Die Mannen von Lexmaul in Rödermark bei Frankfurt kümmern sich bereits seit 1966 um die Wünsche sportlich ambitionierter Opel-Fahrer. Früher verbaute man riesige Vergaserbatterien, schärfste Nockenwellen und mundgeblasene Fächerkrümmer, um auch die letzte versteckte Pferdestärke aus den Tiefen des Motorblocks zu locken. Heute lautet das Zauberwort schlicht Chiptuning. Zwar legt Lexmaul auf Wunsch noch immer Hand an die Hardware. Doch bei modernen Turbomotoren reicht es oft schon, wenige Parameter in der Motorsoftware zu ändern, um brachliegende Reserven zu mobilisieren. So auch beim Corsa 1.7 CDTI: Aus dem derzeit stärksten Dieselaggregat dieses Modells kitzelt Lexmaul per Softwareeingriff 25 Extra-PS heraus. Mit nun 150 PS muss er sich dem gleich starken, sportlich ambitionierten Corsa GSi stellen. Dessen 1,6-Liter-Turbobenziner demonstriert die andere Seite des Chiptunings – denn faktisch ist er eine elektronisch gedrosselte Version des wilden 192-PS-Corsa-OPC-Triebwerks. Fahreindruck und Messwerte bestätigen dies: Zwar legt der GSi turbolochfrei los und verwöhnt mit ähnlich fülligem Drehmoment wie ein OPC; dessen jubelnde Leistungsentfaltung oberhalb von 5000 Umdrehungen ist dem Drosselmotor jedoch fremd. Dennoch kann auch die 150-PS-Version rundum überzeugen, denn sie lässt sich schaltfaul bewegen, bietet kraftvollen Durchzug wie auch insgesamt gesehen hohe Fahrleistungen.

Der Corsa GSi ist schneller

Opel Corsa GSi
Bild: Sven Krieger
Mit seinem Maximaldrehmoment von 340 Newtonmetern tritt der Lexmaul-Turbodiesel auf dem Papier noch wesentlich kräftiger an. In bessere Fahrleistungen ummünzen kann er diese Tatsache jedoch nicht. Zum einen drückt der Diesel-Speck mit 72 Kilogramm Differenz zum GSi auf die Dynamik, zum anderen machen sich die feisten 19-Zoll-Räder, deren Massen erst einmal beschleunigt werden wollen, kräftezehrend bemerkbar. So bleibt dem Lexmaul in Sachen Beschleunigung, Elastizität und Höchstgeschwindigkeit lediglich der zweite Platz. Für sich betrachtet, geben seine Fahrleistungen keinen Grund zur Klage. Auch bei der negativen Beschleunigung ist der Lexmaul-Corsa nur zweiter Sieger. Die serienmäßige Bremsanlage des Dieselmodells ist mit ihren kleineren Scheiben der des Corsa GSi unterlegen. Im gestreckten Galopp auf dem Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings ging die Diesel-Bremse bereits nach wenigen Runden in die Knie. Da solche Belastungen im öffentlichen Straßenverkehr in der Regel nicht auftreten, ist das entschuldbar.
Lexmaul Corsa 1.7 CDTI
Bild: Sven Krieger
Überraschend gut funktioniert die Kombination aus Eibach-Tieferlegungsfedern (30 Millimeter) und serienmäßigen Stoßdämpfern: Spürbar straffer als die Serie, aber nicht unterdämpft, behandelt der Lexmaul-Corsa seine Insassen noch gut. Lediglich das unnachgiebige Abrollen der flachen 19-Zoll-Reifen im 35er-Querschnitt sägt bisweilen an den Nerven. Da der Opel Corsa von Haus aus mit einer sehr direkten Lenkung gesegnet ist, geht es im Lexmaul-Setup äußerst zackig in die Kurven. Ohne Verzögerung einlenkend, erreicht er hohe Querbeschleunigungen. Der Grenzbereich ist jedoch ziemlich schmal und nicht frei von Lastwechselreaktionen. Da der Lexmaul-Opel viel Grip aufbaut, hält sich das nicht deaktivierbare ESP angenehm im Hintergrund.

