Mercedes SL und SLK: Vorschau

— 25.03.2014

Zurück zur alten Sportlichkeit

Wir erinnern uns: Der erste SL Roadster röhrte mit knappem Stoffverdeck durch den April-Regen, der erste SLK war ein bildhübscher Frauenversteher. Und heute? Zeit zum Umdenken.



Kaum ein Mercedes war so markenprägend wie der erste SL. Dennoch wird der R 232 kein Retro-Roadster, sondern eine moderne Skulptur auf Rädern.

Der Begriff Roadster ist dehnbarer, als man glaubt. Der erste Mercedes SL war ein sportlicher Zweisitzer mit kernigem Sechszylinder und Kapuzendach aus Segeltuch. Doch schon der 190 SL gefiel sich als adretter Biedermann, die Pagode huldigte der Damenwelt, und der R 107 war im Prinzip eine verkürzte zweitürige offene S-Klasse. Mit dem R 129 gelang Bruno Sacco ein erfreulich reduziertes Roadster-Intermezzo, auf das 2001 der übergewichtige Vier-Augen-SL mit versenkbarem Hardtop folgte. Dessen Klapptop ziert auch die aktuelle SL-Baureihe, die weder superleicht (daher der Name SL) ist noch formal überzeugt. Grund genug für Mercedes, seine Sportwagen-Ikone wieder neu zu erfinden.

Gemeinsame Sportwagen-Technik für SL und SLK

Breit, böse, bullig, betont dynamisch und wieder mit Stoffdach: Der nächste SL hat das Zeug zum faszinierenden Zurück-in-die-Zukunft-Roadster.

In Deutschland läuft das Geschäft mit Premium-Roadstern noch einigermaßen rund (Sportwagen-Marktanteil stabil bei 1,4 Prozent), doch global geht der Absatz offener Autos zurück. Die Erklärung liefert in Peking oder Los Angeles ein Blick aus dem Fenster: Smog statt frischer Luft. Sinkende Stückzahlen erhöhen den Kostendruck, den es durch Synergieeffekte abzubauen gilt. BMW plant das im Rahmen der Sportwagen-Kooperation mit Toyota, Audi bedient sich wie immer im Konzernbaukasten, und auch Mercedes wird radikal vereinheitlichen und die nächste Generation von SL und SLK neu aufstellen. "MSA" heißt das Kürzel, das Daimler zu besseren und günstigeren Roadster-Zwillingen verhelfen soll. Diese "Modulare Sportwagen-Architektur" dient als gemeinsames Rüstzeug für beide Modelle – den SLK-Nachfolger (R 173, kommt 2020) und die achte SL-Generation (R 232, kommt 2021). In den nächsten sechs Jahren wird zwar noch viel passieren, doch an der Verblockung der beiden Sportwagen-Baureihen soll nicht mehr gerüttelt werden. Mit dieser Lösung will Mercedes Entwicklungskosten sparen, die Teilevielfalt reduzieren und gleichzeitig den Modellmix deutlich flexibler gestalten als bisher.

Softtop für neuen SL, Klapptop für SLK-Nachfolger

Das versenkbare Hardtop ist nicht nur bei Mercedes-Kunden gut angekommen. Auch BMW (Z4, 4er), Ferrari (458 Spyder, California) und Infiniti (G60) punkten mit stofffreien Verdecklösungen. Trotzdem plädieren die Stuttgarter Produktstrategen mittelfristig für differenzierte Dachkonzepte. O-Ton Sindelfingen: "Wir werden künftig zweigleisig fahren. Beim SL kehren wir zurück zum klassischen Faltdach, das einfache Bedienbarkeit, geringen Platzbedarf und schönes Design verbindet." Der SLK behält das Klapptop, bekommt allerdings eine raffiniertere Falt- und Versenktechnik.

Der neue SLK – wieder ein TT-Gegner?

Der erste SLK war ein stimmiges Gesamtkunstwerk, doch schon das zweite Modell schnappte mit der F1-Nase über das Ziel hinaus. Auch der aktuelle Zweisitzer ist eher ein komfortbetonter GT mit variablem Lichtschutzfaktor als ein reinrassiger Fahrdynamiker. Der Nachfolger soll wieder sportlicher werden und so zu TT/Z4/Boxster aufschließen.

Konsequent auf Sportlichkeit getrimmt

Der neue SLK ohne Dach. Er übernimmt die klassischen Roadster-Attribute des ersten Modells: Leichtbau, Kompaktheit, Präsenz und Fahrspaß.

Klingt logisch, war aber nicht immer so. Der SLK fuhr stattdessen die behäbigen Gene diverser C-Klassen spazieren, der SL war in einigen Elementen der E-Klasse verbunden. Doch damit ist Schluss, sobald der Sportbaukasten Premiere hat. Erst dieser ermöglicht eine deutlich flachere Einbaulage von Motor und Getriebe, einen entsprechend abgesenkten Schwerpunkt und eine optimale Achslastverteilung. Wesentlicher Fixpunkt ist der Abstand zwischen Schottwand und Vorderachse; die übrigen Baugruppen sind in ihrer Größe voll flexibel. Während der SLK mit der Stahlfederung vorliebnehmen muss, steht die Luftfederung Airmatic ganz oben auf der Wunschliste der SL-Vorentwickler. Die 4Matic gilt gegen Aufpreis für beide Modelle als gesetzt. In Sachen alternative Antriebe ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Für den SLK wird es sogar Dieselmotoren geben

Es bleibt beim Klappdach. Dazu: Leuchtdioden im Grill, markante Lufteinlässen und ein Abstandsradar, gut versteckt im Mercedes-Stern.

Ein SL mit dem 360 PS starken AMG-Vierzylinder ist zwar technisch möglich, ergibt aber wenig Sinn. Stattdessen liegt der Schwerpunkt ganz klar auf dem neuen Dreiliter-Reihensechszylinder, der im SL 300 gut 365 PS und im SL 400 435 PS leisten soll. Darüber rangiert der bis zu 571 PS starke, doppelt aufgeladene Vierliter- V8. Der Platz unter der Motorhaube würde sogar für den Zwölfzylinder reichen, der mit 630 PS und 1000 Newtonmetern freilich nicht mehr so richtig in die Zeit passt. Für den SLK wird der Vierzylinder immer wichtiger. Deshalb soll das Angebot um den 238 PS starken SLK 300 erweitert werden. Mit 231 PS steht der nächste SLK 250 CDI ähnlich gut im Futter. Bei den in Reih und Glied angeordneten Sechszylindern favorisiert der Vertrieb drei verschiedene Varianten mit 333, 375 und 435 PS (AMG). Nicht genug Power? Für die Black-Series-Version sind sogar 465 PS angepeilt.

Bilder: Neuer Mercedes SLK und SL

Mercedes SL Illustration Mercedes SL Illustration Mercedes SLK Illustration
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Warum berichten wir über zwei Autos, die erst 2020/2021 auf den Markt kommen? Weil der modulare Aufbau Signalwirkung hat – als nächstes sind mit ähnlich flexibler Technik die Mercedes- Crossover an der Reihe. Weil die neue Technik Anleihen nimmt bei Hochkarätern wie SLS und AMG GT. Und weil nur die gemeinsame Technik den Fortbestand der Modelle sichert.

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Cabrio Roadster



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