Phaeton und Touareg — beide Luxus-Volkswagen waren zu Beginn dieses Jahrzehnts nicht nur eine Sensation, sondern auch eine Mutprobe für VW. Zumindest im Falle Touareg hat es sich auch wirtschaftlich gelohnt, denn der wuchtige Geländewagen verkaufte sich von Beginn an so gut, dass Volkswagen bereits mit der ersten Generation Gewinn macht. Aber der Touareg schaffte noch mehr: Er machte VW auch jenseits der 50.000-Euro-Marke salonfähig und brachte den VW-Händlern Kunden ins Haus, die früher nie an einen VW dachten. Dies zeigt auch unsere Fragebogenaktion zum Touareg.

Wichtiger Kaufgrund für den Touareg: das Design

Gebrauchtwagentest VW Touareg V6 TDI - ABA 07 - 08
Das vollwertige Reserverad am seperaten Träger kostet stets Aufpreis.
Bild: AUTO BILD - Bittmann
Nur 29 Prozent unserer Touareg-Besitzer fuhren schon zuvor einen VW, wobei nicht wenige nun schon den zweiten Touareg vor der Tür stehen haben. 21 Prozent der Touareg-Besitzer kamen von der teuren VW-Tochter Audi, 14 Prozent von Mercedes und 5 Prozent von BMW. Insgesamt 33 Prozent hatten bereits zuvor einen Geländewagen, nicht selten eine ältere Mercedes M-Klasse, einen Mitsubishi Pajero, einen Land Rover Discovery oder einen Nissan Patrol. Und warum wurde dann der Touareg angeschafft? Ganz wichtig waren Aussehen (93 Prozent), Wintertauglichkeit (68 Prozent), Geländetauglichkeit (47 Prozent), Zuverlässigkeit (43 Prozent) und — ein heutzutage gern unterschätztes Argument — die Nähe zur nächsten Vertragswerkstatt (41 Prozent).

Zahlreiche Elektronik-Probleme

Mit der Zuverlässigkeit hapert es da und dort. Es gibt zwar keine flächendeckenden Klagen, aber reichlich Ärgerlichkeiten, die fast immer mit der Elektrik zu tun haben: Kriechströme bei abgestelltem Fahrzeug, defekte Standheizungen, wirr leuchtendes Xenon-Licht und unmotiviert blinkende Kontrolllampen erschüttern bei einigen Touareg-Besitzern den Glauben an die Zuverlässigkeit Ihres Gefährts. VW geht dabei offenbar recht zuvorkommend mit der sensiblen Kundschaft um. So wurden auch lange nach Ablauf der Garantiezeit reihenweise die zahlreich zusammengebrochenen Batterien ausgetauscht, ohne diese zu berechnen. Das wirkt, denn in der Kritikliste der Touareg-Fahrer steht mangelnde Zuverlässigkeit ganz weit unten (4 Prozent), obwohl immerhin 20 Prozent der Leser-Touareg mindestens einmal nicht starten wollten und 12 Prozent sogar unterwegs liegen blieben.

Zuverlässig: V8-Benziner

Die Defektbilanz ist unterschiedlich. Zum einen erhöhen Sonderausstattungen offenbar das Schadensrisiko. Dabei seien vorrangig Standheizung, Xenon-Licht und der schlüssellose Zugang genannt. Zum anderen kommt es auf den Motor an. Die Benziner, egal wie viele Zylinder, sind dabei weitgehend unproblematisch, vor allem der 4,2-Liter-V8. Anders die Turbodiesel. Hier hat jeder — neben der Komfortelektronik — so seine zusätzlichen Problemstellen. Der sparsame, aber rau laufende R5 TDI krankt zuweilen an einer defekten Wasserpumpe sowie Störungen im Zusammenhang mit dem Partikelfilter und der Kraftstoffqualität. Beim bärenstarken V10 TDI sieht es genauso aus, dazu kommen noch vereinzelt Schäden an Automatik und Verteilergetriebe.

Über 60 Prozent der Touareg-Fahrer bleiben bei VW

Besser macht sich da der beliebte V6 TDI (Anteil 56 Prozent), der lediglich mit Elektronikdefekten kämpft. Hier sind die Besitzer allerdings schwer enttäuscht vom Verbrauch. Zahlreiche Anmerkungen zeugen von Grimm, weil der stärkere V10 TDI bei gleichem Tempo kaum mehr schluckt als der V6 TDI. Generell ist jedoch die Steuerlast der Hauptkritikpunkt (30 Prozent), noch vor dem knappen Laderaum (26 Prozent). Ebenfalls recht zufrieden sind die Touareg-Besitzer mit den VW-Werkstätten; 87 Prozent beurteilen sie positiv. Durchschnittlicher Inspektionspreis: 570 Euro. Kritisch wird es erst bei der Wahl des nächsten Fahrzeugs. Immerhin 52 Prozent wollen wieder einen Touareg, dazu 11 Prozent den kleineren Tiguan. Weitere 12 Prozent bleiben im Konzern und nehmen den neuen Audi Q5 — macht insgesamt 75 Prozent für den VW-Konzern. Abwanderer zieht es offenbar zu Mercedes (4 Prozent), BMW und Porsche (je 2 Prozent).

Nur durchschnittliche Zuverlässigkeit

Die Armaturenanlage wirkt edel, Schalter und Hebel sind günstig platziert.
Die Bremsscheiben halten 20.000 bis 100.000 Kilometer — von der Fahrweise abhängig. Der Touareg stellt hohe Anforderungen an die Batterie. Bei 15 Prozent der Leser-Touareg musste sie vorzeitig erneuert werden, oft nach nicht einmal zwei Jahren. Rost kommt so gut wie nie vor, Ölundichtigkeiten ab und zu beim 2.5 R5 TDI (9 Prozent). Bei 13 Prozent der 2.5 R5 TDI machte die Kühlwasserpumpe vorzeitig schlapp. Die Zuverlässigkeit ist gerade noch durchschnittlich: 20 Prozent der Leser-Touareg wollten nicht starten (zwei Drittel mit zusammengebrochener Batterie, der Rest wegen Steuergerätefehler), 12 Prozent blieben unterwegs liegen. Diese Pannen wurden überwiegend von defekten Motorsteuergeräten verursacht, am häufigsten bei 2.5 R5 TDI und 3.0 V6 TDI. Die Benziner haben weit weniger Probleme mit der Elektronik.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Martin Braun

Die VW-Werkstätten tun offenbar ihr Möglichstes. Aber die komplexe Elektronik eines mit Komfortextras versehenen Touareg ist eben nicht einfach zu durchblicken. Der Gebrauchtkäufer sollte daher schlichtere Versionen bevorzugen: Wenigfahrer am besten einen 4.2 V8, Vielfahrer trotz des nicht wirklich niedrigen Verbrauchs einen 3.0 V6 TDI, möglichst ohne Xenon-Licht, schlüssellosen Zugang (Keyless-Go) und vor allem ohne Standheizung.  Achten Sie nach einer Probefahrt mit einem R5 TDI oder V10 TDI auf Dieselruß an der Heckpartie, auch bei Filterfahrzeugen. Thema Elektrik: Vergewissern Sie sich, dass wirklich alles funktioniert. Nehmen Sie aufleuchtende Kontrolllampen ernst!