Mini Cooper Cabrio im Test — 27.07.2004
Der Strandkorb des Jahres
Die Erfolgsstory Mini geht weiter. Das Cabrio will den Platz an der Sonne. Der ist garantiert – trotz der verschlafenen 115 PS.
Der Mini als Cabrio: klein, offen, trendig
Trotz Regen: Beachclubs sind der Sommerhit. Ob an Elbe oder Isar, in Deutschlands Metropolen bauen findige Gastronomen auf Sand. Sonnenschirme, Liegestühle und Chill-out-Musik – fertig ist die innerstädtische Südsee-Idylle. Nun baut BMW das perfekte Auto dazu: klein, offen, trendig. Mini fahren ist cool; offen noch cooler.Mini Cabrios haben Tradition. Auch den Kultklassiker gab es mit Stoffdach ab Werk oder vom Karosseriebauer. Zum Abgleich begleitet ein Cabrio vom Mini-Spezialisten Mengers seinen Nachfolger bei den Fotofahrten. Die gemeinsamen Gene sind unverkennbar. Retro zieht noch immer.
Der Neue ist Strandkorb des Jahres. Vorteil: Er lässt sich wasserdicht verschließen – natürlich elektrisch per Knopfdruck, während im Oldie umständlich Stangen und Streben mit der Hand ab- und aufgebaut werden. Nicht nur deshalb ist Fahrern des neuesten Mini ein Prestigegewinn gewiss. Auch geschlossen ist er sofort als Cabrio zu identifizieren. Statt eines neumodischen Klapp- Blechdachs spannt sich ein schwarzes, blaues oder grünes Textilverdeck vom Heck zum Scheibenrahmen. Die Heckklappe schrumpft zur Luke und ist wie beim Oldie an außen liegenden Scharnieren angeschlagen.
Dachöffen per Schlüsselfernbedienung
Ganz modern dagegen das zweistufige Öffnungszeremoniell. Stufe I: Das Verdeck fährt wie ein Schiebedach 40 Zentimeter nach hinten. Stufe II: Bei wiederholtem Knopfdruck öffnet sich der kleine Engländer zum Vollcabrio. Platz sparend wird der Stoff mehrlagig zwischen die Dachholme gefaltet. Und das ohne Aufpreis per Schlüsselfernbedienung aus bis zu 15 Meter Entfernung. Was für eine Show! Vorm Szenetreff garantiert der Taschenspielertrick.Nur die Optik der Retro-Kutsche kann durch die Stoffmütze nicht gewinnen. Geöffnet sieht das Cabrio alles andere als harmonisch aus. Schuld daran sind die beiden Aluminium-Überrollbügel hinter den Rücksitzen, die einen Bruch in die knuffig-klassische Linie treiben. Die BMW-Designer haben sich keine Mühe gegeben, die hässlichen Dinger zu kaschieren.
Aufdringlich wie der Bullenfänger eines Geländewagens blitzen die Chromhöcker in der Sonne. Rückwärts rangieren ist katastrophal. Durch die unabdingbare Schutzvorrichtung ist der Blick nach hinten massiv eingeschränkt. Zum Glück gibt es die Einparkhilfe serienmäßig. Auch im fließenden Verkehr sind die Sichtverhältnisse gewöhnungsbedürftig. Beim Spurwechsel von links nach rechts ist vom Geschehen hinterm Auto wenig zu sehen.
Technische Daten und Testwerte
Das Cabrio ist durch Karosserieverstärkungen fast 100 Kilo schwerer als die Festdachvariante, und das ist zu spüren. Der getestete 115-PS-Cooper wirkt zugeschnürt und träger als die Limousine. Schuld daran ist der wenig spritzige 1,6-Liter-Motor, den BMW zusammen mit Chrysler in Brasilien produziert.Er hat wenig Drehmoment, und in Verbindung mit lang übersetzten Gängen kann er keine lustbetonte Leistungsentfaltung bieten. Beim Spurt von null auf 100 km/h ist das Cabrio knapp eine Sekunde langsamer als der geschlossene Bruder. Ebenso bei den Elastizitätsmessungen. Das Prädikat Cooper, das einst die besonders kräftigen Mini auszeichnete, hat dieses Modell nicht verdient. Der Mini One (90 PS) dürfte als Cabrio sogar untermotorisiert sein. Konsequenz: Wer sportliche Fahrleistungen schätzt, muss zum teuren Cooper S Cabrio mit 170 Kompressor-PS greifen (24.000 Euro, ab Herbst).
Pure Freude am Fahren garantiert aber die überragende Lenkung. Offen ist der Mini noch näher ans Kart gerückt. Sein Einlenkverhalten ist exakt. Auf spontane Richtungsänderungen reagiert er trocken und sicher. Viel besser geht's nicht.
| Werksangaben | ||
| Motor (Bauart/Zylinder/Einbau) | R4, vorn quer | |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/1 | |
| Nockenwellenantrieb | Kette | |
| Hubraum | 1598 cm³ | |
| kW (PS) bei U/min | 85 (115)/6000 | |
| Nm bei U/min | 150/4500 | |
| Höchstgeschwindigkeit | 193 km/h | |
| Getriebe | 5-Gang manuell | |
| Antrieb | Front | |
| Bremsen (vorn/hinten) | Scheiben/Scheiben | |
| Testwagenbereifung | 195/55 R16 V | |
| Abgas CO2 | 175 g/km | |
| Verbrauch* | 10,1/5,7/7,3 l | |
| Testverbrauch min/max/ges. auf 100 km | 6,6/14,7/9,0 l | |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 50 l/Super | |
| Vorbeifahrgeräusch | 74 dB (A) | |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | 650/500 kg | |
| Länge/Breite/Höhe | 3635/1688/1415 mm | |
| Kofferraum/Zuladung | 120-605 l/315 kg | |
| Testwerte | ||
| Bremsweg kalt/warm aus 100 km/h | 37,5/37,5 m | |
| Innengeräusch 50/100/130 km/h | 61/69/73 dB(A) | |
| Beschleunigung | 0-100 | 10,2 s |
| 0-130 | 16,5 s | |
| Elastizität 4. Gang | 60-100 | 11,4 s |
| 5. Gang | 80-120 | 14,7 s |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | ||

































