So rüsten Sie eine Standheizung nach

Standheizung nachrüsten

Wärme auf Knopfdruck

Nie wieder Eis kratzen. Standheizungen mit Fernbedienung sorgen schon beim Losfahren für wohlige Wärme. AUTO BILD erklärt die Systeme und den Einbau.
Nie wieder Eis kratzen – das geht mit einer Standheizung. Sie bringt den Innenraum schon vor dem Motorstart auf wohlige Temperaturen. Und nicht nur das: Auch der Motor wird durch die Standheizung vorgewärmt. Dadurch bleiben Kaltstart und Kaltlaufphase aus. Das bedeutet es wird Kraftstoff gespart, weniger CO2 ausgestoßen und der Verschleiß verringert sich. Allerdings gibt es die Standheizung nur in wenigen Fällen als Option direkt ab Werk – die einfachste Möglichkeit ist, sie nachzurüsten. AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen!

Wie funktioniert die Standheizung?

Grundsätzlich wird zwischen elektrischen und brennstoffbetriebenen Standheizungen unterschieden. Bei letzterer Variante gibt es wiederum die Unterteilung Luft- und Wasserheizungen. Bei Standheizungen von Pkw geht werden fast ausschließlich Wasserheizungen verwendet.
Wasserheizung: Die Wasserheizung wird in der Regel über den Fahrzeugtank mit Kraftstoff versorgt. Dieser wird verbrannt und erwärmt das Kühlwasser, das wiederum zirkuliert und dafür sorgt, dass der Motor vorgewärmt und der Innenraum über das Gebläse beheizt werden kann. Für Verbrennung, Zirkulation und Innenraumgebläse braucht man Strom von der Batterie, deswegen sollte die anschließende Fahrt lange genug dauern, um die Batterie wieder aufzuladen. Die übliche Aufwärmzeit im Winter liegt bei etwa 15-30 Minuten.
Luftheizung: Die Luftheizung bietet sich für lange Heizzeiten oder Fahrzeuge mit großen Innenräumen an, deswegen kommt sie oft bei Campern zum Einsatz. Die Energiegewinnung kommt auch hier aus Batterie und Tank; es wird aber kein Kühlwasser erwärmt und das Innenraumgebläse des Wagens wird nicht benötigt. Es wird lediglich warme Luft produziert und durch das heizungseigene Gebläse im Fahrzeuginnern verteilt. Diese Heizungen sind sparsamer und können auch einmal eine Nacht durchlaufen.
Elektrisches Vorwärmsystem: Dabei handelt es sich um ein tauchsiederähnliches Gerät. Es arbeitet nach dem Selbstzirkulationsprinzip, ähnlich wie ein Durchlauferhitzer. Es wird am Motorblock oder nahe am Kühlwasserschlauch angebracht und erwärmt das Kühlwasser. Über einen Verteilerkabelsatz kann ein Innenraumheizlüfter angeschlossen werden. Elektrische Motorvorwärmer sind in der Anschaffung und im Einbau wesentlich preiswerter als Standheizungen. Die Heizleistungen sind nahezu identisch. Aber: Es wird ein 230-Volt-Stromanschluss benötigt, deswegen ist die elektrische Standheizung nichts für unterwegs. So rüstet man den elektrischen Vorwärmer nach

Wie funktioniert die Nachrüstung?

Kein nerviges Kratzen mehr: Die Standheizung taut das Auto vor dem Start auf.

Wer bei seinem Auto eine Standheizung nachrüsten möchte, hat es mit einer überschaubaren Anzahl von Anbietern zu tun. Zu den wichtigsten Herstellern zählen Webasto, Eberspächer, Truma, Defa und Calix. Wichtig: Der Einbau einer Standheizung ist Sache für den Fachmann. Denn er ist aufwendig und aufgrund des Anschlusses an die Kraftstoffleitung nicht ungefährlich. Die Einbaudauer beträgt oft mehrere Tage. Dabei werden Teile der Verkleidung im Motorraum entfernt und neue Anschlüsse an Tank, Batterie und Heizgebläse verlegt. Dazu wird das Steuergerät an die Bordelektronik angeschlossen. Von der eigenständigen Montage raten Hersteller wie Werkstätten dringend ab. Praktisch: Viele Werkstätten kümmern sich neben dem Einbau auch um die Beschaffung der vom Kunden gewünschten Standheizung. Ein Komplettpreis sich lässt dadurch meist vorab festlegen.

Was kostet das Nachrüsten einer Standheizung?

Die Kosten (Standheizung inklusive Einbau) liegen bei einem VW Golf etwa zwischen 1200 und 1600 Euro. Bei größeren Autos wird es teurer. Zum einen ist ein stärkeres Heizgerät für größere Motoren und Innenräume erforderlich. Zum anderen kann der Einbau bei größeren Autos aufwendiger werden. Der Mehrpreis für die Sonderausstattung bei einem Neufahrzeug entspricht meist etwa den Anschaffungs- und Umbaukosten beim Nachrüsten. So kostet sie beim VW Golf beispielsweise 1270 Euro ab Werk, für eine Mercedes E-Klasse liegt der Aufpreis bei 1450 Euro. Das Tolle: Die Standheizung ist darauf ausgelegt das ganze Autoleben zu halten, regelmäßige Wartungen sind nicht nötig.

