Mittel gegen Marderbisse

— 12.05.2005

Nur das hilft gegen Marder

Jetzt beißen sie wieder. Steinmarder zerstören bei Revierkämpfen Kabel, Schläuche und Gummis am Motor. Ein Test ergab: Nur ein elektrischer Zaun hält die Nager wirklich fern.
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Von Stefan Szych 
Kein Hausmittel hilft dauerhaft
Sie schwören auf kleine Säckchen mit Hunde- und Katzenhaaren, auf Ultraschall und Maschendraht. Sie wollen ihr liebstes Stück mit stinkenden Pasten und Zauber-Sprays schützen, hängen Toilettensteine und Mottenkugeln unter die Motorhaube. Wenn um Marder-Attacken geht, werden Deutschlands Autofahrer kreativ.

Schätzungsweise 100.000-mal beißen die geschmeidigen Räuber jedes Jahr unter den Motorhauben unserer Autos zu, zerstören Zündkabel, Gummidichtungen oder Schläuche. Nicht weil diese so lecker schmecken, sondern weil Marder gern spielen, neugierig sind und ihr Revier verteidigen. Die Folgen sind teuer: Zündaussetzer können den Katalysator zerstören, undichte Kühlmittelschläuche zu Motorschäden führen – aber welche Mittel wirklich gegen Marder wirken, weiß kaum einer.

Der Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen wollte es genau wissen. In mehreren Marder-Gehegen legten die Forscher präparierte Kabel und Schläuche aus, stellten Boxen mit Duftstoffen auf, beschallten die Schlafkiste eines Marders mit Ultraschall. "Keines dieser Hausmittel hat dauerhaft geholfen", sagt Dr. Beate Ludwig vom Arbeitskreis Wildbiologie.
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Ein kleiner Schlag auf die Schnauze
Ein Marder sucht nicht automatisch vor einem Geruch das Weite, nur weil der Mensch diesen für unerträglich hält. "Wir hatten Geruchstoffe, die wirklich eklig waren. Die Tiere störte das überhaupt nicht", so die Biologin. Auch speziell für die Marderabwehr gefertigte Duftund Bitterstoffe versagten durch die Bank. Ebensowenig hilft Ultraschall: Im Versuchsgehege verschlief der Marder den ganzen Tag direkt unter der Schallquelle.

Besser arbeiten Gitter oder Maschendraht unter dem Auto. Denn Marder haben Angst vor unbekannten Gegenständen, die so groß oder größer als sie selbst sind. Sie vermuten darin einen Feind. Haben die Tiere jedoch gelernt, daß das Teil harmlos ist, ist auch der Erfolg schnell vorbei.

Dauerhaft vertreiben nur Stromschläge die Marder. Unter www.kuk-schuster.de und www.mardersicher.de bieten zwei Firmen stromführende Metallplatten an, die unter das Auto geschraubt werden. Die Firma Votex (www.votex.de) verkauft eine Art Weidezaun Montage (siehe Foto), der die Marder mit harmlosen Stromschlägen verjagt. Preise der Bausätze: 80 bis 220 Euro.

Letztes Mittel sind Hartplastikrohre aus dem Baumarkt (Preis: rund fünf Euro/Meter), die über Kabel und Schläuche geschoben werden. Das ist zwar extrem umständlich, und es darf kein Bauteil vergessen werden, aber es ist eine preiswerte, funktionierende Lösung.
Was sucht der Marder unter der Haube?
Der Steinmarder (Martes foina) ist ein allesfressendes Raubtier. Als sogenannter Kulturfolger lebt er häufig in der Nähe des Menschen. Das 30 bis 40 Zentimeter lange, bis zu zwei Kilo schwere Tier schläft meist tagsüber und zieht sich dazu bevorzugt auf Dachböden zurück.

Der Marder grenzt sein Revier mit Duftmarken ab. Auf Streifzügen dreht er regelmäßig Runden auch durch Pkw-Motorräume. Normalerweise interessieren ihn dabei Schläuche und Kabel nicht. Schließlich frißt er statt Gummi oder Plastik lieber Kleinsäuger wie Mäuse, aber auch Regenwürmer, Vögel, Eier oder Früchte.

Riecht der Motorraum jedoch bereits nach einem anderen Marder, wird der Nager fuchsig – Konkurrenten kann er in seinem Revier nicht brauchen. Dann zerkratzt und zerbeißt er alles, was ihm zwischen die scharfen Reißzähne kommt. Vor allem jetzt, im Frühling, wenn er sein Revier neu absteckt.
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Oft zahlt die Teilkasko
Da die Versicherungs-Gesellschaften heute ihre Vertragsbedingungen frei gestalten können, kann ein Marderbiß je nach Gesellschaft und Police unterschiedlich versichert sein. Manche Versicherer bieten für den Marderschaden und seine Folgen eine gesonderte Police an.

Bei anderen Unternehmen wiederum ist er über die Teilkasko-Versicherung mit abgedeckt. Da jedoch die meisten Teilkasko-Policen mit einer Selbstbeteiligung abgeschlossen werden (in der Regel 150 Euro pro Schaden) und diese Summe im Schadensfall verrechnet wird, kommen viele Teilkasko-Versicherungen bei Marderschäden gar nicht zum Zuge, der Autobesitzer trägt den Schaden allein.

Folgeschäden wie etwa ein durch Zündaussetzer beschädigter Katalysator oder ein durch Kühlmittelverlust ausgelöster Motorschaden sind heutzutage bei einigen Versicherungen bereits eingeschlossen. Wer in einem Gebiet wohnt, in dem Autos oft von Mardern beschädigt werden, sollte deshalb bei Vertragsabschluß darauf achten.
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