Lexus RX300 TTE Kompressor

Lexus RX300 TTE Kompressor Lexus RX300 TTE Kompressor

Lexus RX300 TTE Kompressor

— 21.08.2002

Wenn der Lader leise flüstert

Tuning ab Werk trägt bei Toyota den Stempel "TTE". Und fällt für den Geländebullen RX300 eher sanft aus.

Wachsen dem RX die Reißzähne des BMW X5?

Lexus heißt eigentlich leise. Die Luxusautos aus Japan flüstern. Flüstern so sehr, dass die wunderschöne Bose-Anlage sogar das Knacken von Vinyl-Aufnahmen hören lässt. Und sie sehen aus, als machten sie schon im Stand einen tiefen japanischen Diener. Kann man einen Diener tunen? Die Antwort lautet: Ja, und er müsste etwa so aussehen wie der RX300 Kompressor. Da können andere Hersteller das Wort Kompressor in fingerdicken Chrom-Lettern auf ihre Autos kleben.

Nicht so TTE. Der Werkstuner von Toyota, gerade zum offiziellen weltweiten PS-Lieferanten aufgestiegen, wählt eher die leisen Töne: Ein sportlicher Frontgrill, 18-Zoll-Räder, Tieferlegung um dezente 30 Millimeter, Sportauspuff und eine winzig kleine Plakette "Kompressor" auf Flanken und Heck müssen genügen. Flüstern die Japaner etwa auch beim Tunen? Na ja, das TTE-Programm läuft gerade erst an, aber sicher wünschen selbst Lexus-Kunden ein Auto, das sich individueller abhebt.

Die Unterschiede zum serienmäßigen RX300 fallen jedenfalls erst beim dritten Blick auf. Unter der Haube sieht die Sache anders aus: Hinterm Kühler protzt der Eaton-Kompressor, der dem Dreiliter 248 PS einbläst, 47 PS mehr als bisher. Im weiten Motorraum des SUV blieb sogar noch Platz für eine aufwendige Ansauggeräuschdämpfung – "wir dürfen bei Lexus nie zu laut werden", so Chefentwickler Gerald Bonengel. Die bei TTE flüstern wirklich.

Der Tuning-RX rennt ehrliche 215 km/h



Satte 23 Prozent mehr Leistung, 16 Prozent mehr Drehmoment – da erwartet man, dass dem braven RX300 die Reißzähne vom BMW X5 wachsen. Gemessen daran, fällt der Temperamentzuwachs eher bescheiden aus. Zugegeben, der TTE-RX geht an der Ampel spürbar flotter los, allerdings möchte das Gaspedal dafür kräftig getreten werden. Da hätten wir uns flotteres Ansprechen gewünscht. Offenbar schluckt auch die veraltete Viergangautomatik viel Leistung, die TTE-Experten reden von rund 60 PS.

Dass in diesem RX ein anderer Wind weht, zeigt der Lexus vor allem auf der Autobahn. Natürlich kappt TTE die 180-km/h-Drosselung des Serienmodells, die Tuning-Version rennt ehrliche 215 km/h und damit genug, um sich auf der linken Spur festzusaugen. Die Verwunderung darüber, dass das Japan-Schiff so hartnäckig dranbleibt, ist in vielen Rückspiegeln fast körperlich zu spüren.

Zu spüren gibt es jedoch auch was für den Fahrer. Nicht nur, dass der RX300 bei solchen Parforceritten tatsächlich seine akustische Höflichkeit aufgibt (der Kompressor übertönt dann die Bose-Anlage wie ein röhrender Hirsch), der V6 lernt auch das Saufen. Bei Vollgas laufen 20 bis 28 Liter Super durch die Einspritzdüsen – nicht dass SUV-Fahrer das Leid nicht kennen. Erstens verbrauchen X5 oder die M-Klasse von Mercedes kaum weniger, zweitens gilt schon der Serien-RX als stadtbekannter Schluckspecht.

6522 Euro allein für den Kompressor

Um die Motorkühlung auf deutschen Autobahnen zu gewährleisten, fällt die Volllast-Anreicherung besonders fett aus. Schließlich ist der RX für die Vereinigten Staaten und deren schnurgerade Highways konstruiert, trotzdem verträgt das Fahrwerk die Mehrleistung problemlos. TTE legt den schweren Brocken 30 Millimeter tiefer, zusammen mit den flachen Serie-50-Reifen rückt der Asphalt damit ein spürbares Stückchen näher.

Das Lenkgefühl ist präziser, das Kurvenwanken reduziert. Vom Komfort bleibt – bei Lexus kaum anders zu erwarten – reichlich übrig. Wirklich reichlich. Im Radhaus stehen die 18-Zöller noch mit so viel Luft, dass man den TTE-Tunern zurufen möchte: "Noch tiefer damit!" Reserven wären sichtlich vorhanden, doch beim Tuning am teuersten Lexus regiert noch die Vorsicht. Wie viele Kunden investieren allein 6522 Euro für den Kompressor?

Genug zu tun gibt es auch beim Interieur. Allein schon an dem mausetoten Sitzleder – aber so lieben es Japaner nun mal. Der Duft nach Natur und gegerbter Haut, den Europas Nasen sich im Luxus-SUV erträumen, gilt in Fernost als anrüchig. Also warten auf die TTE-Entwickler in Frechen noch schwierige Aufgaben: Sie müssen bei Toyotas Bossen den Sinn für hiesigen Tuning-Geschmack entwickeln. Dann dürfte die nächste RX-Generation, angekündigt für 2004, schöne Fortschritte machen.

Fazit und Technische Daten

Fazit Die Größe eines Mittelklasse-Kombis, fünf Sitze im ersten Stock, verschwenderische 1850 Kilo Gewicht und viel Leistung – der Lexus RX300 nennt sich Sport Utility Vehicle (SUV) wie der BMW X5. Anders als der sportliche Bayer setzt der Edel-Toyota vor allem auf Komfort. Der Sechszylinder flüstert auch bei 160 km/h noch mit 72 dB, die Automatik schaltet eher sanft als flott. Im TTE-Tuning bekommt das Dickschiff ein strafferes Fahrwerk, neigt sich aber noch immer stärker in die Kurven als sein deutscher Gegner. Ein Reiseauto also (wenn der hohe Verbrauch zu verschmerzen ist) und kein Fahrzeug für die Rennstrecke. Auf unserem Test-Kurs in Oschersleben fehlt dem RX300 auf Geraden die Geschwindigkeit, in Kurven die Standfestigkeit. Traktionsprobleme kennt der Brocken nicht, davor bewahrt ihn der permanente Allradantrieb. Auch die Bremsen liegen auf hohem Niveau – aber das ist beim Luxus-Gefährt für über 50.000 Euro schließlich zu erwarten.

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