Um 1996 dem Zauber eines gebrauchten Citroën AX GTi zu erliegen, half es, jung zu sein und fest an die eigene Unverwundbarkeit zu glauben. Heute finden wir Autos wie den AX – 90 PS stark, 795 Kilo leicht und crashstabil wie eine Packung Haferflocken – ungeheuer verantwortungslos. Doch dann stehen wir vor diesen drei Autos, jedes unter 1,3 Tonnen schwer, und fragen uns, ob früher alles besser war. War es nicht. DS3, Clubman und Clio kommen mit ESP sowie genügend Airbags auf Bestnoten bei der Kissenschlacht des Euro-NCAPCrashtests. Dass die Sicherheit den Kleinen aufs Gewicht schlägt, kompensieren sie mit Mehrleistung.

Überblick: Alle News und Tests zum Citroën DS3

Citroen DS-3 Racing
Limitiert: Vom 207 PS starken Citroën DS3 sind in Deutschland nur 700 Eexemplare zu haben.
Bild: Toni Bader
In seiner jüngsten Eskalationsstufe erreicht der DS3 207 PS, wobei Citroën den vom aktuellen Rallye-WM-DS3 inspirierten Racing bei uns auf 700 Stück limitiert. Er kostet 29.990 Euro samt sportlicherem Fahrwerk, neu getrimmtem, abschaltbarem ESP und viel Carbonglitter. Er nutzt im Prinzip den gleichen 1,6-Liter-Turbo wie der Mini Clubman als John Cooper Works (JCW). JCW ist ein optionsreiches Tuningpaket, das die Leistung auf 211 PS und den Preis auf 30.700 Euro schraubt. In Racing und JCW schiebt der 1600er ab 1500 Touren homogen und energisch voran, zerrt beide in knapp sieben Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Erst bei höherem Tempo und in der Elastizität kann der Mini wegen der kürzeren Übersetzung seines etwas knorpeligen Sechsganggetriebes dem DS3 davoneilen. Dessen Sechsgangbox überrascht dagegen mit einer für ein PSA-Produkt geradezu unfassbaren Präzision.

Überblick: Alle News und Tests zum Renault Clio RS

Video: Clio, DS3, Clubman

Drei kleine Wirbelwinde

Die längere Übersetzung mindert Geräuschpegel und Verbrauch: Der Citroën verbrennt pro 100 Kilometer 0,5 Liter weniger als der ebenfalls sparsame Mini. Nachteil der Turboladerei: Wenn um 2000/min die Newtonmeter zu Hunderten über die Vorderräder herfallen, läuft das mit Traktionsproblemen und heftigem Gezerre in den Lenkungen ab. Zudem geht den Motoren ab 6000/min die Puste aus, da trudeln sie kurzatmig in den Begrenzer. Der Clio RS tourt locker bis 7500. Ein Piepston erinnert den Fahrer an den Gangwechsel, damit der Zweiliter nicht übermotiviert in den Begrenzer dengelt. Der Sauger lebt in einer hochtourigen Beziehung mit dem kurz übersetzten, leicht hakeligen Sechsganggetriebe, das ihm aus dem Drehzahlkeller hilft und seine Elastizität rettet. An das Tempo des Mini kommt der RS allerdings nicht ganz heran. Bei der Fahrdynamik bremst ihn sein übervorsichtiges ESP ein. An sich hilft ihm bei Lastwechseln ein harmloses Heckzucken um Kurven, doch der Schleuderschutz greift da gleich grob ein.
Viel besser gelang die Abstimmung beim DS3. Das ESP hält sich lange zurück, muss wegen des gelungenen, neutraleren Fahrwerk-Setups nur subtil regeln. Damit ist der Racing unspektakulär schnell. Mehr Drama verursacht der Mini, weil er bei Lastwechseln heftig mit dem Heck schwenkt und ihn sein ESP stärker einbremst. Doch wie er über Landstraßen wuselt, von der extrem direkten Lenkung geleitet, wie er ansatzlos einlenkt, das kann noch immer keiner besser. In Kombination mit dem schlechten Geradeauslauf ist diese Abstimmung für die Autobahn zu zappelig. Weite Reisen vermiest zudem die zu harte Federung. Der JCW bolzt herb über Unebenheiten.

Überblick: Alle News und Test zum Mini Clubman

Mini John Cooper Works Clubman
Kaum zu glauben: Der Mini sichert seinen Sieg im Kostenkapitel, nicht bei der Dynamik.
Bild: Toni Bader
Wie es bei aller Sportlichkeit besser geht, zeigen die Franzosen, wobei der DS3 grobe Brecher am besten absorbiert. In anderen Alltagsbelangen schwächelt der Citroën: Die Sportsitze minimieren den Knieraum im Fond, die Zuladung ist zu gering. Schließlich vereiteln aber die hohen Kosten den Sieg des DS3. Weil er weniger Wert verliert und in der Versicherung viel günstiger kommt, sichert sich der geizig ausgestattete Mini den Gesamtsieg. In der Testwertung liegt er dagegen nur ganz knapp vor dem Renault, der mit seiner geräumigen Karosserie, den besten Bremsen und ordentlichem Komfort punktet. Dazu ist er als Gordini – mit allem Pipapo ausstaffiert – der krawalligste unter den drei Wilden. Wahrscheinlich kann man niemals alt genug sein, um seinem Zauber nicht zu erliegen.

Fazit

von

Sebastian Renz
Es dürfte einer der seltenen Fälle sein, in denen ein Mini seinen Sieg durch das Kostenkapitel rettet – trotz seines fast schon absurd hohen Preises und der mageren Ausstattung. Mit dem DS3 hat er nun einen ebenbürtigen Gegner, ebenso schnell und mit einem beinahe ebenso überragenden Handling, aber besserem Komfort. Der Clio RS bleibt der Tipp für alle, die noch immer dem Golf I GTI nachtrauern. Ganz ohne den aufdringlichen Gordini-Kram gibt es ihn übrigens schon ab 19.900 Euro.