Navis im Test: Mobil gegen Festeinbau

— 20.10.2011

Wer führt besser aus dem Stau?

Festeinbau-Navigationsgeräte kosten 3000 Euro und mehr. Aber sind sie immer schneller und genauer als mobile Geräte für ein Zehntel des Preises? AUTO BILD hat getestet, welche Geräte im Stau besser helfen.

Neulich war ich mit Kumpel Klaus verabredet, Punkt 15 Uhr wollten wir uns treffen. Leider fuhren auch einige andere zu irgendwelchen Verabredungen. Folge: zäh fließender Verkehr, ich kam 20 Minuten zu spät. Und Klaus lästerte: "Hat dein kleines Navi die Übersicht verloren?" Da bot ich ihm eine Wette an: Wir steuern ein und dasselbe Ziel an, fahren streng nach den Anweisungen des Navigationsgeräts. Klaus mit seinem teuren Festeinbau, ich mit meinem mobilen Navi. Wer zu spät kommt, zahlt Kaffee und Kuchen. Ich war mir sicher: Klaus verliert. Was er nicht wusste: Die mobilen Navis sind oft schneller und genauer als Festeinbauten ab Werk.

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Die sehen zwar toll aus und ermitteln die Position des Autos auch mithilfe von Rad- und Lenksensoren. Doch ihre Stauinfos besorgen sie sich noch wie in der Auto-Steinzeit. Über Staumelder, Polizei oder Kontaktschleifen. Die mobilen Wegweiser greifen inzwischen auf viele Quellen zurück: Neben TMC (Traffic Message Channel) oder Navteq Traffic (TMCpro) nutzen diese "Live-Dienste" Bewegungsmuster von Navi oder Handy-Nutzern, Pkw und Lkw-Flotten. Ein Beispiel: Handys von Vodafone oder O2 melden ihre Position regelmäßig über Funkmasten an die Telefongesellschaft. Die anonymisiert dann diese Daten. Übrig bleiben GPS-Position und Geschwindigkeit. Daraus errechnet der Live- Dienst die Verkehrslage für die mobilen Geräte. Und zwar metergenau.

So kommt der Verkehrsfunk ins Navi

Navigationsgeräte erhalten Staumeldungen aus verschiedenen Quellen. Der Gratis-Dienst TMC (Traffic Message Channel) ist ein frei empfangbarer Meldungsdienst. Er bedient auch den Verkehrsfunk im Radio.

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Dass auch Autohersteller diese Technik beherrschen, zeigt BMW: Seit 1. September 2011 liefern die Münchener ihre Navigationsgeräte mit ConnectedDrive mit RTTI (Real Time Traffic Innformation) aus. Dafür nutzt BMW als Basis-Versorgung TMCpro. Es bietet Infos von ADAC-Staumeldern, Polizei, einigen Flottenfahrzeugen und Sensoren in der Straße und an Brücken. Zusätzlich werden die Bewegungsprofile von BMW-Fahrern mit Connected-Drive-Verträgen sowie die Bewegungsmuster von Kunden der Telefongesellschaft O2 eingespeist. Anonym. In einer BMW-eigenen Verkehrs-Managementzentrale werden zudem aktuelle Behinderungen wie Veranstaltungen oder Sperrungen eingepflegt. Heraus kommen Staumeldungen, die so gut sind wie die unseres Testsiegers, des TomTom-Navis fürs iPhone.

Oben in der Bildergalerie: So haben sich die Geräte bewährt!

Telefon als Navigator: TomToms Navigations-Software fürs iPhone gibt es für rund 90 Euro im App-Store.

Zurück zu unserer kleinen Wette. Ich habe diesen TomTom-Lotsen im iPhone. Und so verlor ich Klaus schon nach wenigen Kilometern aus den Augen. Während ich von der Hauptstraße abbog, fuhr er geradeaus weiter, direkt in den Stau. Sein Festeinbau mit TMC hatte den gar nicht auf dem Zettel. Das soll jedoch nichts heißen: Auch mobile Navis entscheiden sich schon mal gegen eine Umleitung, wenn die Zeitersparnis zu gering ist. Doch Klaus' Navi muss bis zum Ziel häufiger falsche oder ziemlich alte Staumeldungen erhalten haben. Ich habe jedenfalls 15 Minuten auf ihn gewartet, auf seinen Deckel Kaffee und Kuchen bestellt. Als er endlich kam, stammelte er: "Warum habe ich fast 3000 Euro für mein Navi bezahlt?"
Preise und Wertung: Festeinbau gegen mobiles Navi
Mobil
Hersteller TomTom/iPhone TomTom Go Live 1000 Garmin Navigon
System 89,99 Euro 299 Euro 239 Euro 299 Euro
Update gratis drei Jahre gratis ab 59 Euro 19,90 Euro
Stauwarner 29,90/Jahr zwei Jahre gratis im Preis enthalten 15 Monate gratis
Wertung 4 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 3 Sterne
Festeinbau
Hersteller BMW RTTI Mercedes Opel VW
System 3820 Euro 3117,80 Euro 1500 Euro ab 2225 Euro
Update drei Jahre kostenlos bei laufendem Connected Drive Vertrag drei Jahre gratis 199 Euro ab 239 Euro
Stauwarner drei Jahre gratis im Preis enthalten TMC/gratis TMC/gratis
Wertung 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 2 Sterne
Stefan Szych

Stefan Szych

Kommentar

Stauwarnungen in Echtzeit, gute Umleitungen – und das zu fairen Preisen. Dass so etwas geht, zeigen die mobilen Navis von Garmin, Navigon und TomTom. Die Autobauer hinken hinterher. Bis auf BMW setzen viele bei Festeinbauten auf alte, langsame und teilweise ineffektive Staumelder wie TMC und kassieren kräftig für deren oft schwache Leistung. Dabei sind Staumeldungen und die passenden Umleitungen so wichtig, schonen Nerven, sparen Zeit. Aber sie müssen günstig sein. Bei den mobilen Navis mit Live-Diensten ist das so. Weil die teuren Festeinbau-Geräte vieles nicht können, klebe ich mir lieber ein Billig-Navi an die Scheibe.

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