Hybrid-Tour durch die USA (9. Tag)

Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA

Hybrid-Tour durch die USA (9. Tag)

— 26.03.2005

Von Reno nach San Francisco

Letzte Etappe, das Ziel ist nah: Zwischen zwei Meter Schnee und sandigen Stränden liegen in Amerika nur drei Stunden.

Morgens verliert Reno das Gesicht

Leuchtreklame. Überall Leuchtreklame. Blinkend, kraxelnd, glitzernd. Reno ist eine Lichtorgie, sobald es dunkel wird. Was für ein Gegensatz zur gestrigen Nacht: Auf der Flying M Ranch sieht man zwischen Sonnenunter- und -aufgang nichts als Sterne, über den Spielerstädten Nevadas würde nicht mal der Halleysche Komet auffallen. Wer nicht wenigstens eine pinkfarbene Neonröhre an seiner Fassade anbringt, hat hier als Geschäftsmann nichts verloren.

Alles dreht sich ums liebe Geld in Reno. Die einen tragen es rein in die riesigen Casinos, die anderen raus. Zu denen gehört auch Barron, bei dem wir gestern privat zu Gast waren. Das komplette Foyer des Reno Hilton ist eine gigantische Automatenhalle, mit angeschlossenen Coffee Shops, Bars und ziemlich teuren Restaurants. Eine Hochzeits-Kapelle gibt es auch, im Untergeschoß, neben zahlreichen Boutiquen. Die Rezeption klebt rechts an der Wand. In kleinen Arbeitsboxen reihen sich die Rezeptionistinnen aneinander und reichen die Tür-Chipkarten heraus. Durchs bahnhofshallenartige Gewusel geht es zu den Fahrstühlen, im Eiltempo bis in den 28. Stock. Willkommen im Spieler-Paradies.

Am nächsten Morgen, mit vollen oder leeren Taschen, verliert Reno das Gesicht. Weitaus spannender als die schlafenden Vergnügungsbauten ist das Panorama. Schneebedeckt rahmen die Gipfel der Sierra Nevada die 180.000-Einwohner-Stadt ein. Nach einer halben Stunde sind wir in den Bergen, in Truckee, mitten im Winter. Holzhäuser und Stores fügen sich zur Postkarten-Idylle. Eigenheime mit Panoramablick kosten locker eine Million Dollar und mehr, historische Lage inklusive: Vor rund 150 Jahren endete hier die sogenannte Donner Party.

Zwei Meter Schnee in Soda Springs

Die 87, teils deutschen Siedler – angeführt von den Familien George Donner und James Reed, aufgebrochen 1846 in Springfield, Illinois – wurden beim Überqueren vom Winter überrascht. Vier Monate hielt der Schnee sie hier oben gefangen. Um zu überleben, aßen sie ihre Pferde, ihre Hunde, zum Schluß ihre Toten, heißt es. 47 Party-Teilnehmer konnten lebend gerettet werden. Ein Hilfs-Trupp brachte sie letztlich ans Ziel – Kalifornien.

10.30 Uhr, 178 Meilen trennen uns noch von San Francisco, keine 300 Kilometer mehr bis zur sonnigen Westküste, dem Ziel der Reise. Drei Stunden liegen zwischen Snowboard und Surfbrett, zwischen zwei Meter hohem Schnee in Soda Springs und kilometerlangen Stränden in California. Ziemlich abgefahrenes Land, soviel steht nach bislang rund 5000 Kilometern fest. Banale Inlandsflüge dauern länger als Hamburg-Mallorca und zurück. Von Küste zu Küste mit dem Auto, das ist für viele Amerikaner so abwegig wie für uns eine Fahrt von Ulm nach Usinsk.

"Great", "amazing", "unbelievable" - die Kommentare zur Lexus-Challenge liegen zwischen begeistert bis ungläubig, durchweg. Das Thema Hybrid ist in den USA deutlich populärer als in Deutschland. Je näher wir Kalifornien kommen, desto höher wird die Toyota-Prius-Dichte. Umweltbewußtsein wird hier großgeschrieben, schon vom Gesetzgeber her. Die Emissionswerte sind deutlich strenger als in den übrigen Staaten. 2007 ziehen Arnie und Co die Abagsschrauben noch weiter an. Begeisterung für fortschrittliche und sparsame Technik gehört zum guten Ton.

Mäßige Straßen und Platz im Überfluß

Was ebenfalls dazugehört, sind die SUV und Light Trucks. So sehr ich mich als Parkplatznot-geplagter Großstädter anfangs über diese allgegenwärtigen Volkslaster gewundert, fast geärgert habe, desto (selbst)verständlicher werden sie im Laufe der Tour. Dieses Land ist riesig, der mittlere Westen dünn besiedelt. Wenn es eines im Überfluß gibt, dann Platz und mäßige Straßen.

