Kleinwagen: Sportler im Test

Kleine Sportler auf dem Sachsenring Kleine Sportler auf dem Sachsenring

Kleinwagen: Sportler im Vergleich

— 19.08.2011

Sucht-Zwerge

Nicht wirklich groß, dafür aber bärenstark: Alfa MiTo QV, Abarth Punto Evo, Audi A1, Citroën DS3 Racing, Mini Cooper S, Opel Corsa OPC und Renault Clio RS Cup treffen am Sachsenring aufeinander.

Gemacht haben wir es damals alle – bis zum Abwinken Becher ausgelöffelt, bis wir zu einem Haufen präpubertärer Joghurt-Junkies wurden. Klar, welches Kind will schon ein Leben lang klein und schmächtig bleiben? Also quengelten wir unseren Eltern so lange die Ohren voll, bis endlich die bunten Becherchen im Kühlschrank standen. So in etwa stellen wir uns auch Clio 1.2, Mini One und Corsa EcoFlex vor, wenn sie bei den Herren Ghosn, Reithofer und Stracke am Rockzipfel hängen und mit großen Augen betteln: "Papa, ich will auch groß und stark werden." Und siehe da, die Konzernväter haben den Sprösslingen nach und nach ihren sehnlichsten Wunsch erfüllt, sodass es nun – nach dem Marktstart des DS3 Racing – zum ultimativen Aufeinandertreffen der Power-Winzlinge kommen kann.

Überblick: Alle News und Tests zum Fiat Punto Evo

Blickfang: Was der Abarth Punto Evo optisch verspricht, kann er auf Strecke nicht einlösen.

Sieben Kleinwagen mit Leistungswerten von 163 bis 207 PS treten gegeneinander an – die sieben Kraftzwerge, wenn Sie so wollen. Den Anfang macht der Punto Evo aus den Händen von Fiats Haustuner Abarth, und dieser macht seinem historienbehafteten Namensgeber vor allem optisch alle Ehre: Das charakteristische Streifendekor, auffällige 17-Zoll-Alus im Skorpion-Design sowie eine weit hinuntergezogene und von Furchen durchzogene Frontschürze machen den Evo zum Blickfang. Trotz der verschärften Optik muss sich der Punto im Kapitel Längsdynamik hinten anstellen. Zwar haben die Techniker dem 1,4-Liter mittels Eingriffen ins Motormanagement 28 Zusatz-PS entlockt, doch gegenüber der Konkurrenz muss sich der Italiener beim Standardsprint um bis zu neun Zehntel geschlagen geben. Doch keine Panik, jetzt geht es auf die kurvige Berg-und-Tal-Bahn Sachsenring: Hier lässt sich mit einem ausbalancierten Fahrwerk das eine oder andere Leistungsmanko kaschieren – hätten es die Abarth-Techniker nicht zur Verblüffung aller geschafft, ein Sportfahrwerk einzubauen, welches trocken federt und auf der schnellen Runde dennoch alles andere als straff ist.

Überblick: Alle News und Tests zum Alfa MiTo

Lieber hübsch als hochdynamisch: Der Alfa MiTo gibt eher den eleganten Italiener.

Die gefühllose Lenkung hilft beim Zehntelhobeln ebenso wenig wie die schicken Sportsitze, die zwar im Bein- und Beckenbereich ordentlichen Halt bieten, aber den Oberkörper gänzlich vernachlässigen und zudem deutlich zu hoch positioniert sind. So steht am Ende mit 1:51,28 Minuten die langsamste Zeit des Tages auf der Uhr. Positiv: Mit 19.500 Euro kostet der Abarth am wenigsten und ist mit gemessenen 8,0 Litern zudem an der Zapfsäule am genügsamsten. Die technische Basis ist die gleiche, doch die stilistische Ausrichtung eine gänzlich andere: Die Rede ist von Alfa Romeos MiTo, der sich seinen Jogginganzug namens Quadrifoglio Verde überstülpt, um die restlichen Kraftzwerge in Schach zu halten. Das gelingt nur ansatzweise, denn selbst in der Sportversion kann der Alfa nicht verleugnen, dass er eigentlich doch viel lieber elegant sein möchte. Klar, der Turbo-Vierzylinder mit 170 PS klingt kernig, doch die Leistungswerte enttäuschen: Sowohl beim Spurt als auch beim Kurvenräubern fehlt es der Vorderachse an Grip, sodass die schlechtesten Beschleunigungswerte und die zweitschlechteste Rundenzeit fast schon für ein desaströses Gesamtergebnis sorgen.

