Microlino: Retro-Isetta mit Elektroantrieb

Microlino: Retro-Isetta mit Elektroantrieb

— 13.04.2017

Der Microlino beerbt die Isetta

Die BMW Isetta bekommt einen topmodernen Nachfolger: Der knuffige "Microlino" fährt elektrisch. Ende 2017 soll die Produktion anlaufen!

Fast wie die Isetta: Das Design stammt von Marco Brunori. BMW hat sich noch nicht beschwert.

Eine der Sensationen vom Autosalon Genf 2016 sieht aus wie die BMW Isetta aus den 1950ern, hat aber einen modernen Antrieb. Das E-Auto heißt Microlino, und es wird tatsächlich gebaut – von der Schweizer Firma Micro. Das Unternehmen aus Küsnacht bei Zürich hatte mit Autos bisher wenig am Hut. "Das ist kein Auto", schrieb Firmengründer Wim Ouboter folgerichtig in Großbuchstaben ans Messe-Podest, auf dem der Microlino in Genf stand. Micros Hauptgeschäft waren bislang Tretroller (Scooter) und Skateboards mit Lenker (Kickboards) für Kinder, Erwachsene und Jugendliche. Das soll sich nun ändern. Aber: "Ein Auto wollte und will ich nicht bauen", sagt Ouboter. Doch er ist nah dran. Bis Jahresende 2017 soll die Produktion des Kultmobils starten, 2600 allerdings unverbindliche Vorbestellungen gibt es seinen Angaben nach bereits. Produzieren soll die Retro-Isetta der italienische Elektrospezialist Tazzari, den Basispreis sieht Ouboter bei "12.000 bis 13.000 Euro".


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Schlichter Charme

Im Cockpit nur das Nötigste: Das Rundinstrument in der Mitte zeigt Tempo und Reichweite an.

Nur das Nötigste soll es an Bord des Microlino geben, nicht mal eine Heizung. Dafür aber ein schlichtes, sachliches Interieur. Unterm Strich ein besserer Einkaufswagen für die Stadt, mehr nicht! Was durchaus authentisch wäre: Schon die 1955 eingeführte Isetta war kein vollwertiges Auto für die große Urlaubsfahrt, sondern ein Gefährt zwischen Motorrad und Personenkraftwagen – ein Kompromiss aus großem Fernweh und kleiner Geldbörse. Aber auch ein knatterndes Spaßmobil, das der Volksmund nicht ohne Grund liebevoll "Knutschkugel" taufte.
 Hauptgrund: Die Passagiere sitzen eng neben- und nicht hintereinander, wie in vielen Kabinenrollern damals. Diese Anordnung schafft knisternde Nähe, auch beim Retromodell. "Gentlemen können damit bildungsnahe Frauen beeindrucken", sagt Ouboter scherzhaft.

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Microlino - in Kürze:
Ende 2017 will Micro die erste Retro-Isetta ausliefern. In Deutschland wäre das Auto in der Elektroleichtfahrzeug-Klasse L7e eingeordnet, in der Airbags nicht vorgeschrieben sind. Ähnlich wie der Renault Twizy ist der Microlino eher in der Großstadt zu Hause und würde sich für hippe Carsharer eignen. Vertrieb und Wartung könnten bei Fahrradhändlern erfolgen. Zudem ist eine Diagnose-App denkbar. Bei Defekten ließe sich per Handy die Ursache finden. Die Serie hat eine größere Heckklappe, etwas mehr Kanten und kleinere Scheinwerfer.

Einstieg von vorn - wie beim Vorbild

Doppelfunktion: Die Rückspiegel sind zugleich Scheinwerfer.

In Ouboters Heimatort an der wohlhabenden Goldküste des Zürichsees sind dicke SUVs so alltäglich wie ein Golf in Berlin. Aber den meisten Protzkarren stiehlt das spartanische Gefährt glatt die Schau. Menschen drehen sich um, lächeln, tuscheln, beobachten, wie sich die noch recht schwere Fronttür des Prototyps mitsamt Lenksäule öffnet und schließt. Gurte und ein richtiges Cockpit fehlen der Studie made in China noch, auch die Form ist gröber als beim Original. Besonderer Clou: An den Vorderseiten der Außenspiegel leuchten LED-Scheinwerfer.

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Bis zu 130 Kilometer Reichweite

Praktisch: Der Aufladestecker ist wie beim Staubsauger leicht rausziehbar.

Im Zulassungsregister wird der Microlino – wie der Renault Twizy – in der kaum verbreiteten Klasse L7e für Leichtfahrzeuge rangieren. Bedeutet unter anderem: maximal 400 Kilogramm Leergewicht, höchstens 15 kW Leistung, Auto-Führerschein, Auto-Kennzeichen, weniger Insassenschutz! "Sicherer als ein Motorrad ist der Microlino aber auf jeden Fall", sagt Ouboter. Gern verweist er darauf, dass in Ballungsräumen "rechnerisch nur 1,2 Personen in jedem Pkw sitzen, am Tag durchschnittlich 32 Kilometer fahren und dabei im Mittel 35 km/h schnell sind". Einkäufe, Arbeitsweg, mal eben ins Schwimmbad – in der Stadt würde die neue Isetta all das mit 120 bis 130 Kilometer Reichweite locker schaffen. Und mit ihrem Retrodesign vielleicht noch ein wenig mehr: "Ich will die uncoole Leichtfahrzeugklasse cool machen", so Ouboter.
Microlino
Leistung 20 PS (15 kW)
Verbrauch 8 kWh / 100 km
Antrieb Elektro, Heck
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Reichweite 120-130 km
Batteriekapazität 11 kWh
Ladezeit (Steckdose)(Steckdose) 4:30 h
Preis ca. 12.000 Euro

Microlino: Retro-Isetta mit Elektroantrieb

BMW Isetta
Claudius Maintz

Claudius Maintz

Fazit

Mit einem Renault Twizy in den Urlaub? Sicher nicht! Aber durchaus mal eben in die Stadt zum Einkaufen! Die neue Isetta ist – wie der Twizy – ein selbstfahrender Einkaufswagen. Und das 
ist auch gut so. Es ist Unsinn, zwei Tonnen SUV mitzuschleppen, nur um mal eben ein 500-Gramm-Brot zu holen. Schade, dass der Staat für Leichtfahrzeuge wie Twizy und Microlino keinen Cent Fördergeld lockermacht.

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