Ganz ehrlich: Läßt man Spritkonsum und -kosten mal außen vor, gibt es nicht einen Grund, in Utah, Wyoming oder Nevada einen Kompakt- oder gar Kleinwagen zu fahren. Außer den gigantischen Rabatten fällt mir allerdings kein Grund ein, sich für ein amerikanisches Auto zu entscheiden.

Nehmen wir den Lincoln Navigator: "The pinnicle of perfection", lautet sein Werbeslogan. Was Besseres hat Ford nicht zu bieten, heißt das frei übersetzt. Der blanke Hohn, unter europäischen Qualitätsgesichtspunkten. Die riesige Heckklappe öffnet auf Knopfdruck elektrisch, yeah, ächzt und piept dabei aber wie eine ausrangierte Beatmungsmaschine. Durch die Türgriffe zieht es, Bremsen und Beschleunigen ist nur was für ganz Geduldige, das Lenkspiel im Vergleich dazu fast schon Präzisionsarbeit. Der Durchschnittsverbrauch "Coast to Coast" lag bei 16,6 Liter Super.

Richtungsweisend und genügsam

Der GMC Yukon schneidet in fast allen Disziplinen noch schlechter ab. Wendig wie ein Winnebago, schnell wie eine Landmaschine, allerdings nicht ganz so durstig: 14,86 Liter im Schnitt. "Ein Auto für Rapper", meint PR-Berater Patrick Barry dazu. "Einen auf dicke Hose machen, zu mehr taugt der nicht. Daß die Gurke so erfolgreich ist, zeigt, wie wichtig Marketing ist."

Der Lexus RX 400h steht im Vergleich dazu blendend da: perfekt verarbeitet, extrem drehmomentstark (750 Newtonmeter), richtungsweisend und genügsam. In der Stadt geht der Verbrauch dank E-Motor runter auf 5,88 Liter (67 Prozent weniger als der konventionelle V6-RX), in den Bergen rauf bis 11,8 Liter. Durchschnittsverbrauch auf der Tour: 10,9 Liter auf 100 Kilometer. Das rechnet sich für Amerikaner.

Moderne Diesel kommen mit deutlich weniger aus, klar, der Preis pro Gallone liegt hier aber zehn bis 15 Prozent über Super. Zudem müssen Dieselfahrer an fast allen "gas stations" in dem Truckbereich, wenn sie tanken wollen. Das ist nicht besonders sexy. Und nicht wirklich sauber: Was aus den Säulen kommt, schmeckt modernen Hochdruckeinspritzern nicht. Pluspunkt Hybrid.

Ziel erreicht, Erfolg garantiert

12.30 Uhr, 127 Meilen bis zur Golden Gate Bridge, draußen ist plötzlich Frühling. In den Vorgärten rosten und rotten nicht mehr alte Autos und zerlegtes Mobiliar. Statt dessen sattes Grün, bunte Blümchen, akkurat gestutzte Bäume. 14 Grad zeigt der Bordcomputer an auf Höhe Foresthill, zehn Meilen weiter sind es bereits 18 Grad. Erste Zypressen und Palmen tauchen auf. Die Highways sind jetzt sechsspurig und liegen im Dreierpack direkt nebeneinander. Alle paar Meilen bietet mein Rechner mir eine drahtlose Verbindung ins Internet an. Welcome im Hightech-Paradies.

Waschstraße, Subway, Stau. Der erste, den ich in den Staaten erlebe. Wir rollen nach San Francisco rein. Neben uns VW Jetta, Audi TT, Mini Cabrio, Honda-Honda-Honda, Toyota. Fast wie zuhause, von den vielen Prius und Hybrid-Civic mal abgesehen. Über die Oakland Bridge geht es nach Treasure Island. Rechts von uns Alcatraz, die legendäre Gefängnis-Insel. Wir biegen links ab, kurven einmal um den Hügel, blicken über die gleißende Bucht auf die Skyline. Affengeil. Aber eiskalt. Ein bitterböser Wind bläst die Frühlingssonne weg. Egal.

Weiter geht's, Fisherman's Wharf, Flaniermeile am Hafen. Menschenmassen, bimmelnde Cable Cars, Straßenmusiker spielen Jazz. Am Ende links ab, da: die Straßen von San Francisco, der Klassiker, auch ohne Karl Malden und Assi Michael Douglas. Die steilen Straßen rauf und runter parken blitzblanke New Beetle Cabrio und verbeulte Käfer. Und ziemlich viele Lexus RX.

Die Hybrid-Variante 400h ist auf ein Jahr ausverkauft, der Erfolg in Amerika garantiert (Start Mitte April 2005). 20.000 Bestellungen liegen vor, mehr als für jeden anderen neuen Lexus zuvor. Zu recht, kann das Fazit nach 3623 Meilen "Coast to Coast" nur lauten.

Autor: Ralf Bielefeldt

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