Gebrauchtwagen-Check Mercedes ML 320 — 28.08.2009
Wenn Klappern zum Handwerk gehört
Dass ML-Frühwerke lautstark von schlechter Verarbeitung künden, ist bekannt. Dass sie als Benziner inzwischen richtig billig sind, hingegen kaum. Frage deshalb: Was taugt ein Mercedes ML 320 für 5800 Euro?
Steuern und Versicherung sind günstig
Vor allem als Benziner: Deren Kurse starten inzwischen um und bei 6000 Euro. Deshalb gilt es zu klären: Was darf man in diesen Preisregionen erwarten – Freund oder Flegel? In puncto Folgekosten klar Letzteres, wird angesichts des Otto-Antriebs wohl jeder spontan mutmaßen. Aber genau das ist falsch. Zwar gibt man beim ML 230 oder 320 unzweifelhaft mehr Geld für Kraftstoff aus als bei deren selbstzündendem Bruder ML 270 CDI. Dafür sind Steuern und Versicherung aber günstiger. Vor allem aber sind die Benziner entgegen aller Stammtischparolen erheblich langlebiger und zuverlässiger. Frühzeitige Motorschäden durch Schwingungen und undichte Injektoren, kollabierende Automatikgetriebe – derartige Ereignisse mit irrwitzigen Reparaturkosten prägen den Fünfzylinder-Daimler-Diesel der Common-Rail-Ära. Befunde, die den Benzinern fremd sind: Deren Antriebseinheiten sind gemeinhin Mercedes-typisch robust.Die Laufleistung passt kaum zum erstaunlich frisch wirkenden Gestühl
Keine Frage also, welche Motorart nach Wahrscheinlichkeitsfaktoren auf Dauer günstiger ist. Man sollte nur an der Zapfsäule die Nerven bewahren, wie mein Kollege Martin Braun sehr richtig anmerkt. Um voreilige Fehlschlüsse zu vermeiden: Rundum empfehlenswerte Autos sind frühe ML-Benziner deshalb noch lange nicht. Bezüglich der allgemeinen Verarbeitung gilt für sie das gleiche wie für den Diesel: Die ist – gemäß gewohnter Benz-Kriterien (und sogar denen weniger anspruchsvoller US-Kunden, für die der ML ursprünglich entwickelt wurde) – schlichtweg grausam. Das änderte sich erst mit der Modellpflege im Sommer 2001. Erst ab da wurde in Tuscaloosa, Alabama, eine akzeptable Qualität produziert. Doch die Vertreter nach dieser Zäsur sind erst ab 12.000 Euro zu haben. Bleiben wir also bei den zweifelhaften Stücken der Erstauflage. Und suchen uns eines der günstigsten Exemplare, die das Netz hergibt. ML 320, EZ März 1999, US-Import, 178.000 km, 5800 Euro – klingt gut, die Annonce. Vor Ort zeigt sich allerdings, was ich mir schon am Telefon dachte: Die sechsstellige Zahl meint die Laufleistung in Meilen. Übern Daumen mal 1,6 ... 285.000 Kilometer hat der ML, der offenbar von einer dieser riesigen "Used Car Auctions" in Kalifornien stammt, gelaufen. Das ist viel. Und wirft die Frage auf: Wie schaltet die Automatik, die nur bei vorsichtiger Behandlung so lange hält? Die Probefahrt verrät: Sie schaltet, und zwar sanft und flott. Während der 90-Grad-V6 satt und stramm schnurrt. Zehn Jahre lang mit 55 mph über die Freeways des Sonnenstaates – das ist offenbar eine echte Pflegeversicherung.
Für 7000 Euro gibt es heute einen rundum vernünftigen ML 320
Erstaunlich indes, dass dieser 320er auch sonst ziemlich gut beisammen ist. Weder dem Erstlackkleid noch der Innenausstattung ist die astronomische Laufleistung anzusehen. Okay, das Holz ist nicht mehr neuwertig. Aber das war’s auch schon. Abgesehen vom obligatorischen Klappern (Türinnereien, Heckklappe, Armaturenträger) ist dies ein richtig solides Fahrzeug. Aber dennoch kein guter Kauf. Denn der ML ist lediglich verzollt. Euro-Scheinwerfer, Zulassung – der runde Tausender, der dafür draufgehen dürfte, macht ihn einfach zu teuer. Denn Fakt ist: Für nur 7000 Euro gibt es heute einen rundum vernünftigen ML 320. Mit dem man glücklich werden kann – sofern man das Klappern überhört.Kommentar verfassen


































Kommentare zum Artikel (5)
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gerade die ersten Baujahre des MLs sind so interessant , weil da noch der Ursprung durchkommt . GELÄNDEWAGEN . Die Modelle danach sind auch noch schick , aber Plastickautos fahren mir schon genug auf den Strassen herum . Auch vom Inneren mag ich es so wie es ist in diesen alten "Gurken" , solide , einfach und dennoch edel . Klappern hat meiner nicht , dafür diverse kleine Auas , aber was solls , mit 13 darf man das !
habe vor einem 3/4 Jahr einen W163 320 Benziner 10/1999 mit 208000 Km dt, Fahrzeug aus Erstbesitz für 7000,-€ erworben, bin seit dem etwa 10000 Km gefahren, schaltet weich und sauber, hat immer noch genug Kraft, top gepflegte Lederinnenausstattung aber das Klappern in den Türen nervt, bis auf etwas Schwitzen im Motorraum ist der Wagen ein Hauptgewinn , auf Anhieb ohne Mängel TÜV / AU erhalten, ich muss aber erwähnen, dass ich auf Ölwartung achte und meinen Opa ML auch nicht bis zum letzten PS fordere - augewogene Fahrweise ist tatsächlich eine Altersvorsorge
auf den einschlägigen US-Webseiten (autotrader.com) findet man den ML 320 in diesem Zustand so um 5000 Dollar herum. Das sind 3400 Euro. Ich denke das wäre auch hier ein angemessener Preis. Aber hierzulande zahlt man ja gerne Aufpreis für den guten Stern. Warum auch immer.
Hallo gmathol,
das würde ich nicht unbedingt sagen.
Natürlich befinden sich ML-Klassen in dieser Preisregion in einem nicht , sagen wir mal, begeisternden Zustand.
Aber die Modelle der letzten zwei Jahrgänge, vor allem die FInal Editon, sind wirklich gut.
Natürlich ist der Kaufpreis entsprechend und die Unterhaltskosten.
Schließlich ist ein Auto auch eine Art Hobby ;-)
Teure Gurken mit erblindeten Scheinwerfen und jede Menge Rost.
Rat: Haende weg - oder das Geld an mich ueberweisen.