Navis im Test: Mobil gegen Festeinbau

— 21.03.2013

Sensation: Billig lotst besser!

Mobile Navis kosten keine 300 Euro, Festeinbauten 3000 Euro und mehr. Sind die Navi-Systeme der Autohersteller den zehnfachen Preis wert? Der AUTO BILD-Test zeigt: Nein, die Technik ist meist veraltet.



Über 860 Staus mit zehn Kilometer Länge und mehr registrierte der ADAC zur Hauptreisezeit 2012. Insgesamt standen die Autos dabei auf mehr als 11 000 Kilometern. Glücklich war derjenige, dessen Navi den Stau frühzeitig kannte und eine sinnvolle Umleitung anbot. Doch welches Navigationsgerät liefert die aktuellsten Stauinfos? Um das zu klären, vergleichen wir die fest eingebauten Navigationsgeräte von Audi, BMW, Ford, Mazda, Mercedes, Renault und VW mit zwei mobilen Lotsen von Garmin und TomTom. Hier treten Live-Dienste gegen TMC und TMC Pro an.

Alle Testergebnisse sehen Sie oben in der Bildergalerie!

Telefon als Navigator: TomToms iPhone-Navigations-Software (Europa) gibt es für rund 90 Euro im App-Store.

Sind die sogenannten Live-Dienste besser als TMC und TMC Pro?
Ja. Die drei Tom- Tom-Lotsen (ein mobiler und zwei als Software in Festeinbauten) sowie die BMW Navigation Professional RTTI lieferten im Test stets aktuelle, genaue und eindeutige Informationen. Bei ihnen kann man sicher sein: Wird ein Stau angezeigt, ist da wirklich eine Schlange. Und sie endet wirklich dort, wo es das Navi zeigt. Metergenau. Die Umfahrungen waren gut bis sehr gut. TMC und TMC Pro dagegen meldeten oft alte Staus oder falsche Staulängen. Nur bei akuten Gefahren wie Falschfahrern oder Gegenständen auf der Straße ist TMC absolut zuverlässig.
Kannten die Echtzeit-Staumelder wirklich alle Staus? Nein, kein Gerät in unserem Test war ohne Fehler. Aber die Festeinbauten von Mazda und Renault (mit TomTom) sowie das BMW- und das mobile TomTom-Navi produzierten so gut wie keine Falschmeldungen.
So hat AUTO BILD getestet
Bei unserem Vergleich fuhren die sieben Festeinbau-Navis gegen das TomTom Go- Live 1015 und das Garmin NüLink 2390. Die Messstrecke enthielt besonders stauintensive Routen. Die Tester hielten fest, wann welches Gerät einen Stau meldet, wie exakt die Meldung ist und wie der Stau in der Karte angezeigt wird. Zusätzlich bewerteten wir die angebotenen Umleitungen. Die Fahrten wurden mehrfach wiederholt, um genauere Ergebnisse zu erhalten.
Warum schneiden die Festeinbauten überwiegend schlecht ab? Oft sind die Geräte vor sechs, acht Jahren entwickelt worden. Damals gab es noch keine Echtzeit-Staumelder. Also fehlen den Geräten heute die technischen Voraussetzungen, um die Echtzeit-Staumeldungen zu verarbeiten.

Lesen Sie auch: Navi-Skandal bei Ebay

Warum bieten Mazda und Renault Festeinbau-Navis mit Live-Diensten an, die meisten deutschen Hersteller aber nicht? Mazda und Renault ist es egal, ob Navis oder Stau-Software in ihren Autos von Fremdfirmen stammen und ob man das sieht. Sie kaufen die Lösung mit dem aktuellsten Staumelder dazu. Die deutschen Autohersteller wachen stur über ihre Autos, wollen alles selbst und möglichst nur unter ihrem Namen machen.
Was ist schlecht an dieser Taktik?
Dadurch verlieren die Hersteller bei der Navigation technisch den Anschluss. Beispiel Audi: Das Navi im brandneuen A3 steckt im sogenannten Modularen Infotainment Baukasten (MIB). Er wurde völlig neu entwickelt, damit neue Technik künftig leichter als Bausatz eingepasst werden kann. Aber der VW-Konzern nutzt das nicht, sondern riskiert hier einen Fehlstart: Statt einen Echtzeit-Staumelder von außen dazuzukaufen und damit BMW und seine Livedienste anzugreifen, startet der neue A3 mit dem veralteten TMC Pro.

So kommt der Verkehrsfunk ins Navi

Navigationsgeräte erhalten Staumeldungen aus verschiedenen Quellen. Der Gratis-Dienst TMC (Traffic Message Channel) ist ein frei empfangbarer Meldungsdienst. Er bedient auch den Verkehrsfunk im Radio.

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Stefan Szych

Stefan Szych

Kommentar

Bei unserem Stauwarner-Test blamieren sich die deutschen Autobauer: Staumeldungen in Echtzeit? Nein – Audi, Mercedes, Ford und VW vertrauen auf TMC oder TMC Pro, also Systemen aus der Verkehrsfunk-Steinzeit. Sogar das neu entwickelte Audi-Navi im A3 hat nur TMC Pro. Viel besser machen es Mazda und Renault, die auf TomTom mit präzisen Echtzeit-Warnungen bauen. Diese Systeme sowie das mobile TomTom sind billiger als das Angebot von VW und Co – und besser.



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