Mitsubishi Plug-in-Hybrid: Fahrbericht

Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid

Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid: Fahrbericht

— 13.05.2014

Grüner Pampers-Bomber

Mitsubishi macht ein SUV zum Sparmobil: Der Outlander Plug-in-Hybrid lockt mit Mini-Verbrauch und kombiniert dafür gleich drei Motoren. Fahrbericht!

Der PHEV-Schriftzug outet den Outlander als Hybrid mit drei Herzen.

Wie gemein! Alle Welt schwört auf große Geländewagen und ausgerechnet die naturverbundenen Grünen bekommen beim Ausflug in Feld, Wald und Wiese Gewissensbisse. Doch damit ist es jetzt vorbei: Wenn Mitsubishi den Outlander als SUV zum Plug-in-Hybriden aufrüstet, dürfen auch Öko-Muttis wieder ohne Reue in so einem aufgebockten Pampers-Bomber beim Bio-Laden vorfahren – zum Startpreis von 39.990 Euro. Denn mit einem Normverbrauch von 1,9 Litern und einem CO2-Ausstoß von nur 44 g/km bauen die Japaner das erste SUV, das kein Säufer mehr ist. Möglich macht das ein Antriebspaket, das es so bislang in keinem anderen Geländewagen der Welt gibt: Denn zu den gleich zwei E-Motoren mit jeweils 82 PS und dem zwei Liter großen Benziner mit 121 PS kommt hier im Unterboden noch ein Lithium-Ionen-Akku von stattlichen zwölf kWh, den man auch an der Steckdose aufladen kann. Er liefert genug Strom für mehr als 50 Kilometer ohne Sprit, auf denen der Outlander auf bis zu 120 km/h beschleunigen kann.

Der Antrieb ist kompliziert

Der Japaner bleibt trotz seines Antriebs familienfreundlich: In den Kofferraum passen 500 Liter.

Die Betriebsstrategie für dieses Trio ist vergleichsweise kompliziert: Dass der Steckdosen-Hybrid rein elektrisch startet, ist noch keine Überraschung. Doch wenn man etwas mehr Leistung abruft und sich der Benziner zuschaltet, treibt der nicht die Räder, sondern erst einmal einen Generator an. Nur bei Vollgas auf der Autobahn wird der Outlander vom seriellen zum parallelen Hybrid und alle drei Motoren wirken direkt auf die Achsen. Und als wäre das noch nicht genug, bietet der Outlander mit der elektrischen Hinterachse obendrein noch einen elektronisch gesteuerten Allradantrieb.

Laden auch via Generator

Der Innenraum ist bewusst sachlich gestaltet, großes Display mit Touchscreen.

Auch das Laden haben sich die Ingenieure nicht ganz leicht gemacht: Man kann den Akku wahlweise binnen fünf Stunden an der Haushaltssteckdose tanken, binnen einer halben Stunde zu 80 Prozent an einer Schnelllade-Buchse füllen oder einfach den Charge-Knopf im Cockpit drücken. Dann schaltet sich automatisch der Verbrenner zu, treibt den Generator an und pumpt die Batterie binnen 40 Minuten zu 80 Prozent voll. Aber der Clou an diesem System ist, dass es in beide Richtungen funktioniert: Als erster Hersteller baut Mitsubishi ab Werk eine bidirektionale Steuerung ein, so dass der Outlander den Strom auch wieder abgeben kann: So puffert man tagsüber die Sonnenergie der Photovoltaik-Anlage und speist damit abends den Fernseher im Wohnzimmer oder man nutzt sein Auto als Notstromaggregat bei der Grillparty am Baggersee.

Fahren geht kinderleicht

Statt Drehzahlmesser gibt es eine Anzeige für den Ladezustand der Batterie.

So vielfältig die Möglichkeiten und so kompliziert die Regelung im Zusammenspiel mit Benziner, Batterie und E-Motor, so einfach kann man den Outlander fahren: einsteigen, anschalten und los geht's. Solange man dabei in der Stadt oder gemütlich auf der Landstraße unterwegs ist, macht das für ein Öko-Auto sogar verdammt viel Spaß. Denn zur genussvollen Stille der Stromer gesselt sich dann ihr hohes Anfahrdrehmoment: Wenn vorne 137 und hinten 195 Nm zupacken, dann wird es für die Prunkwagen aus Stuttgart oder München bisweilen schon ein bisschen schwer. Doch wehe, man hat es mal wirklich eilig oder es geht steil bergauf. So still es im Outlander im E-Modus zugeht, so nervtötend laut meldet sich dann der Benziner zu Wort. Und das schlimmste ist: Er macht viel Lärm um nichts. Denn wirklich flott voran kommt man auch mit der Kraft der drei Herzen nicht. Obwohl dann noch einmal 190 Nm ins Spiel kommen, dauert es bis Tempo 100 stolze 11,0 Sekunden. Und warum Mitsubishi das Spitzentempo auf 170 km/h limitiert hat, das wissen die Götter. Nicht dass man wirklich die ganze Zeit rasen muss, schließlich ist hier sparen und nicht spurten die Kunst. Doch wenn der Outlander das erste Öko-SUV für die Langstrecke sein will und auch für Urlaubsfahrten taugen soll, darf man die Kundschaft auf der Autobahn nicht derart ausbremsen.

Der Pionier wird kaum geadelt

In einem Fach unter dem Ladeboden ist das Ladekabel versteckt.

Davon abgesehen allerdings ist das SUV für die Steckdose eigentlich genau das richtige Auto zur rechten Zeit. Denn bei einem Normverbrauch von 1,9 und selbst bei leeren Akkus nur 5,8 Litern können auch Umweltbewegte ohne schlechtes Gewissen dem Trend zum Geländewagen folgen und sich bei 52 Kilometern elektrischer und über 800 Kilometern Gesamtreichweite darauf verlassen, was ihnen Produktmanager Stephan Denzer angesichts der üblichen Nutzungsprofile und des riesigen Kofferraums von 500 bis 1500 Litern verspricht: "Werkstags ohne Emissionen und am Wochenende ohne Einschränkungen."
 
Zwar ist der Outlander für die Steckdose tatsächlich eine kleine Revolution im großen Feld der Geländewagen. Doch weil er eben von Mitsubishi kommt und nicht von Mercedes, BMW oder wenigstens Toyota, wird es wohl für den großen Wandel nicht reichen. Das kennen die Japaner schon, die auch mit dem Benzindirekteinspritzer – damals im Carisma – und mit dem Elektroantrieb für den i-Miev ganz vorne dabei waren und dann irgendwie in Vergessenheit gerieten. So könnte es auch diesmal wieder laufen. Denn spätestens im nächsten Jahr packen auch Mercedes, BMW und Co ihre SUVs an die Steckdose.

Autor: Thomas Geiger

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