Fußball-WM-Serie, Folge 2

Die Kutschen der Kicker Die Kutschen der Kicker

Fußball-WM-Serie, Folge 2

— 06.06.2006

Die Kutschen der Kicker

Ein Fußballprofi wird an seiner Leistung gemessen – oder an der seines Autos. Schon vor über 30 Jahren gönnten sich die jungen Nationalspieler Statussymbole. Heute bestimmen oft die Sponsoren, wer was fährt.

"Autos, Frauen, lange Haare"

Das Leben eines Fußballprofis war Anfang der 70er Jahre beneidenswert simpel: "Autos, Frauen, lange Haare." In dieser Reihenfolge. Gesagt hat das Günter Netzer. Er muß es ja wissen. Der Ex-Nationalspieler war und ist ein Autonarr. Als Fußballer kam er an jedem Wochenende "aus der Tiefe des Raumes". Vor und nach dem Spiel dagegen aus der Tiefe des Hubraumes. Bis heute besaß Netzer 20 Ferrari. Und einen Jaguar E-Type.

"Auf der Merowingerstraße in Düsseldorf, im Autohaus Becker, stand das schönste Auto der damaligen Welt", so Netzer in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Anthrazitgrau, sechs Zylinder, 269 PS, 4,2 Liter Hubraum, 240 km/h schnell, Cabrio, 26.000 Mark teuer. Der Jaguar war Netzers erste große Liebe. Bis ein Jahr später auf der Autobahn ein Ferrari an ihm vorbeirauschte. Also verkaufte Netzer den britischen Sportwagen für 10.000 Mark an Franz Beckenbauer, "obwohl ich Franz vom Kauf abriet". Der Wagen ruckte, es zog, das Dach war undicht, oft sprang er nicht an. Zwei Tage später rief Beckenbauer Netzer an, fühlte sich betrogen: "Da regnet's ja rein."

Heute hat Beckenbauer seinem Spielmacher verziehen. Trotzdem wanderte der Jaguar weiter. Zum nächsten Fußball-Nationalspieler. Für 7500 Mark kaufte der Kölner Wolfgang Overath dem "Kaiser" dessen Kutsche ab. Um sie umgehend "in einem fürchterlichen Lila" (Netzer) lackieren zu lassen.

Klinsi stand auf Käfer Cabrio

Fußballer und ihre Autos – das ist eine unendliche Geschichte aus Leidenschaft, Maßlosigkeit und nicht selten schlechtem Geschmack. Wer in jungen Jahren über sehr, sehr viel Geld verfügt, der sehnt sich nach Statussymbolen. Darin unterscheidet sich ein Sepp Maier anno 1977 nicht von einem Oliver Kahn des Jahres 2006.

Nur selten findet sich in der Gilde der kickenden Großverdiener einer, der sich freiwillig ins automobile Abseits stellt. Jürgen Klinsmann war so ein Fall. Der heutige Teamchef der deutschen Nationalmannschaft wollte als Stürmerstar über Jahre nicht von seinem Käfer Cabrio lassen. Im aktuellen WM-Kader findet sich mit Marcell Jansen immerhin ein erwähnenswerter Exot. Der Gladbacher fährt privat (noch) einen VW Polo.

Ansonsten heißt es: Leistung zeigen. Besonders auf dem Weg zum und vom Trainingsplatz. Tabellenführer in der PS-Liga ist Leverkusens Jens Nowotny mit einem 435.000 Euro teuren Mercedes SLR McLaren mit 626 PS. Da wird schnell der Sozialneid zum Gegenspieler: "Protz-Profi", titelte BILD. Dabei ist Nowotny doch nur ein David Beckham für Arme. Dem Rechtsaußen von Real Madrid und Hoffnungsträger des englischen Fußballs, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, gehören zehn Luxuswagen vom Bentley Arnage über einen Mercedes SL 500, Audi A8L und Range Rover bis zu den Aston Martin DB7 und V8 Vantage.

Beckham ist so etwas wie der Netzer der Neuzeit. Mit einem Unterschied. "Beck's" hat drei Söhne, die er in zwei gepanzerten BMW X5 zur Schule und in den Kindergarten fahren läßt. Brooklyn, mit sechs Jahren der Älteste, lernte früh, was es bedeutet, einen Fußballstar zum Vater zu haben. Von Papa David bekam der Kleine bereits zwei Autos geschenkt: einen für seine Körpergröße angefertigten Hummer im Wert von 32.000 Euro. Und einen 50.000 Euro teueren Mini-Ferrari.

Autor: Hauke Schrieber

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