Fahrbericht Maserati Quattroporte Diesel

Maserati Quattroporte Diesel: Fahrbericht

— 11.04.2014

Italienische Wuchtbrumme

Ein italienischer Sportwagen, der nagelt? Noch vor zehn Jahren undenkbar. Jetzt gibt es den Maserati Quattroporte Diesel. Wir sind ihn gefahren.

Mamma Mia! Bei Maserati zieht der Diesel ein! Nach dem Ghibli bekommt nun auch der groe Quattroporte einen Selbstznder verpasst. Und der steht dem 5,26 Meter langen, hauptschlich fr den asiatischen Markt entwickelten Lulatsch gar nicht mal so schlecht. Der Quattroporte wiegt mit 1885 Kilo gegenber dem kleinen Bruder Ghibli auch nur einen Zentner mehr. Auen kann der Italiener klanglich nicht verbergen, dass Diesel durch seine Kraftstoffleitungen fliegt. Besonders beim Rangieren hrt man das typische leichte Nageln nach dem Kaltstart eine Klangkulisse wie ein durchschnittlicher Mittelklassewagen.

250 Stundenkilometer Spitze, 275 PS, Achtgang-Automatik

Drei Liter Hubraum, 60 Grad Zylinderwinkel, 275 PS, 250 Spitze. Italiener bringen auch einem Diesel das Rennen bei. Und dabei bleibt er angeblich sparsam.

Aber innen! Dank guten Soundtunings ist kein Nageln oder Hmmern zu hren, aus der entspannten Limousine wird mit einem Tritt auf's Gaspedal ein wild fauchender Tiger. Mit einem Druck auf die Sport-Taste in der Mittelkonsole stellen sich Klappen im Endrohr ein, ein heiseres Rhren macht klar, dass ein Maserati eben keine brave Familienkutsche, sondern ein Sportler mit Ambitionen zum Chauffeurswagen ist. Die 275 PS reichen fr maximal 250 km/h, dann riegelt die Elektronik ab. Der Sprint von null auf hundert gelingt in 6,4 Sekunden, das martialische Drhnen macht besonders beim Beschleunigen ab Tempo 80 richtig Spa. Dazu trgt auch die sehr gut abgestimmte Achtstufenautomatik von ZF bei, die zgig schaltet und ihre Schaltpunkte im Sportmodus weiter nach hinten verlegt. Beim Kickdown aus geringeren Geschwindigkeiten geht allerdings ein Ruck durch den Quattroporte, der Fnftrer wird regelrecht nach vorn katapultiert. Das spricht fr die Leistung, verlangt einem aber einen sensiblen Gasfu ab. Dafr greifen die Bremsen vorbildlich.

Maserati Ghibli und Quattroporte Q4: Fahrbericht

Etwas zu straff gefedert

Die Federung ist etwas zu straff fr verwhnte Hinterteile. Wer es sportlich mag, kommt aber auch im Fond sitzend auf seine Kosten.

Die Lenkung ist direkt, aber ein wenig eckig mit Tempo 210 geht es entspannt auf die Autobahn, Passagiere im Fond drften sich hchstens an der etwas zu straffen Federung stren. Wer es etwas entspannter will, schaltet wieder in den normalen Modus. Dmpfer und Federung geben etwas nach (sind aber immer noch sehr straff), und schon klingt der V6-Diesel eine Eigenkonstruktion mit dem Motorenbauer VM, wie die Ingenieure von Maserati betonen wieder etwas friedlicher. Seit dem Marktstart im Februar wurden schon rund 150 Exemplare des Quattroporte Diesel verkauft das hilft der Fiat-Tochter, die hoch gesteckten Ziele von rund 50.000 produzierten Autos im Jahr (2013 waren es gut 18.000) zu erreichen. So richtig warm scheinen die Italiener wohl aber noch nicht mit dem Diesel geworden zu sein: Nirgendwo findet sich ein Hinweis darauf, dass in diesem Modell kein benzingetriebenes Herz schlgt. Im Innenraum herrscht typisch italienischer Chic mit viel Holz, Leder und netten Details wie den gepolsterten Haltegriffen am Dachhimmel. Und einigen Detailmngeln: Einige Schalter erinnern an die Schwestermarke Chrysler, das Navigationssystem sieht zwar hbsch aus, Online-Navigation oder die Einbindung von sozialen Netzwerken gibt es aber nicht.

Preis Maserati Quattroporte V6 Diesel

Ein Mittelding zwischen Selbstfahrer- und Chauffeurwagen

Die Diesel-Vorglh-Wendel im Instrumentenpanel eines Maserati? Ein wenig ungewohnt fhlt es sich doch an...

Die Sitze sind straff gepolstert und geben guten Seitenhalt, hinten sind optional zwei Einzelsitze mit einer breiten Konsole dazwischen gegen Aufpreis erhltlich. Ziemlich anstrengend: Der weit hinten sitzende Blinkerhebel, der sich hinter den riesigen Schaltpaddeln fr den manuellen Modus versteckt. Ein insgesamt hbsches und gerumiges Auto fr Individualisten und mglicherweise ein guter Schritt in den Markt der Business-Limousinen. Doch das Gesamtkonzept des Quattroporte ist nicht ganz schlssig: Fr den asiatischen Markt als Luxuslimousine konstruiert, ist er fr den europischen Markt nicht hundertprozentig geeignet: Zu wenige Assistenzsysteme (ESP; ABS, Airbags und Parksensoren sind nur Standard, auch wenn die Macher bei Maserati baldige nderungen versprechen), zum Chauffieren zu hart gefedert, fr einen richtigen Sportler fast zu gro auch wenn er sich kaum so anfhlt.
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Fazit

Der Diesel wird den Quattroporte sicherlich fr einige europische Geschftleute mit hoher Kilometerleistung attraktiver machen ein angegebener Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern fr 100 Kilometer (zehn sind bei sportlichem Fahrstil realistischer) trgt sicher dazu bei, zumal der Quattroporte auch fit fr Euro 6 ist. Doch wird er weiterhin ein Exot bei uns bleiben: Fr den Basispreis von 94.850 Euro bekommt man bei anderen Herstellern mehr Auto.

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Diesel

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