Maulkorb für den Lexmaul

Auf der Rennstrecke (wie auch im Alltag) zeigt sich das große Manko des Selbstzünders aus dem Hause Opel: sein tiefes Turboloch. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven wie auch nach Schaltvorgängen vergeht viel Zeit, bis der Lader wieder vollen Druck liefert. Und so nimmt der GSi dem Lexmaul pro Runde fast drei Sekunden ab. Im direkten Vergleich ist er leichtfüßiger, runder, geschmeidiger. Sein Turbobenziner spricht ohne Verzögerung an, entfaltet seine Kraft sehr gleichmäßig und hadert daher weniger mit Traktionsproblemen als der abrupt einsetzende Turbodiesel. Die weichere Fahrwerksabstimmung des GSi bedingt zwar eine höhere Seitenneigung in Kurven, keinesfalls aber geringere Kurventempi. Nicht ganz so messerscharf im Handling wie der Lexmaul, bleibt der GSi mit allen Rädern stets am Boden und scheut auch mittelhohe Kerbs nicht. Etwas Federweg ist eben doch kein Nachteil.

Umständliche Menüführung

Lexmaul Corsa 1.7 CDTI
Bild: Sven Krieger
Grundsätzlich recht neutral, lässt sich das Eigenlenkverhalten des GSi mit dem Gaspedal spielerisch in Unter- oder leichtes Übersteuern verwandeln. Derbe Lastwechselreaktionen sind ihm jedoch fremd. Sein ESP kann immerhin teilweise deaktiviert werden, greift bei extremen Fahrzuständen wieder ins Geschehen ein. Für beide Rivalen gilt: Die etwas gefühlsarme, aber sehr direkte Lenkung bereitet viel Fahrspaß, beschert dem Auto auf der anderen Seite aber einen nervösen Geradeauslauf und ist nicht frei von Antriebseinflüssen geraten. Das serienmäßige Lenkrad liegt gut in den Händen, die Schaltung funktioniert problemlos. Für die sportliche Hatz könnten die Sitzwangen freilich etwas mehr Seitenführung gewähren. Großes Problem bei Opel: die umständliche Menüführung für Radio, Heizung, Klimaanlage und Navigation sowie die wenig bediensicheren Lenkstockhebel für Blinker und Scheibenwischer. Um diese eigentlich ganz alltäglichen Funktionen richtig zu nutzen, bedarf es im Corsa einiger Übung – oder anders ausgedrückt: einiger Kilometer Blindflug, denn die widerspenstige Bedienung lenkt massiv vom Geschehen auf der Straße ab. Ein Wort noch zum Verbrauch: Der Lexmaul konsumiert im Schnitt 7,4 Liter Diesel, der GSi 8,6 Liter Super. Angesichts der sich annähernder Preise für Diesel und Benzin schmilzt schließlich auch dieses Ur-Argument für den Selbstzünder dahin.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Florian Neher

1. Opel Corsa GSi Das stimmigere Paket eines 150 PS starken Corsa kommt direkt von Opel. Kraftvoll, schnell, mit ausgewogenem Fahrwerk und belastbaren Bremsen bestückt, lässt er dem getunten Diesel von Lexmaul keine Chance. Mit ihm teilt er sich die Corsa-typischen Schwächen: nervöse Lenkung, wirre Bedienung.

2. Lexmaul Corsa Dass sich der Lexmaul gegen den GSi nicht durchsetzen kann, liegt am Ausgangsprodukt: Der Turbodiesel ist ab Werk kein großer Wurf. Die Leistungssteigerung tut ihm gut, wird aber zum Teil von den großen Rädern aufgezehrt. Das Lexmaul-Fahrwerk legt den Schwerpunkt auf sportliches Handling.