Mercedes B-Klasse Electric Drive (2014): Fahrbericht

Mercedes B-Klasse ED (2014): Fahrbericht Mercedes B-Klasse ED (2014): Fahrbericht Mercedes B-Klasse ED (2014): Fahrbericht

Mercedes B-Klasse Electric Drive (2014): Fahrbericht

— 07.05.2014

Der Stern steht unter Strom

Mit der elektrischen B-Klasse will Mercedes dem BMW i3 und dem VW eGolf davonfahren. Ob das dem Stromer mit dem Stern gelingt? Hier der Fahrbericht!

Es hat ein bisschen gedauert, doch jetzt steht auch Mercedes vollends unter Strom. Als elektrische Retourkutsche auf BMW i3 und VW eGolf bringen die Schwaben deshalb jetzt in Amerika und zum Jahreswechsel in Deutschland die B-Klasse electric drive an den Start und wollen der Konkurrenz mit einer einfachen Formel die Schau stehlen: "Emissionsfrei fahren ohne Kompromisse", wiederholt Entwickler Jochen Strenkert das Mantra seiner Mannschaft und verspricht neben dem Fahrkomfort und dem Ambiente eines ganz normalen Mercedes auch das gleiche Platzangebot wie in jeder anderen B-Klasse. Dazu gehören auch Fahrleistungen, die sich hinter einem Diesel oder einem Benziner nicht verstecken müssen.

Mercedes B-Klasse Electric Drive: Fahrbericht

Mercedes B-Klasse Electric Drive Thomas Geiger in der Mercedes B-Klasse Electric Drive Mercedes B-Klasse Electric Drive
Im Gegenteil. Denn zumindest im Stadtverkehr hat die elektrische B-Klasse zumeist die Nase vorn – nicht umsonst hat ihr Elektromotor 180 PS und mobilisiert 340 Nm. Das reicht beim Kickdown für quietschende Reifen und im Ernstfall für einen Sprint von 0 auf 100 in 7,9 Sekunden. Und dass bei 160 km/h schon wieder Schluss ist, liegt nicht an mangelnder Kraft, beteuert Entwickler Strenkert, sondern ist nur der Reichweite von bis zu 200 Kilometern geschuldet.

Der Steuermann bestimmt die Reichweite

Am Kühlergrill sollt ihr sie erkennen: Diese B-Klasse fährt elektrisch.

Wie weit man mit der B-Klasse tatsächlich kommt und welche Zacken der punktgenau berechnete Aktionsradius auf dem Navi-Display zulässt, das kann der Fahrer gleich auf mehrfache Art selbst beeinflussen. Zum Beispiel mit der Eco-Taste. Sie limitiert die Leistung auf 132 PS und bremst den Stromer spürbar ein. Allerdings braucht es zum Beispiel beim Überholen nur einen beherzten Tritt aufs Fahrpedal, dann steht wieder die volle Kraft zur Verfügung und der Elektro-Mercedes schnellt beherzt nach vorn.
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Die zweite große Stellschraube für die Reichweite ist der Grad der Rekuperation, also der Widerstand des E-Motors, wenn er zum Generator wird und beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Im Normalbetrieb ist das kaum spürbar und die B-Klasse fährt sich fast wie ein konventionelles Auto. Erst mit einem Griff zu den Wippen am Lenkrad ändert sich was: Schaltet man hoch, segelt der Stromer dahin, als hätte man in den Leerlauf gewechselt. Schaltet man dagegen runter, nimmt der Widerstand mit abnehmendem Pedaldruck deutlich zu. Während auch dieser Effekt von der Konkurrenz bekannt ist, hat sich Mercedes noch etwas Neues einfallen lassen. Erstmalig wird die Rekuperation dort auch mit dem Abstandsradar gesteuert: Je größer die Lücke zum Vordermann, desto weiter lässt die Elektronik den Wagen rollen und je dichter man auffährt, desto stärker wird rekuperiert.

Der Antrieb ist spektakulär unspektakulär

Zwar können Entwickler wie Jochen Strenkert stundenlang von den vielen Fahr- und Rekuperationsmodi schwärmen und die Vorteile der einzelnen Betriebsstrategien aufzählen. Und natürlich probiert man das bei der ersten Testfahrt alles auch mal durch. Doch wenn die erste Neugier gestillt und der Spieltrieb befriedigt sind, will man von all den vielen Modi nichts mehr wissen, sondern einfach drauflos fahren. Und das ist vielleicht die größte Stärke dieser B-Klasse: Denn der Antrieb funktioniert so spektakulär unspektakulär, dass man nach spätestens einer Viertelstunde komplett vergisst, dass man in einem Elektroauto sitzt.

Elektro-Benz im konventionellen Blechkleid

Tankluke Fehlanzeige: Hinter der Klappe wartet eine Steckdose auf Saft.

Dummerweise fährt die elektrische B-Klasse nicht nur völlig gewöhnlich, sondern sieht auch so aus. Wo der i3 mit seiner futuristischen Karosse alle Blicke fängt und so revolutionär aussieht wie seinerzeit das erste iPhone, wirkt die B-Klasse in etwa so innovativ wie ein Smartphone mit Wählscheibe. Dafür allerdings kann jeder Passagier seine Türen alleine und unabhängig von allen anderen Mitfahrern öffnen, durchs Fenster nicht nur Licht, sondern auch Luft hereinlassen und auch in der zweiten Reihe noch leidlich bequem sitzen. Alltag statt Avantgarde eben.

Auch wenn es die Entwickler immer wieder betonen – so ganz kompromisslos gelingt aber auch Mercedes die Elektrifizierung nicht. Denn das Fahrwerk zum Beispiel kann nicht verhehlen, dass der Wagen mit dem riesigen Akku-Pack runde 200 Kilo schwerer ist als das konventionelle Modell. Und während der Kofferraum tatsächlich unangetastet bleibt, büßen die Hinterbänkler durch die Akkus etwas Fußraum ein.

Der größte Kompromiss aber wartet beim Preis. Denn auch wenn Mercedes noch nicht genau verraten will, was die elektrische B-Klasse hierzulande kosten wird: Billig wird das reine Gewissen sicher nicht. Schon in Amerika verlangen die Schwaben dafür 41.450 Dollar, was umgerechnet rund 30.000 Euro sind. Und bei uns sind sie schon froh, wenn sie den Preis unter 40.000 Euro bekommen, lassen die Vertriebsleute durchblicken.

Mercedes B-Klasse ED (2014): Fahrbericht

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Autor: Thomas Geiger

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