Dazu kommt noch die gefühllose Lenkung, mit der sich Scheitelpunkte bestenfalls anpeilen, keineswegs aber definieren lassen. Zugute kommt dem MiTo QV seine  vorbildliche Alltagstauglichkeit, denn trotz sportlicher Ansätze beherrscht der rassige Turiner auch die gemäßigte Gangart. Er bietet mit 270 Litern einen akzeptablen Kofferraum und säuft einem zudem nicht die Haare vom Kopf. Wer jetzt noch auf das Preisschild linst, kommt vielleicht doch noch ins Grübeln: 20.950 Euro ruft Alfa Romeo für den kleinen Sportler auf – gar kein so schlechtes Angebot, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz teils ein paar Tausender mehr verlangt.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A1

Der Audi A1 glänzt mit einer direkten Lenkung und einem gut ausbalancierten Fahrwerk.

Was dem Alfa das Genick bricht, rettet dem A1 den knackigen Hintern. Die wunderbar direkte Lenkung und das gut ausbalancierte Fahrwerk verhelfen dem Audi auf der Piste zur zweitbesten Zeit im kurvigen zweiten Sektor. Zudem schiebt der gegenüber dem Polo GTI um 5 PS erstarkte und ausschließlich von einem Siebengang-DSG gebändigte 1.4 TFSI derart vehement an, dass selbst der 16 PS stärkere Renault kaum folgen kann. Warum landet der A1 dann nicht weiter vorn? Ganz einfach: In den restlichen Sektoren am Sachsering lässt der Ingolstädter derart viel Zeit liegen, dass es schlussendlich nur zur fünftbesten Zeit reicht, und an sich fehlt dem Top-A1 irgendwie der Sportsgeist – trotz S-line-Paket. Der Audi macht eher einen auf gediegen und unauffällig – will eigentlich gar keine Sportversion sein. Die kommt erst mit dem S1, mit dem der Audi folgerichtig Mitglied im 200-PS-Club wird. DS3 Racing, Cooper S und Co., zieht Euch schon mal warm an. Preislich dürfte es dann noch aberwitziger werden als jetzt schon: 25.120 Euro ruft Audi für den 1.4 TFSI auf.

Wie sich die anderen kleinen Kraftpakete auf der Rennstrecke schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 9/2011, erhältlich auch als Download im Heftarchiv.
Autor:

Alexander Bernt

Fazit

Der Siebenkampf der Suchtzwerge gipfelt in einem Duell der Franzosen, und dieses endet auch noch pari – obwohl Clio RS Cup und DS3 Racing unterschiedlicher kaum sein könnten. Wie bemerkte ein Kollege so treffend: Würde Porsche einen Kleinwagen bauen, der RS Cup käme dabei heraus. Dagegen bietet der Citroën das rundeste Gesamtpaket aus Performance und Stil – leider zu einem horrenden Preis. Der Mini kränkelt an seiner spärlichen Serienbereifung und muss sich selbst vor dem OPC in Acht nehmen. Der Charakterkopf MiTo QV fällt seiner schwachen Performance zum Opfer, der Audi seiner Beliebigkeit: Wer einen kleinen Sportler mit vier Ringen will, muss auf den kommenden S1 warten. Für den Abarth gilt: heiße Rallyeoptik, aber zu wenig dahinter.

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