Indigo 3000

Indigo 3000

— 18.08.2003

Es war einmal in Arvika

Arvika, ein verschlafenes Stdtchen in Westschweden, ist die Geburtssttte des Indigo. Hier wurde das ambitionierte Projekt geplant, gebaut und auch beerdigt. AUTO BILD test & tuning fuhr den Zweisitzer und hofft auf die Wiedergeburt.

3000 steht fr drei Liter Hubraum

Der Vater des Indigo gibt uns einen guten Ratschlag mit auf den Weg: "Wenn es anfngt zu regnen, msst ihr einfach schneller fahren. Dann werdet ihr nicht nass." Ein echtes Paradoxon: Je schlechter das Wetter, desto ausgeprgter die Liebe zu puristischen, offenen Sportwagen. Offensichtlich sind es nicht nur die verrckten Briten, die mutig der Witterung trotzen, sondern auch die Schweden.

Bengt Lidmalm lebt in Arvika, nahe der norwegischen Grenze. 1993 trifft er eine Entscheidung, die sein Leben verndert. Ein Gesprch mit dem Chef von TVR inspiriert den gemtlichen Nordmann zu groen Taten: "Ich baue eine schwedische Variante dieses englischen Sportwagens." Gesagt, getan: 1995 finden erste Probefahrten statt, 1996 nimmt der erste Kunde seinen Indigo 3000 in Empfang. 3000 steht fr drei Liter Hubraum (genau genommen sind es nur 2,9). Indigo steht fr nichts Bestimmtes, hrt sich aber gut an.

Lidmalms Karriere als Autohersteller gert kurz und vielversprechend: Unter dem Namen Jsse Cars baut der Schwede mit einer Truppe von 15 Mann den Indigo in Handarbeit zusammen. Die Preise sind moderat, liegen bei umgerechnet 30.000 bis 40.000 Euro. Seine Waghalsigkeit zahlt sich nicht aus. 1999 dreht die Bank den Geldhahn zu. "Kurz vor Erreichen der Gewinnzone und trotz voller Auftragsbcher", erzhlt der 60-Jhrige gelassen und ohne eine Spur von Verbitterung. Nach 41 gebauten Fahrzeugen stirbt das Projekt Indigo einen pltzlichen, vorzeitigen Tod.

Ein bisschen Jaguar, ein bisschen TVR

Ein tragisches Ende fr ein wunderschnes Auto. Die Form des Indigo 3000 zitiert berhmte Vorbilder. Ein bisschen TVR, ein bisschen Jaguar. Und ein bisschen BMW Z8 obwohl der erst viel spter kam. Trotz der groen Vorbilder wirkt das Design eigenstndig, retro und doch modern: aggressive Front mit gefrigem Khlergrill, endlos lange Motorhaube mit zwei markanten Hckern, elegant geschwungenes Heck mit sanft abfallender Seitenlinie und Doppelrohrauspuff.

Der spielt eine zentrale Rolle, zerstreut sein Klang doch alle Bedenken, einen zahnlosen Tiger vor sich zu haben. Der Indigo fhrt einen so satten Tiefbass auf, dass jeder Hip-Hop-DJ vor Neid erblassen wrde. Wie Bengt Lidmalm dem Motor solche Tne entlockt, bleibt unbegreiflich. Der Volvo-Motor ist nmlich nicht gerade ein reiendes Tier, sondern eher brave Hausmannskost, die normalerweise in schwedischen Familienmobilen zum Einsatz kommt. Momentan tritt der Reihensechser im S80 an.

Die Liebe zu Volvo-Technik kommt nicht von ungefhr. Lidmalm war viele Jahre ein hohes Tier bei dem schwedischen Autohersteller. Gute Beziehungen zu der Fhrungsetage erklren den Entschluss, sich aus dem Teileregal des Herstellers zu bedienen. Die klassischen Rundinstrumente aus dem Volvo 960 passen gut zum schlichten Charakter des Indigo. Kostbares rotes Leder schmckt Armaturenbrett und Sitze. Auch gro gewachsene Fahrer finden eine optimale Sitzposition, das komfortable Gesthl ermglicht lange Touren ohne Zwischenstopp.

Betagte, aber pfiffige Fahrwerkkonstruktion

So angenehm und unaufgeregt wie der Aufenthalt im Indigo gestaltet sich auch das Fahren. Hohe Drehzahlen mag der Motor nicht besonders, er verwhnt seine Passagiere lieber mit Schub aus dem Keller. Die 267 Newtonmetern maximales Drehmoment haben mit den 1000 Kilogramm Leergewicht leichtes Spiel.

Trotz des Vorbilds TVR: Der Indigo ist mehr Amerikaner als Brite, mehr Cruiser als Rennsemmel. Dabei fhrt er durchaus manierlich ums Eck, nicht bermig wendig, aber schn neutral. Die betagte, aber pfiffige Fahrwerkkonstruktion leistet gute Dienste: Die Mehrlenkerhinterachse stammt vom Volvo 960, an der Vorderachse tummelt sich ein selbst entwickelter Doppelquerlenker mit Blattfedern. Bengt Lidmalm schwrt auf diese Technik: "In Bezug auf Agilitt und Fahrkomfort absolut zeitgem."

Einen wirklich fitten Eindruck hinterlsst das Getriebe. Nicht nur die perfekte Abstufung gefllt, die Schaltung besticht zudem durch kurze Wege und przise Fhrung. Nur zwei Kleinigkeiten schrnken den Fahrspa ein: Die Lenkung zeigt sich viel zu leichtgngig, an den Bremsen scheiden sich die Geister. "Top-Bremsen", meint der Erbauer, "Verzgerungswerte auf Porsche-Niveau." Furchtbare Bremsen, meinen wir; Wer das Fahrzeug berhaupt zum Stehen bringen will, muss zutreten wie ein Hengst.

Fahrleistungen und Technische Daten

Wer sich das zutraut, darf richtig Gas geben: Null bis 100 km/h dauern 6,5 Sekunden, die Hchstgeschwindigkeit soll bei 250 km/h liegen das schwedische Tempolimit stand der Probe aufs Exempel leider im Weg.

Der Traum vom Indigo ist noch nicht ausgetrumt. Bengt Lidmalm fungiert als Berater fr den Amerikaner Tony Pierce. Und der will den Indigo wieder erwecken. Sobald sich ein Investor findet, soll das Fahrzeug in Sdafrika in einer Stckzahl von bis zu 250 Einheiten im Jahr gebaut werden. In einem Land mit Sonnenscheingarantie! Welch Bruch mit der Tradition.

Technische Daten Reihen-Sechszylinder 4 Ventile je Zylinder Hubraum 2922 cm3 Leistung 150 kW (204 PS) bei 6000/min maximales Drehmoment 267 Nm bei 4300/min Hinterradantrieb Fnfgang, manuell Doppelquerlenker mit Blattfedern vorn, Mehrlenkerachse hinten Tankinhalt 68 Liter Lnge/Breite/Hhe 4300/1780/1120 mm Leergewicht 1000 kg Reifen 225/40 ZR 17 0100 km/h in 6,5 s Hchstgeschwindigkeit 250 km/h

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