Mercedes-Maybach S 600: Fahrbericht

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Mercedes-Maybach S 600 (2015): Fahrbericht

— 11.01.2015

Erste Fahrt im neuen Maybach

Daimler legt den Maybach neu auf. Als Mercedes-Maybach S 600 bietet er 530 PS aus zwölf Zylindern, opulenten Luxus und viel Platz. Wir sind ihn gefahren.

Nichts! Man hört einfach nichts: Mit der ab Februar 2015 lieferbaren XXL-Version setzt Daimler der S-Klasse unter der Bezeichnung Mercedes-Maybach S600 die Krone auf. Vorn arbeitet ein Kraftwerk mit zwölf Zylindern, sechs Litern Hubraum und 530 PS und draußen quälen sich Tausende in den Feierabend. Aber auf der wolkenweichen Lederliege im Fond des neuen Mercedes Maybach ist man der Welt entrückt und fühlt sich wie ein König.
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20 Zentimeter mehr Radstand

Video: Mercedes-Maybach S 600 (2015)

So fährt der neue Maybach

Anders als beim wenig glücklichen Relaunch kurz nach der Jahrtausendwende haben sie dafür aber diesmal kein eigenes Auto gebaut und keine eigene Marke aus der Taufe gehoben, sondern halten sich nah an der S-Klasse. "Eine bessere Ausgangsbasis gibt es schließlich nicht", sagt der oberste Produktstratege Johannes Reifenrath mit Blick auf den überragenden Komfort und die wegweisenden Assistenzsysteme im aktuellen Mercedes-Flaggschiff. Trotzdem ist Maybach nicht nur eine aufgehübschte Ausstattungsvariante, die sich über dickeres Leder, aufwändigere Nähte und weichere Polster definiert. Zwar gibt es in der über 100 Seiten starken Preisliste nur eine Handvoll Optionen wie die silbernen Champagnerkelche oder das Panorama-Dach mit der elektrochromatischen Verdunkelung aus dem SL, die nur der Topversion vorbehalten sind. Denn beheizte Cupholder oder elegante Klapptische kann man selbst für die beiden kürzeren Radstände bekommen. Und auch Designänderungen wie die verchromte B-Säule oder neue Zierstäbe im Grill sind eher subtil. Doch das Maybach-Logo auf der C-Säule verdient sich der Luxusliner schon allein mit den 20 Zentimeter mehr Radstand, die bei einer Länge von 5,45 Metern jetzt komplett den Hinterbänklern zugutekommen: Wegen des großen Erfolges verlängert, sozusagen.

Mercedes-Maybach S 600 Los Angeles 2014: Sitzprobe

Wenn er gefordert wird, sprintet der Maybach in glatten fünf Sekunden auf 100 – trotz 2,3 Tonnen Leergewicht.

Aber wer sich hinten rechts in die Polster gleiten lässt, der genießt nicht nur eine Beinfreiheit wie im Ballsaal und eine Bestuhlung wie in der First-Class eines Linienfliegers – nur dass man im Maybach besser schläft als im Jumbo. Und das Infotainmentsystem mit festen Bildschirmen ohne Touchfunktion und einer komplizierten Fernbedienung ist mittlerweile sogar schon wieder ein wenig veraltet. Sondern mit ionisierter, dutzendfach gefilterter und noblem Argarwood-Parfüm angereicherter Luft, einem wolkenweichen Fahrwerk, einer sanften aber bestimmten Massagefunktion in den Polstern und einer weiter perfektionierten Geräuschdämmung ist man im Nu der Welt entrückt.

Mercedes S63 AMG L/Bentley Flying Spur

Mercedes S 63 AMG L 4Matic Bentley Flying Spur Mercedes S 63 AMG L 4Matic Bentley Flying Spur

In glatten fünf Sekunden auf 100 km/h

Mercedes verlangt für den Maybach gegenüber der normalen Langversion der S-Klasse gute 20.000 Euro Aufpreis oder 1000 Euro pro Zentimeter.

Dass hier im 600er bis zu 830 Nm ein 2,3 Tonnen schweres Gebirge aus Stahl im Zweifelsfall in 5,0 Sekunden von 0 auf 100 prügeln und der 500er mit acht Zylindern, 455 PS und 700 Nm kaum weniger dynamisch ist, mag den Chauffeur freuen. Aber dass sich unter den Luftpolstern des Fahrwerks der Boden wellt, dass draußen bei 250 Sachen der Wind rauscht und vor den Fenstern die Welt vorbeizieht – all das wirkt vom Fond des Maybach aus betrachtet einfach so weit entfernt, dass man sich mit solchen Banalitäten gar nicht beschäftigen möchte. So ähnlich muss sich Beamen anfühlen, nur wahrscheinlich nicht ganz so komfortabel. Und zum Privatjet mit Flughöhe Null fehlt eigentlich nur noch die Stewardess.
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Die noch längere S-Klasse steht schon in den Startlöchern

Auf der Aufpreisliste: Die silbernen Champagner-Kelche gehören zu den wenigen Optionen.

Aber so abgehoben das Fahrerlebnis in der Überversion der S-Klasse auch sein mag, ist der lange Lutasch zumindest im Konkurrenzumfeld fast schon ein bodenständiges Auto. Denn erstens sieht er abgesehen von den sanften Retuschen wie eine ganz normale S-Klasse aus und wirkt auch mit seinen 5,45 Metern fast ein bisschen dezent, wenn man ihn neben einen barocken Bentley Flying Spur oder einen protzigen Rolls-Royce Ghost stellt. Und zweitens ist er beinahe ein Schnäppchen und startet schon bei 134.054 Euro. Das sind gegenüber der normalen Langversion der S-Klasse gerade einmal gute 20.000 Euro Aufpreis oder 1000 Euro pro Zentimeter. Doch keine Sorge: Über 100 optionale Positionen auf der Preisliste lassen reichlich Luft nach oben, so dass man selbst die 187.842 Euro für den S 600 beinahe verdoppeln kann. Zwar ist der Longliner ein wahrlich königliches Vergnügen und jetzt erst einmal Daimlers dickstes Ding. Doch wird der Maybach die Pole Position nicht lange halten. Denn schon in ein paar Wochen zeigt Mercedes auf dem Genfer Salon 2015, dass auch die beste Chauffeurslimousine der Welt noch einmal verbessert werden kann — und zieht das Tuch vom neuen Pullmann. Noch länger, noch luxuriöser und natürlich auch noch teuer setzt er der S-Klasse dann gar vollends die Krone auf.

Autor: Thomas Geiger

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