Komfort-Check 2010: Federung

Opel Meriva Audi A8

Komfort-Check 2010: Federung

— 20.06.2010

Sanft wie eine Sänfte?

Die perfekte Federung, die alles wegsteckt, gibt es noch nicht. Aber viel fehlt nicht – vor allem, wenn man mit einem luftgefederten Fahrwerk unterwegs ist. Wer kann im Komfort-Check überzeugen?

Es ist was dran am Klischee: Die Sänfte kommt dem Ideal einer Federung sehr nahe. Natürlich spielt da auch das Talent der Träger eine Rolle. Aber die Beine des Menschen federn aktiv, nicht passiv, wie die Vorrichtungen im Auto. Sie heben und senken sich mit eigener Kraft, gleichen so Unebenheiten aus. Davon träumen Fahrwerktechniker – technisch ist es möglich, aber sehr aufwendig. Allein Mercedes leistet sich den Luxus: Das hydraulische ABC-Fahrwerk im S 600 hält den Aufbau aktiv im Lot. Nur für die Radschwingungen sind Stahlfedern zuständig. Resultat: Selbst Straßen übelster Sorte nehmen die Insassen kaum zur Kenntnis, kein Schwingen, kein Stoßen, sensationell.

Da kann dann auch der luftgefederte und mit allen Rafinessen ausgestattete Audi A8 nicht mithalten. Er arbeitet mehr in den Federn und beantwortet kurze Stöße mit leichtem Zittern – immer noch sehr angenehm, aber nicht auf dem Niveau des Mercedes. Dass es sich auf Stahl ebenfalls höchst komfortabel fahren lässt, demonstriert der 5er von BMW. Vorn zumindest schont er seine Passagiere nicht weniger als der Audi, nur im Fond dringt deutlich mehr durch. Sein Stallgefährte, der BMW X5, überrascht derweil mit der Erkenntnis, dass auch ein SUV nicht hart sein muss: nicht ganz so geschmeidig wie der 5er, aber ähnlich schluckfreudig. Besser als ein Citroën? Trifft er zu, der Slogan "Meine Hydropneumatik schluckt alles"? Wir greifen uns den C5, doch schon in der Stadt kommen Zweifel auf: Auf kurzen Wellen zittert er wie Espenlaub, eine Unart, die er selbst auf der Autobahn nicht ablegt. Nur große Verwerfungen bügelt die mit Öl und Gas operierende Federung schön glatt.

Der alte Citroën DS zeigt vielen Jungen, was eine gute Federung ist

Altmeister des lässigen Abrollkomforts: der, Entschuldigung, die Citroën DS.

Vielleicht sollten die Citroën-Techniker mal die Göttin DS aus der Versenkung holen. Wir haben es getan. Und kamen aus dem Staunen nicht heraus: Wie gelassen die alte Dame selbst über schlechte Straßen schwebt, das ist immer noch große Klasse. Sicher, die Seitenneigung ist gewaltig, und gefühlt fehlt jeder Fahrbahnkontakt. Aber federn, das kann sie, die DS. Viel besser auch als die Vans VW Sharan und Opel Meriva. Schon der große neue VW geht mit seiner Fracht nicht schonend um. Selbst auf der Autobahn leistet er sich größere Vertikalbewegungen, auf schlechten Landstraßen werden die hoch sitzenden Passagiere obendrein hin und her gebeutelt. Noch heftiger wird es im Opel, der sich weigert, Unebenheiten zu absorbieren. Da ergeht es einem selbst im rustikal gefederten Dacia Duster besser. Dass auch kompakte Autos einen ordentlichen Federungskomfort bieten können, zeigt uns der VW Golf. Er wirkt straff, filtert aber Grobes gut weg. Die Gegenprobe mit optionalem 17-Zoll- und DCC-Fahrwerk beweist, dass die Verstelldämpfer im Komfortmodus die Nachteile der größeren Räder einwandfrei ausgleichen. Gut zu wissen.
Komfort-Check: Federung
Platz Modell Stadt Land Autobahn Gesamt
1 Mercedes S-Klasse 10 9 9 28
2 Audi A8 8 9 8 25
3 BMW 5er 7 8 7 22
4 BMW X5 7 7 7 21
4 Citroën DS 8 8 5 21
6 VW Golf 6 6 7 19
7 Citroën C5 6 7 5 18
8 VW Sharan 5 6 6 17
9 Dacia Duster 4 5 5 14
10 Opel Meriva 3 5 4 12
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Eine gute Federung ist wie eine gute Sekretärin: Sie informiert diskret und unterbindet Störungen. Keinem gelingt das besser als dem S 600. Bei den anderen, zumal den Vans, offenbart sich dagegen der Konflikt zwischen Komfort und Fahrdynamik. Beides unter einen Hut zu bringen, das ist die hohe Kunst.  

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