Die alten Gesetzmäßigkeiten des Automarktes gelten nicht mehr. Das beweisen die aktuellen Neuzulassungszahlen. Eines dieser Gesetze lautet: Sobald der Nachfolger in Sicht ist, kauft niemand mehr das aktuelle Modell. Beim Polo aber ist das Gegenteil der Fall. Im Mai hat Volkswagen 12.170 Einheiten des Auslaufmodells verkauft, das ist gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von 96,4 Prozent. Der Polo ist damit der meistverkaufte Kleinwagen in Deutschland – noch vor dem neuen Ford Fiesta und dem Opel Corsa. Erstaunlich ist das nicht nur, weil schon am 26. Juni der Nachfolger auf den Markt kommt. Sondern auch, weil das letzte Exemplar des aktuellen Modells zwar erst im Mai vom Band lief – VW die Kapazitäten aber schon vorher heruntergefahren hatte. Offenbar haben die Händler die letzten erhältlichen Exemplare zusammengekratzt.
Auch der Gesamtmarkt hat weiter von der Umweltprämie profitiert. 384.578 Neuwagen wurden im Mai zugelassen, das ist ein Plus von 39,7 Prozent. Auf dem Privatmarkt schaffte der (ebenfalls auslaufende) Astra dabei ein Plus von fast 642 Prozent – der Opel-Krise zum Trotz. Doch was passiert, wenn die Abwrackprämie ausläuft? "Diejenigen, die jetzt von der Prämie profitieren, müssen sich zwar auf eine Durststrecke einstellen", sagt Ulrich Winzen, Chefanalyst von R. L. Polk Germany, "aber das Saldo wird trotzdem positiv ausfallen." Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für den ganzen Kontinent. Polk hat errechnet: Ohne Staatsprämien wäre die Pkw-Nachfrage in Westeuropa um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. So betrug das Minus bis Mai nur 12,6 Prozent.