Typklassen in der Kfz-Versicherung
Neue Typklassen-Einstufungen für 2027

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neuen Typklassen-Einstufungen veröffentlicht. Für mehr als zwölf Millionen Autofahrer ändert sich etwas – mit möglichen Auswirkungen auf die Versicherungskosten. Hier kommen die wichtigsten Infos!
Bild: DPA
Jedes Jahr gegen Ende September gibt der Verband der Autoversicherer die neue Typklassenstatistik für das kommende Jahr bekannt. Für Autofahrer können diese Zahlen direkte Auswirkungen auf das Portemonnaie haben: Denn hat ein Fahrzeug eine ungünstige Typklasse, bedeutet das in der Regel höhere Kosten für die Kfz-Versicherung. Laut GDV sind diesmal rund 7,4 Millionen Autofahrer von einer Erhöhung der Haftpflicht-Typklasse betroffen; bei etwa fünf Millionen Fahrern verbessert sich die Einstufung ihres Fahrzeugs, wird also niedriger. "Für die übrigen fast 30 Millionen Autofahrer ändert sich nichts", so Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.
So funktioniert das Typklassen-System
Ein wichtiger Faktor für die Höhe des Versicherungsbeitrags ist das Schadenrisiko des jeweiligen Fahrzeugs. Dabei geht es nicht nur um die Häufigkeit von Schäden, die mit einem bestimmten Fahrzeugtyp verursacht werden, sondern auch um die Kosten, die bei der Schadensregulierung entstehen. Die Statistiken der Kfz-Versicherer erfassen die genaue Schadensbilanz jedes Autos – heruntergebrochen auf Modell, Motor und Leistung (PS). Jedem Fahrzeugtyp wird der Schadensbilanz entsprechend eine Typklasse von 10 (niedrig) bis 25 (hoch) zugewiesen. Auch bei der Kaskoversicherung gibt es solche Einstufungen – dort reichen die Typklassen von 10 bis 34 (Vollkasko) bzw. von 10 bis 33 (Teilkasko). Jedes Jahr werden die Typklassen auf Basis der aktuellen Schadensbilanzen der jeweils letzten drei Jahre angepasst. Auch bei den Kaskoversicherungen bleibt es für die Mehrheit der Autofahrer bei den Einstufungen des Vorjahres: 67 Prozent der Voll- und Teilkaskoversicherten behalten ihre aktuelle Typklasse. Wie ein Auto eingestuft ist, lässt sich auf einer Info-Seite des GDV kostenlos abfragen.
Was bedeuten Veränderungen für den Versicherungsbeitrag?
Wird ein neuer Versicherungsvertrag abgeschlossen, kommen die neuen Typklassen-Einstufungen sofort zum Zug. Spätestens ab Jahreswechsel aber sind alle Autofahrer von den Veränderungen betroffen, denn dann wird für laufende Verträge der neue Jahresbeitrag fällig. Wie hoch sich eine Veränderung bei den Typklassen tatsächlich auf die Kosten der Versicherung auswirken kann, hat das Vergleichsportal Verivox für verschiedene Beispiel-Fälle berechnet. Der krasseste Fall: Fahrer eines Jeep Wrangler 2.0 müssen 2027 mit einer um 25 Prozent teureren Vollkaskoversicherung rechnen; der Geländewagen steigt im kommenden Jahr um sechs Klassen.
Günstiger wird die Vollkasko zum Beispiel für Fahrer eines Mini Cooper C 1.5. Der Kleinwagen sinkt in der Vollkaskoversicherung um fünf und in der Haftpflichtversicherung um zwei Typklassen, die Versicherungskosten reduzieren sich dadurch im Schnitt um 21 Prozent. Die nachfolgende Tabelle zeigt weitere Beispiele:
Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung*
Typklassen 2026 (KH | VK)** | Typklassen 2027 (KH | VK)** | Veränderung | |
|---|---|---|---|
Jeep Wrangler 2.0 | 23 | 20 | 23 | 26 | +25 % |
Porsche Cayman T 2.0 | 11 | 23 | 11 | 26 | +13 % |
Audi A6 3.0 TDI quattro | 19 | 27 | 22 | 27 | +7 % |
Mini Cooper C 1.5 | 16 | 24 | 14 | 19 | -21 % |
Jeep Wrangler 3.6 | 23 | 20 | 23 | 14 | -19 % |
Dacia Duster 1.2 | 18 | 20 | 17 | 16 | -16 % |
BMW 330 CI Coupé | 17 | 21 | 13 | 20 | 15 % |
Mercedes CLA 180 Shooting Brake | 20 | 21 | 14 | 22 | -10 % |
Suzuki Swift Hybrid 1.2 | 16 | 25 | 19 | 20 | -9 % |
Hyundai i20 1.2 | 16 | 19 | 13 | 20 | -5 % |
Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung
Wichtig zu wissen: Erhöht sich der Versicherungsbeitrag – zum Beispiel wegen einer Veränderung der Typklassen-Einstufung – hat der Versicherte das Recht zur außerordentlichen Kündigung. Er kann dadurch in vielen Fällen auch noch nach dem regulären Stichtag für eine Kündigung (30. November) den Vertrag beenden. Entscheidend ist das Datum, an dem der Versicherte über die Beitragserhöhung informiert wurde – mit diesem Tag beginnt eine vierwöchige Frist.
Anders als in den vergangenen Jahren müssen Versicherungsnehmer für das kommende Jahr 2027 aber nicht grundsätzlich mit deutlichen Beitragserhöhungen rechnen. "Die starken Preiserhöhungen sind vorerst vorbei, und die meisten Versicherer sind zurück in der Gewinnzone", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Wer dennoch eine Preiserhöhung erhält – etwa wegen höherer Typklassen – kann durch einen Vergleich und Wechsel sparen." Die Differenz zwischen günstigen Tarifen und Angeboten aus dem mittleren Preissegment liegt über alle Versicherungsarten hinweg aktuell bei 33 Prozent.
Service-Links

