Citan! Das klingt ja wie Baby-Sprech, bedeutet: Sie haben es wieder getan. Citan! So heißt der Mercedes-Hochdachkombi, der eigentlich ein Renault Kangoo ist. Jetzt macht Mercedes wieder gemeinsame Sache mit Renault-Nissan, baut den Navara zur X-Klasse um. Und Sie wollen jetzt wissen: Wie viel Mercedes steckt da drin? Hier kommt die Antwort.

Die Mercedes X-Klasse ist teurer, aber besser als die Basis

Video: Mercedes X-Klasse (2017)

Pick-up mit Stern im Test

Das Wichtigste zuerst: der Preis. 40.115 Euro für den X 250 d mit 2,3-Liter-Vierzylinder-Diesel und 190 PS, Siebenstufen-Wandlerautomatik und zuschaltbarem Allradantrieb. Der Motor kommt von Renault, deren (fast) baugleicher Pick-up Alaskan kostet 36.390 Euro, den Bruder Nissan Navara gibt's für 37.010 Euro. Mitgerechnet? Fast 4000 Euro Stern-Aufschlag. Warum? Na, auch wegen der Sicherheit! Wir waren auf unserer Teststrecke zwar nicht sprachlos, aber überrascht. Der X steht von Tempo 100 nach 35 Metern. 35! Andere Pick-ups brauchen 40 und mehr, das ist eine ganze Wagenlänge. Mercedes baut in die Nissan-Basis Scheibenbremsen rundum ein (Alaskan und Navara haben hinten Trommeln), es steckt ein eigener Kabelbaum drin, inklusive Spurhalte- und aktivem Bremsassi, ESP-Anhängerstabilisierung.

Das Fahrwerk mag kurze und lange Wellen nicht wirklich

Mercedes X-Klasse
Auf schlechten Landstraßen wird die X-Klasse zittrig, die indirekte Lenkung überträgt die Vibrationen.
Und Mercedes legt Wert auf Luxus, auf Geräuschdämmung. Nix klappert, nix dröhnt, im Interieur spüren wir sogar einen Hauch Daimler. Also, einen Hauch. Lenkrad nur höhenverstellbar, Lüftungsdüsen aus Billigplastik, Schalter ganz unten schlecht ablesbar. Das Drehrädchen für den zuschaltbaren Allradantrieb etwa: 4WD können wir vom Fahrersitz lesen, 2WD nicht. Egal, wer so ein Arbeitstier kauft, gewöhnt sich dran. Will aber wissen: Wie fährt es? Auf der Autobahn ganz okay. Der 190-PS-Diesel nagelt nur im kalten Zustand, nervt im Innenraum nicht wirklich. Wie gesagt: gut gedämmt. Die Automatik arbeitet exakt, aber langsam. Alles annehmbar. Aber was die X-Klasse nicht will, sind holprige Landstraßen mit kurzen und langen Wellen. Das Fahrwerk wird zittrig an der Vorderachse, das Lenkrad überträgt die Vibrationen, dazu kommt die eher indirekte Lenkung.
Das fühlt sich dann eher nach Truck an, nicht nach Pkw. Vielleicht liegt es daran, dass unser X 20 Millimeter höhergelegt ist (kostet 321 Euro Aufpreis), andernfalls das Komfort-Fahrwerk hätte. Nicht böse sein, Mercedes! Demnächst kommt der echte Benz, wir freuen uns schon. Denn im Sommer folgt der Sechszylinder mit Permanentallrad und Mercedes-Automatik. Dann bitte noch Luftfederung, und der Stern strahlt bis sonst wohin!

Fazit

Coole Optik, Interieur okay, kurzer Bremsweg, aber leider zittriges Fahrwerk. Diese X-Klasse trägt den Stern, fühlt sich aber nicht an wie ein Mercedes. Zu viel Laster, zu wenig Auto.