Für wen lohnt sich die Nachrüstung?

Eine Standheizung ist eine lohnende Investition, wenn der Wagen oft draußen steht und im Winter einfriert. Sie spart Mühe und Zeit, da das Eiskratzen entfällt, gleichzeitig schont sie den Motor durch den Wegfall des Kaltstarts. Für das Auto bedeutet die Standheizung eine deutliche Aufwertung und damit eine Wertsteigerung. Da die Nachrüstung jedoch teuer ist, lohnt sie sich meist nicht bei alten Autos, die schon auf das Ende ihrer Lebensdauer zugehen.
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Wie viel Kraftstoff verbraucht die Standheizung?

Der Kraftstoffverbrauch durch die Standheizung ist vergleichsweise gering: Pro Stunde liegt der Verbrauch bei etwa einem halben Liter Benzin oder Diesel. Die von der Standheizung verbrauchte Kraftstoffmenge wird allerdings – zum Teil oder auch ganz – anschließend wieder eingespart. Denn der Motor kommt durch das vorgewärmte Kühlmittel schneller auf Betriebstemperatur und muss keinen Kaltstart absolvieren.

Was ist beim Betrieb der Standheizung zu beachten?

Die Standheizung darf nicht an Tankstellen oder anderen Orten mit brennbaren Stoffen eingeschaltet werden. Auch in Garagen oder anderen geschlossenen Räumen sollte die Standheizung aus bleiben, es besteht sonst Vergiftungsgefahr! Für den Betrieb der Standheizung wird Strom benötigt. Den liefert die Autobatterie. Damit es im Nachgang aber nicht zu Startproblemen kommt, sollte das Auto nach Nutzung der Standheizung gefahren werden, um die Batterie nachzuladen. Am besten in etwa so lange, wie die Standheizung lief. Alternativ kann der Wagen auch an ein Autobatterie-Ladegerät angeschlossen werden.

Wie wird die Standheizung bedient?

Einige Modelle funktionieren mit Alexa. Bei Eberspächer ist dafür das Easy-Start-Web-Modul nötig.

Für die Bedienung der Standheizung gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten: von Zeitschaltuhr bis Alexa bieten die Hersteller unzählige Lösungen an. Am bekanntesten ist wohl die Funk-Fernbedienung. Damit lässt sich die Standheizung aus bis zu 1000 Metern Entfernung aktivieren. Wer jeden Tag um dieselbe Zeit losfährt, kann auch eine Zeitschaltuhr zulegen. Damit lässt sich der Start programmieren. Manche Standheizungen verfügen zudem über ein GSM-Modul, darüber sind sie mit dem Mobilfunknetz verbunden und lassen sich per Anruf oder SMS aktivieren.
Moderne Systeme lassen sich aber auch per Smartphone-App bedienen. Anbieter Webasto bietet dafür zum Beispiel die Thermo-Connect-App. Die lässt sich auch über einen kostenlosen Skill mit Alexa verbinden. Für ältere Geräte lässt sich die App-Steuerung nachrüsten. Auch Eberspächer bietet einen Alexa-Skill für einige Standheizungen an.

Was ist der Unterschied zu einem Zuheizer?

Viele moderne Autos haben, ohne dass ihre Besitzer es wissen, einen sogenannten Zuheizer – und damit quasi schon eine halbe Standheizung. Ein Zuheizer verstärkt die Heizleistung des Fahrzeuges während der Fahrt. Denn vor allem die neueren Dieselmotoren arbeiten so effizient, dass nur noch wenig Abwärme zur Beheizung des Innenraums entsteht. Viele Dieselfahrzeuge sind daher bereits ab Werk mit einem Zuheizer ausgerüstet. Der Unterschied zur Standheizung ist, dass diese unabhängig vom Motor läuft, der Zuheizer aber nur bei laufendem Motor arbeitet. Daher ist beim Zuheizer keine Gebläsesteuerung im Stand möglich.
Mit einem fahrzeugspezifischen Aufrüst-Kit lassen sich die fehlenden Komponenten ergänzen. So wird der Zuheizer für einen geringeren Preis zu einer vollwertigen Standheizung aufgerüstet. Die Kosten für ein Aufrüst-Kit beginnen bei etwa 200 Euro. Die Zeit für den Einbau variiert je nach Fahrzeug, nimmt meistens aber nicht mehr als drei Arbeitsstunden in Anspruch. Entsprechende Aufrüst-kits werden auch von den Autoherstellern angeboten.

Zusammenfassung

Eine Standheizung nimmt einem nicht nur das lästige Kratzen, sie schont auch den Motor und verringert den Verschleiß. Da sie selten ab Werk verbaut ist, muss sie nachgerüstet werden. Hier gibt es unzählige Modelle mit verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten. Die Kosten für die Nachrüstung liegen bei mindestens 1000 Euro. Folgekosten (z.B. durch Wartung oder Reparaturen) sind aber nicht zu erwarten – die Standheizung soll solange halten wie das Auto. Und die Investition kann sich lohnen: Beim Wiederverkauf kann ein höherer Preis erzielt werden. Wichtig: Eine Nachrüstung ist aufwendig und in jedem Fall ein Job für die Fachwerkstatt.

Autoren: , Brigitte Oesterle

Stichworte:

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