Mercedes SL 500

Mercedes SL 500 Mercedes SL 500

Mercedes SL 500

— 19.02.2002

Für normale Menschen ganz weit weg

Ein Stern geht auf: Ab Oktober 2001 steht der neue SL beim Händler - und die Kunden stehen Schlange. Lieferzeit: mindestens ein Jahr.

Die 16-Sekunden-Open-Air-Show

Schon 1996, beim SLK, haben wir für 25 Sekunden staunend Deutschlands schönstes Ampelspiel, den Bewegungsablauf beim Öffnen und Schließen des Hardtops, bewundert und gedacht: Wow, was für eine technische Meisterleistung! Besser geht's nimmer. Irrtum. Dem Ingenieur ist bekanntlich nichts zu "schwer", die Kinematik erreicht beim großen Bruder, dem neuen SL, ihren (vorläufigen) Höhepunkt.

Denn dieser erhält erstmals in seiner bald 50-jährigen Geschichte ebenfalls ein auf Knopfdruck vollständig versenkbares festes Dach. Doch sind es nicht die 16 Sekunden, die die elf Hydraulikzylinder benötigen, um aus dem Rasse-Coupé einen Rasse-Roadster zu machen. Es ist das "Wie", das bestens geeignet ist, um auf der Sylter Whiskey-Meile die große Show zu liefern. Beim SLK und beim Peugeot 206+ CC legen sich die leicht gewölbten Dachhälften wie eine Muschel in den Kofferraum, was eindeutig zu viel Platz verschwendet. Beim SL werden quasi beide Hälften voneinander getrennt (die Heckscheibe dreht sich dabei um sich selbst), wie Suppenteller ineinander gepackt und dann erst im Gepäckabteil verstaut. Dach, pardon, Hut ab vor dieser erneuten Meisterleistung.

Und dies ist, wir haben es im Grunde ja nicht anders erwartet, nicht das einzige technische Highlight. Der neue SL (Werkscode R 230) strotzt nur so vor Innovationen. Besonders auf dem Gebiet der Fahrdynamik scheren die Stuttgarter rasant auf die Überholspur aus. Mit Vollgas Richtung Sport. Die Zeit der alten Gleiter, wie es die beiden Vorgänger (R 129 und R 107) noch waren, soll vorbei sein. Nicht umsonst waren während der Prototypen-Testfahrten auch Vergleichsmodelle wie der BMW Z8 dabei. Der SL soll der fahraktivste Mercedes überhaupt werden.

Modernste elektronische Fahrhilfen

So arbeiten in ihm künftig drei elektronische Systeme zusammen, als Trio, das es in dieser Art im Automobilbau noch nie gegeben hat: die aus dem CL-Coupé bekannte Fahrdynamikregelung, genannt ABC (Active Body Control), die Antischleuderhilfe ESP (Electronic Stability Program) und das weltweit erstmals in Serie eingeführte elektrohydraulische Bremssystem SBC (Sensotronic Brake Control). Beim Bremsen in Kurven kann jedes Rad einzeln gezielt mit der richtigen Bremskraft versorgt werden, was die Stabilität weiter erhöht. Damit sollen nie erlebte Fahrqualitäten erreicht werden, verbunden mit einem Höchstmaß an Sicherheit.

Mercedes geht sogar noch weiter, sagt, dass diese Technik den Grundstein für das Fahren von morgen legt: das Auto mit Hilfe von Videokamera, Abstandsradar und moderner Elektronik unfallfrei über die Straßen zu lenken. Bis dahin geht es im SL aber noch recht konventionell zu. Zwar stellen sich Sitz, Lenkrad und Spiegel nach Einstecken des elektronischen Zündschlüssels automatisch auf den Fahrer ein, das Cockpit überrascht seinen Lenker jedoch nicht mit Fremdartigem, wie es BMW im neuen Siebener riskiert. Dort sitzt nämlich ein dicker Drehknopf auf dem Mitteltunnel, wo sonst der Schalthebel hingehört.

Die Designer um Teamchef Peter Pfeiffer bemühten sich, Klassik und Moderne sinnvoll zusammenzufügen. Schließlich hängen am SL viel Vergangenheit und Rennsportlegende. So strahlen die Ziffern der in mattem Chrom eingefassten Rundinstrumente in einem neuartigen Gletscherblau. Für Mercedes revolutionär - im Golf Alltag.

Rändelräder dienen fortan zur Verstellung der Klimaanlage. Sie werden auch nächstes Jahr in der E-Klasse zu finden sein. Ansonsten verteilen sich eine Vielzahl von Schaltern und Knöpfen auf der zentralen Konsole und rund um den Automatikhebel. SL-Fahrer dürften sich weiterhin zu Hause fühlen.

Fünfliter-V8-Motor aus Aluminium

Zum Thema Sicherheit muss über die Stuttgarter eigentlich kein Wort mehr verloren werden. Der SL verfügt über zwei adaptive Frontairbags, die sich je nach Unfallschwere unterschiedlich stark aufblasen. Neu sind kombinierte Kopf-Seiten-Airbags, die in den Türen stecken und die Funktion der sonst üblichen Windowbags mit übernehmen. Aufgrund der Dachkonstruktion lassen sich diese dort nicht unterbringen.

Um das Gewicht (fahrfertig 1845 Kilo, das wären 45 Kilo weniger als beim Vorgänger) nicht ausarten zu lassen, betrieben die Ingenieure konsequent Leichtbau. So sind Haube, Kotflügel und die Außenschalen der Türen aus Aluminium (die Innenseite sogar aus dem noch leichteren Magnesium). Ebenso aus Alu sind eine Reihe von Fahrwerkteilen und natürlich der Fünfliter-V8-Motor. Mit ihm startet der Verkauf. Eine AMG-Version (450 PS), ein kleinerer Sechszylinder (3,2 Liter) und ein V12 folgen später. 306 PS und 460 Newtonmeter lauten die Eckdaten des Achtzylinders. Mehr als genug, um den Roadster in 6,3 Sekunden auf 100 km/h und locker weiter auf Tempo 250 zu beschleunigen.

Doch bevor dieses automobile Vergnügen ausgekostet werden kann, gilt es, mindestens 180.000 Mark zu überweisen. Schon diese Hürde sorgt dafür, dass nur sehr wenige Menschen diesen Mercedes in der Garage haben werden. Für den Normalbürger ist der SL so weit weg wie der Flug zum Mond. Wir dürfen höchstens neidvoll rüberschauen, wenn mal einer neben uns an der Ampel hält und dem Fahrer gerade danach ist, seine 16-Sekunden-Open-Air-Show abzuziehen.

Technische Daten V8-Motor • drei Ventile pro Zylinder • Hubraum 4966 cm3 • Leistung 225 kW (306 PS) bei 5600/min. • max. Drehmoment 460 Nm bei 2700 bis 4200/min. • Fünfgangautomatik • Heckantrieb • Vierlenker-Vorderachse • Raumlenker-Hinterachse • aktive Fahrwerksregelung ABC • elektrohydraulisches Bremssystem • vier innenbelüftete Scheibenbremsen • ABS • ESP • ASR • Bremsassistent • Reifen 255/45 R 17 • Kofferraum 317 l • bei geöffnetem Dach 235 l • Tank 80 l • Länge/Breite/Höhe 4535/1815/1298 mm • Gewicht 1845 kg • Zuladung 295 kg • Beschleunigung 0-100 km/h 6,3 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch 12,7 l (Werksangaben)

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