Formel Volkswagen

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— 04.09.2002

Die zweite Generation

Der neue Formel VW entschädigt für die Schwächen des alten. Super-Abtrieb treibt den Spaß ans Limit.

Nanu – schon wieder ein Tracktest mit einem Formel Volkswagen? Der war doch erst voriges Jahr in AUTO BILD motorsport. Richtig, aber besondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen. Denn nach seiner Premieren-Saison wurde das alte Formel-Modell von VW wegen einer Reihe von Konstruktionsmängeln in Rente geschickt. Gebrochene Chassis, schlechte Werte beim Crashtest – mit seinem ersten Formel-Monocoque verfehlte VWs Kohlefaser-Bäcker Zato das Ziel. Seit einigen Wochen steht nun der neue Formel Volkswagen am Start. Mit verändertem Chassis, das allen Teams im Tausch kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Selbst Piloten bis 1,90 Meter haben Platz

Bei der zweiten Generation seines Nachwuchsrenners griff Volkswagen auf die Erfahrung von Chassis-Bauer Reynard zurück. Der hat zwar inzwischen Konkurs angemeldet, doch ehemalige Mitarbeiter betreuen den Bau der Monocoques weiterhin. Die Neuheiten des Autos erkennt man erst auf den zweiten Blick. Die kantige Nase ragt etwas höher in den Wind, das Cockpit wuchs um sechs Zentimeter in die Breite. Und die sind spürbar. Zwickte der 2001er noch ein wenig an den Schultern, kann ich meine 184 Zentimeter nun wesentlich bequemer verstauen. Auch ein Verdienst der jetzt deutlich großzügiger verstellbaren Pedale. Piloten von 1,60 und 1,90 Meter Länge können besser sitzen und schmerzfrei fahren.

Der linke Fuß hat beim Schalten Pause

Beim Kupplungspedal hätten sich die Wolfsburger Ingenieure den Verstellmechanismus eigentlich sparen können. Der linke Fuß hat beim Schalten des sequenziellen Fünfganggetriebes Pause. Sogar beim Runterschalten flutschen die Gänge ohne Kupplung rein wie Butter. Noch nicht einmal ein Kratzen der Zahnräder ist zu hören. Eine modifizierte Befestigung des kurzen Schalthebels macht das Wechseln der Gänge noch einfacher als bisher.

Präzise wie die Schaltung ist auch das Fahrverhalten des Jungvolk-Renners. Das neue Monocoque erhielt eine bessere Backmischung, ist deutlich steifer als beim Vorgänger. "Jetzt reagiert das Auto wesentlich sensibler auf Veränderungen am Fahrwerk. Und ist pro Kilometer knapp drei Zehntelsekunden schneller", strahlt VW-Testfahrer Kris Nissen.

Wie bei einem Formel 3 oder Formel Renault schlägt der Formel VW im Grenzbereich einen Tourenwagen um Längen. Vor allem in schnellen Kurven, wenn man die Reifenhaftung schon am Ende wähnt, fördert der Formel VW immer neue Gripreserven zutage und verträgt sicher 20 unerwartete km/h zusätzlich. Den Hammer-Abtrieb verdankt die blaue Flunder riesigen Flügeln sowie dem effektiven Diffusor.

Der Formel VW übertrifft sogar die Formel 1

Deren Wirkung kommt mit steigendem Anpressdruck erst ab Tempo 150 progressiv in Fahrt. So muss in den höheren Geschwindigkeitsregistern das Herz mitwachsen, um das Limit voll auszukosten. In langsamen Kurven hingegen lässt sich die Rutschgrenze gefahrlos erkunden. Vor allem bei zu starkem Reißen am kleinen Steuerhorn mit Wildlederbezug schiebt der Monoposto da am Kurveneingang über die Vorderräder. Bei verfrühtem Tritt aufs Gas am Kurvenausgang meldet das Heck rigoros Ausbruch-Absichten an. Doch gemessen an der Konkurrenz (Formel BMW ADAC, Formel Renault), lassen sich kleine Zicken an Gas und Lenkrad mühelos auspendeln.

