Knaus Sun i 900 LEG im Wohnmobil-Test

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Knaus Sun i 900 LEG: Wohnmobil-Test

— 19.05.2016

Ein Knaus will nach oben

Knausern geht anders: Der Sun i ist neu im Club der luxuriösen Liner. AUTO BILD REISEMOBIL hat das High-End-Mobil getestet.

Was bei Mercedes der Maybach S 600, bei BMW der 750Li, das ist bei Knaus der Sun i: die geballte Kompetenz der Ingenieure und Designer, das Beste, was geht. 132.000 Euro (Basis 97.490) kostet unser getestetes und mit Extras vollgestopftes Flaggschiff – erstaunliche 55.000 weniger als der Mercedes-Maybach in Basisausstattung. Dabei ist beim Knaus mehr drin und dran. Ganz zu schweigen von der enormen Größe. Das sonnige Sun i bezeichnet das Top-Modell der Marke, wobei das i für integriert steht. Als Künstlername trägt unser Wohnmobil von Knaus noch die Bezeichnung 900 LEG, gleich Längseinzelbett 900, weil er 8,82, also etwa neun Meter lang ist.
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Der Ferrari auf dem Campingplatz

Unter der schicken Schale steckt bewährte Fiat-Ducato-Technik mit AL-KO-Fahrwerk und drei Achsen – beim Fünf-Tonnen-Mobilheim eine Notwendigkeit.

Das ist er: Das modern gezeichnete High-End-Mobil hat fast Omnibus-Format, die Tandemachse hinten ist ebenfalls beeindruckend. Beim Drehen des Zündschlüssels klopft daher erst mal der Puls an die Hirnschale. Bin ich diesem Schiff überhaupt gewachsen? Ecke ich nicht überall an? Ist der Dampfer nicht viel zu schwer zu fahren? Um alle Systeme zu begreifen, sollte man sich durchaus ein paar Stunden durch die Betriebsanleitungen kämpfen. Man will sich ja nicht auf dem Campingplatz blamieren. Denn dort wirkt so ein Super-Knaus nicht anders als ein Ferrari auf dem Boulevard. Beide sind coole, elitäre Fahrzeuge, die viel hermachen. Und wenn man sie nicht virtuos beherrscht, könnte es peinlich werden, weil ja alle gucken. Unter der schicken Schale des Knaus steckt die bewährte Fiat-Ducato-Technik mit AL-KO-Fahrwerk, drei Achsen, wegen des Gewichts von fünf, wahlweise 5,5 Tonnen. Das heißt: Höchstgeschwindigkeit 100. Obwohl er locker mehr könnte, denn unser Mobil hat den dicken Dreiliter-Diesel mit 177 PS an Bord. Der kostet allerdings 3990 Euro Aufpreis gegenüber der 130-PS-Basis. Bei der Technik hat Knaus überall geklotzt: Nur das Beste aus dem Regal kam zum Einsatz, zum Beispiel GFK-Wasch- und Duschbecken, Echtglas-Duschtür, Messing-Absperrhähne, Möbelbeschläge der Spitzenklasse.

Lässiges Handling, überforderte Standard-Teile

Der Knaus Sun i gleicht in der Größe einem Bungalow auf Rädern. Dennoch gibt es im Handling kaum einen Unterschied zu kleineren Wohnmobilen.

So fährt er: Nach wenigen Metern sind alle Zweifel verflogen. Der Sun i lässt sich puppenleicht dirigieren, als wäre er ein Kleinwagen. Lenkkräfte? Zu vernachlässigen. Handling? Kaum ein Unterschied zu kleineren Wohnmobilen. Die Übersicht nach vorn? Genial, denn die Frontscheibe ist mit 2,1 Quadratmetern riesig. Was beim Fahren gegen die Sonne und in Anbetracht der winzigen Sonnenblenden dann aber auch wieder nicht so toll ist. Die Bedienung ist nichtsdestotrotz vertraut, Ducato eben. Mit dem Dreiliter-Vierzylinder beschleunigt der Jumbo nicht viel schlechter als die üblichen 3,5-Tonner-Wohnmobile. Weniger gefiel uns der Bremsweg von 61 Metern (aus Tempo 100). Es liegt am Gewicht und daran, dass der Standard-Ducato-Bremskraftverstärker verwendet wurde. Einen anderen gibt es bei Fiat nicht. Für drei Achsen und Scheibenbremsen ringsum sollte er eigentlich üppiger dimensioniert sein. Auch das Standard-Ducato-Fahrgestell stößt bei fünf Tonnen an Grenzen. Knaus muss daher vorn härtere Federn verwenden, das tut dem Abrollkomfort nicht gut. Besser kann's das Luftfederfahrwerk, es kostet aber gleich 10.490 Euro extra. Auch der Blick nach hinten wäre nach unserer Meinung verbesserungsfähig. Der Bildschirm für die Rückfahrkamera ist ziemlich klein und bekommt Fingerabdrücke ab, weil er ja ein Touchscreen ist. Wenn dann noch die Kamera schmutzig ist und die Sonne hinten draufscheint, sieht man praktisch nichts. Um die Kamera zu putzen, braucht man eine Leiter.

Knaus Sun i 900 LEG im Wohnmobil-Test

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Apartment wie im Designer-Hotel

Feudales reisen mit dem Knaus-Flaggschiff: Fußboden in Jacht-Optik, edle Möbel, Ambientebeleuchtung und enorm viel Platz.

