vorteil, bevor ich durch die Formel 1 richtig im Fokus stand. Die meisten Fußballprofis stehen dagegen eher erst mit 18, 19 oder 20 in der Öffentlichkeit - dann aber gleich richtig. Aber auch ich war am Anfang etwas nervös bei Interviews, zu angespannt. Das hat sich gelegt. Jetzt bin ich immer ich selbst. Ich bin kein Schauspieler. Auf Dauer kann man sich nicht verstellen. Das funktioniert einfach nicht.

Lassen sich Fußball und Formel 1 überhaupt irgendwie vergleichen?

Vettel: Ja, durchaus. Ein guter Fahrer in einem schlechten Auto kann keine Rennen gewinnen, eine Meisterschaft schon gar nicht. Wie im Fußball muss das ganze Paket stimmen, damit am Ende der Pokal oder die Schale gewonnen werden kann. Der Pilot muss individuelle Klasse haben, braucht aber ein Ingenieurteam, das ein gutes Auto baut, zusammen mit dem Fahrer über die Saison verbessert und die richtigem Strategien entwickelt. In diesem Sinne ist die Formel 1 total ein Mannschaftssport. Nur auf der Strecke ist der Fahrer Einzelkämpfer, der das gemeinsam Erarbeitete in Eigenverantwortung zu Erfolgen führen muss.

Mit welcher Position im Fußball könnte man ihre Rolle als Pilot vergleichen?

Zeit für ein paar Fotos - hier beim Stadionbesuch in Barcelona mit Freundin Hanna

Vettel: Auf der Strecke sehe ich mich als Torjäger in Form des Elfmeterschützen. Das Team hat diese große Chance durch Training und starkes Spiel gemeinsam herausgeholt. Aber ich bin dann derjenige, der den Elfmeter verwandeln muss. Aber es ist ein bisschen von allem. Es gibt Phasen, in denen man sich fast schon arrogant durchsetzen muss, weil du ganz klar der Meinung bist: Es geht nur so und nicht anders. Dann kommen Situationen für die Rolle eines Spielführers, mit der Zehn auf dem Rücken, also eine Art Regisseur, der auch noch mit Autorität ausgestattet ist. Zum Beispiel, wenn es nicht so gut läuft und auch mal auf den Tisch gehauen werden muss. Und manchmal ist man auch Torwart, der versucht, von hinten das Spiel zu dirigieren. Unser Vorteil ist, dass bei uns vieles hinter verschlossenen Türen passiert. Denn ich kann auch mal heftig werden.

In der Formel 1 ist jeder Zentimeter auf der Strecke durch TV-Kameras überwacht, strittige Szenen werden noch einmal angeschaut. Verstehen Sie, dass der Fußball auf solche Mittel verzichtet?

Vettel: Nein, absolut nicht. Wenn man technisch die Möglichkeit hat festzustellen, ob ein Ball jetzt hinter der Linie war oder nicht oder ob es ein Foul war oder nicht, sollte sie genutzt werden wie auch in anderen Sportarten, Tennis zum Beispiel - auch als Hilfe für die Schiedsrichter. Der Einsatz technischer Hilfsmittel unterläuft doch nicht den Urgedanken des Sports, den man - natürlich - nicht verändern sollte.

Wie und wann sind Sie eigentlich Fußball-Fan geworden?

Vettel: Schon früh, als Kind. Meine Heimatstadt Heppenheim ist ganz klar Eintracht-Frankfurt-Land. Es gab schon damals viele Autos, die mit Eintracht-Aufklebern oder Fahnen durch die Stadt gefahren sind, auf dem Weg ins Waldstadion. So hieß die Arena damals. Logisch, dass ich da auch mal hinwollte.

Können Sie sich an spezielle Spiele erinnern, als Sie im Stadion waren?

Glühender Eintracht-Fan: Vettel mit dem Trikot der Frankfurter und seiner Startnummer 1

Ja, zum Beispiel als die Eintracht im Dezember 2009 gegen Mainz 05 siegte. Danach war ich zusammen mit dem damaligen Mainz-Trainer Thomas Tuchel im Sportstudio eingeladen und schenkte ihm ein Becher aus dem Stadion mit tröstenden Worten drauf. Tuchel war zunächst nicht „very amused“, konnte später aber doch drüber lachen. Dieser Becher steht heute, so sagte man mir, in einer Vitrine im Eintracht-Museum. In besonderer Erinnerung habe ich auch das 3:3 gegen Borussia Dortmund im September 2012. Es war Eintrachts erste Saison nach dem Wiederaufstieg und dieses Spiel war einfach Extraklasse. Besonders, aber nicht nur, von der Eintracht!

Wie oft gehen Sie pro Saison ins Stadion?

Vettel: So oft ich kann, aber im Moment besteht oft nicht die Zeit dazu. Hauptsächlich wegen wichtiger Geschäftstermine alle zwei Wochen, die leider auch immer am Wochenende stattfinden.

Gibt es einen Traumgegner, den Sie mal live in der Commerzbank-Arena sehen möchten?

Vettel: Ja. Den FC Barcelona im Halbfinale zur Champions-League.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Xpb / Getty Images

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