Die unverändert 187 PS des Zweilitermotors reichen für das 490-Kilo-Mobil völlig aus. Der Vierzylinder dreht rasant hoch. Ich muss mich mit dem Hochschalten ganz schön beeilen (hätte aber nichts dagegen, wenn die Maschine sich dabei etwas weniger schütteln würde). Die Schaltlampen im Lenkrad warnen in den ersten beiden Gängen bereits bei 7000 Umdrehungen, im dritten und vierten bei 7100 beziehungsweise 7200 Touren. Bei 7500 wird der Drehzahlbegrenzer dann zum Spielverderber.

Der Formel VW erfüllt jetzt sämtliche Sicherheitsstandards der Formel 3. Und übertrifft in einem Punkt sogar die Formel 1: Die Kevlar-Seile zum Einfangen abreißender Vorderräder halten der Zugkraft von fünf Tonnen stand, drei mehr als gefordert.

Fazit und Technische Daten

Fazit Das neue, steifere Monocoque macht den Formel Volkswagen nicht nur deutlich sicherer, sondern auch schneller. Das sequenzielle Getriebe begeistert mit schnellen, butterweichen Gangwechseln. Sogar das Runterschalten klappt ohne Kuppeln. Der 187 PS starke Zweilitermotor treibt den Volkswagen zu Formel-3-ähnlichen Fahrleistungen. Besonders angenehm: die gleichmäßige Leistungsentfaltung.

Technische Daten Fahrzeug: Formel Volkswagen • Motor: Vierzylinder, Zweiventiler • Hubraum: 1984 cm3 • Leistung: 187 PS bei 7000/min • Drehmoment: 215 Nm bei 5000/min • Gewicht 490 kg • Getriebe 5 Gänge, sequenziell • Federn: H&R-Rennfedern • Dämpfer: Sachs-Dämpfer, verstellbar • Bremsen: 280-mm-Scheiben vorn, 280-mm-Scheiben hinten • Räder/Reifen: Dunlop-Slicks, vorne 190/535 R 13, hinten 230/570 R 13

Das Reglement der Formel VW

Die Formel Volkswagen geht im Rahmen der Top-10-Serie zusammen mit der V8STAR-Serie, der Deutschen Tourenwagen Challenge und einigen anderen Markenpokalen und Formelserien an den Start. Neu in diesem Jahr: An sieben Rennwochenenden fahren die VW-Piloten jeweils zwei Rennen (Samstag und Sonntag).

Voraussetzung für die Teilnahme an den Rennen ist eine internationale C-Lizenz, die Fahrer müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Die Chassis können von den Teams gekauft oder geleast werden, die Motoren gibt es von Volkswagen Racing nur zur Miete. Ziel: Chancengleichheit für alle Teilnehmer. Pro Wochenende werden freies Training und ein Zeittraining (je 30 Minuten) gefahren. Die Rennen werden stehend gestartet und dauern 25 Minuten plus eine Runde.

Termine 1. September EuroSpeedway • 22. September Nürburgring • 13. Oktober Oschersleben.

Kosten Neupreis Fahrzeug 45.000 Euro • Saisonmiete Motor 4900 Euro • Saisonkosten bei Vollbetreuung (Kosten für Einsatz, Wartung inklusive aller Tests und eventuell auftretender Schäden. Können je nach Team variieren) 150.000 Euro • Einschreibegebühr 6000 Euro

Preise Der Sieger jedes Laufs erhält 2500 Euro. Für Platz zwei und drei winken 2000 beziehngsweise 1750 Euro. Die Teams kassieren 500 Euro pro Sieg. Zusätzlich werden die drei Ersten in der Meisterschaft mit 10.000, 5000 und 2000 Euro belohnt. Auch für die Teams gibt es eine eigene Preisgeldwertung. Beispiel: 6000 Euro für den Gewinn der Team-Meisterschaft.

Kontakt Volkswagen Racing, Ikarusallee 7A, 30179 Hannover, Tel. 0511-67494-0, Fax 0511-67494-789, www.vw-racing.com.

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