Das hat er: Wohneigenschaften? Großartig natürlich. Oberklasse, aber neuzeitlich interpretiert. Allein die Oberflächen. Etwa der Fußboden in Jacht-Optik oder die edlen Möbel – man traut sich beim ersten Bewohnen kaum, sie anzufassen. Haben wir dann natürlich doch getan und festgestellt, dass sie auch edel funktionieren. Alle Schubladen haben eine Einzugsautomatik, auch die Klappen schließen sich artig selbst, natürlich gedämpft. Und dann die Lichtshow. Indirekte, feine Ambientebeleuchtung überall, dazu jede Menge LED-Spots, alles sinnreich platziert und stilvoll arrangiert. Bei Knaus nennen sie den Langen daher auch scherzhaft Lichtspielhaus. Nur mit der Bedienung der ganzen Lichtorgie standen wir auf Kriegsfuß. Man muss ungefähr zwei Semester Beleuchtung studieren, um die gewünschte Lampe anzuschalten. Ein wenig Beschriftung würde guttun. Ähnlich viel Arbeit macht auch die Konfiguration beim Kauf. Der gerade noch fünfstellige Grundpreis täuscht, die Aufpreisliste ist ein gewaltiges Kompendium der Möglichkeiten, das den Basispreis des Sun i leicht auf 150.000 Euro hievt. Die größten Brocken neben der Luftfederung: Echtledersitzpolster (3390 Euro) namens Dark Coffee mit Rautenmuster, intern Bugatti-Raute genannt, auch wenn es uns mehr an den Borgward-Rhombus und das berühmte Isabella Coupé aus den 50ern erinnert. Dann das Antennenpaket für die Satellitenanlage auf dem Dach (3183 Euro), die Aluräder (3148 Euro) – und internes WLAN (599 Euro) für die Steuerung von Beleuchtung, Heizung, Klimaanlage und das Abfragen der Füllstände per Tablet oder Handy. Damit wird das Schalten der Beleuchtung dann auch übersichtlicher.
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Herrlich ist der enorme Platz im Innern. Das Schlafzimmer mit Duschbad im Heck lässt sich von Küche und Wohnzimmer komplett abtrennen, einfach indem man die Toilettentür umschwenkt. Sinnreich, wenn natürlich auch nicht einzigartig, ist die Durchreiche zwischen Garage und Schlafzimmer. Eine dekadent-nützliche Einrichtung ist die Vorratskiste im Wagenboden, die sich elektrisch nach oben fahren lässt, um besser dranzukommen – wer Rücken hat, freut sich drüber. Gleich daneben, unter dem Kühlschrank, befindet sich der Tresor (390 Euro). Und falls man den Urlaub nutzen möchte, um mal so richtig vor der Glotze zu sitzen, wäre der 32-Zoll-Hauptfernseher die richtige Wahl. Der ist verborgen hinter der Rückenlehne der Sitzgruppe, surrt aber elektrisch nach oben, sobald er gebraucht wird. Fürs Schlafzimmer wäre noch ein zweiter Fernseher orderbar und tatsächlich auch einer draußen, den unser Testmobil nicht besaß. Er würde 1890 Euro kosten. Dazu gehören Bluetooth-Kopfhörer, damit man die Nachbarn nicht nervt. Oder man lädt sie kurzerhand zum Public Viewing ein und macht sich so neue Freunde.
Technische Daten
Fahrzeugdaten
Motorisierung Fiat Ducato Multijet 180
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage Diesel/in Reihe/4/
Hubraum vorn quer
kW (PS) bei U/min 2999 cm3
Nm bei U/min 130 (177) bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 400 bei 1400 U/min
Getriebe 100 km/h
Antrieb Sechsgang automatisiert
Bremsen vo./hi./hi. Vorderradantrieb
Testwagenbereifung Scheiben/Scheiben/Scheiben
Reifentyp 235/60 R 17 C
Tankinhalt/Kraftstoffsorte Nokian WRC 3
Masse fahrbereit* 90 l/Diesel
Zuladung/zul. Gesamtgew.* 3950 kg
Anhängelast gebremst/ 1550/5500 kg
ungebremst 1500/750 kg
Länge/Breite/Höhe 8815/2340/2900 mm
Radstand 4480 + 800 mm
Aufbau
Außenmaterial Wand/Dach/Boden Alu/GFK/GFK
Isoliermaterial Wand/Dach/Boden XPS/XPS/XPS
Wandstärke Wand/Dach/Boden 33/33/36mm
Fenster 7
Dachhauben 4
Max. Innenhöhe/Innenbreite 2000/2050mm
Bettenmaß Front (L x B) 1900 x 1490 mm
Bettenmaß Mitte (L x B)
Bettenmaß Heck (L x B) 1990x 710/2000 x 710mm
Herd 3 Flammen
Kühlschrank/Frosterfach 184/34l
Modell Toilette Thetford C500
Sitzplätze/mit Dreipunktgurten 4
Heizung Alde Warmwasser + Truma
Steckdosen 12/230 V 2/7
Leuchten 26
Aufbaubatterie 2 x 95Ah
Frischwassertank 180l
Abwassertank 170l
Gasvorrat 2x 11kg
Preise
Grundpreis (mit Basismotor) 97.490 Euro
Testwagenpreis 132.000 Euro
*Basisversion
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Beeindruckende Statur, sehr aufwendige Einrichtung, Platz ohne Ende, riesige Garage. Wir spürten, die Knaus-Leute verstehen etwas von Innenarchitektur. Noch Wünsche offen? Ja: geschmeidigere Federung und kürzerer Bremsweg.

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