Herstellergarantien — 27.10.2011

Hilfe, mein Auto rostet!

Brauner Gammel nagt an einem C-Klasse Mercedes Baujahr 2001. Das darf eigentlich nicht sein. Welchen Anspruch hat der Fahrer? Wir beantworten wichtige Fragen zum Thema Rost und Garantie.

Walter König aus Hamburg hat für seinen automobilen Traum lange gespart. "Das sollte mein letztes Auto sein", sagt der Rentner (74). Aber der Traum, der vor zehn Jahren fast 38.000 Euro kostete, er rostet. Der Mercedes C 220 CDI von Walter König stammt vom Oktober 2001, ein T-Modell mit edler Ausstattung. Im Januar 2009, das Auto war gerade sieben Jahre alt, beseitigte die Markenwerkstatt erstmals Rost am Radlauf des Kotflügels hinten rechts und vorne rechts. Dazu Korrosion am Kotflügel hinten rechts und vorne rechts sowie Korrosion am Unterboden. Alles findet sich in der Auftragsbestätigung. Mercedes reparierte auf Kulanz, stellte keine Rechnung. Aber jetzt ist der Rost zurück: An Radläufen, Türfalzen und Heckdeckel gammelt es. Mercedes lehnt eine Kostenübernahme ab, das Auto sei zu alt. Nanu, steht da nicht etwas von 30 Jahren Garantie gegen Rost? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Werkstatt-Abzocke: Die häufigsten Fallen

AUTO BILD-Redakteur Andreas May mit Mercedes-Fahrer Walter König: Trotz regelmäßiger Inspektionen greift die Rost-Garantie bei seinem Fahrzeug nicht.

Warum greift im Fall von Walter König die Rostgarantie nicht? Mercedes gewährt eine maximal 30-jährige Sicherheit gegen Durchrostung von innen nach außen. "Es handelt sich um eine freiwillige Leistung des Unternehmens, daher sind daran herstellerspezifische Bedingungen gebunden", sagt Mercedes-Sprecher Wolfgang Zanker. Im Klartext: vollständig abgestempeltes Serviceheft und alle Wartungsdienste im autorisierten Mercedes-Benz-Servicebetrieb. Hier muss Herr König passen. Sein Mercedes ist zwar scheckheftgepflegt, aber nicht von Mercedes. "Ich war zum Service auch bei A.T.U", sagt der Rentner.

Im Überblick: Alles zum Thema Autopflege

Darf ein Hersteller Garantieansprüche an Wartung in der Vertragswerkstatt knüpfen? Ja, das ist rechtlich zulässig. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das im Fall der 30-Jahres-Garantie gegen Durchrosten bei Mercedes so entschieden (AZ VIII ZR 187/06). Damit wies das Karlsruher Gericht die Klage eines Mercedes-Fahrers ab, der Ansprüche wegen Roststellen an der Heckklappe seines Mercedes geltend machte, sich aber nicht an die Wartungsvorgaben gehalten hatte. Laut BGH sei es ein zulässiges Instrument zur Kundenbindung, Garantieansprüche an die Wartung in der Markenwerkstatt zu knüpfen.

Wie halten es andere Hersteller mit der Anti-Rost-Garantie? Da gibt es keine einheitliche Regelung. Renault-Sprecherin Uta Nolte: "Voraussetzung ist die Instandhaltung der Fahrzeuge nach Herstellervorgaben. Das heißt, alle vom Hersteller angegebenen Wartungsintervalle sind einzuhalten, alle Wartungsarbeiten müssen qualitativ den Vorgaben des Herstellers entsprechend und auch sonst fehlerfrei sowie in vollem Umfang durchgeführt worden sein." Bei Mazda ist es ähnlich. "Wir reparieren, auch wenn der Kunde zum Service mal nicht beim Markenhändler war", sagt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger. Voraussetzung sei der Nachweis über die jährliche Karosserieinspektion.

Oben in der Bildergalerie: Welche Garantiezeiten Hersteller bieten!

Andreas May

Andreas May

Fazit

Der Mercedes von Walter König ist keine zehn Jahre alt – und rostet. Das darf nicht sein. Wer Premium-Preise kassiert, sollte auch Premium-Qualität liefern. Dies ist in unserem Beispielfall nicht so, dies ist im Fall vieler unverzinkter C-Klassen früher Baujahre nicht so. Wenn Mercedes die Rostgarantie an die Wartung in autorisierten Werkstätten knüpft, ist das formaljuristisch nicht zu bemängeln. Kunden bindet man so natürlich nicht.

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Kommentare zum Artikel (34)

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exVianoFahrer
14.02.2012, 20:48Uhr

Mein Viano (Baujahr 2004) rostet überall. A-Säule, B-Säule, Heckklappe, Fahrertür, Schiebetür, ... Kostenvoranschlag 9000.- (netto). Garantie oder Kulanz: Fehlanzeige. Weitere Schäden: 2x Fensterheber, 2x durchgerosteter Auspuff, 1x Schiebedachmotor, und viele andere Schäden. Bei meinen weiteren Fahrzeugen (Passat schon mein 3. und EOS) kenn ich sowas nicht. Mein Passat war 10 Jahre alt und hatte 310000km ohne nennenswerte Probleme und ohne Rost!
Mein Rat: Hände weg von Mercedes!
Für mich steht fest: Viano in den Osten verhökern und der nächste Bus ist von VW.

VINAO Fahrer
06.01.2012, 13:19Uhr

Mein 2004er Viano, den ich für meine Familie mit 4 Kindern vor 2 Jahren mit 65.000 km auf der Uhr erworben habe blüht am gesamten Unterboden, Beifahrertür, Rücklicht etc. Eben wurde die Kulanz von Mercedes abgelehnt, da der Vorbesitzer auch nicht regelmäßig bei Mercedes sondern auch in freien Werkstätten war. Fahrzeugwert 10.000€, Reperatur im Bereich von 7.000€
Als Familenvater stehe ich jetzt KFZ-Technisch vor dem Ruin.
Wer hat Tipps???

l251
05.12.2011, 11:19Uhr

Das Beste oder nichts, das war das Motto von Gottlieb Daimler,
Leider ist das heute nicht mehr der Grundsatz.
Andere bauen mittlerweile bessere Autos. Mercedes glaubt mit Marketing-Sprüchen, dieses Defizit ausgleichen zu müssen. 30 Jahre, daran glaubt niemand, man versteckt sich hinter Tricks. Eine Garantie ist das nicht. Und das Beste auchnicht.

a klasse
09.11.2011, 20:54Uhr

Hab mir nee A KLasse Baujahr 2002 gekauft und leider wieder das mit dem Rost hab woher w203 gehabt da waren es die Türen und der Deckel hinten hier sind es die Türen und Radläufe

Meuer
18.07.2011, 19:08Uhr

Moin,
ich fahre ein W211 Baujahr 2004, mein Benz wurde regelmäßig bei Mercedes gewartet, aber leider fing die Dachleisten und die Verkleidng an alle 4 Türen an zu Korrosionieren.
Ich fuhr nach der Niederlassung von Mercedes und dort habe ich es beanstandet.
Leider beka ich heute ein Anruf mit der Mitteilung, das nur die Dachleisten übernommen wird, aber nicht die Aluverkleidung an den Türen.
Angeblich wegen Laufleistung nun der Wagen hat erst 144000km weg??????
Ich bin darüber sehr entäuscht.
MFG Meuer

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