Nissan Pick-up 2.5 Di im Gebrauchtwagentest

Cockpit Nissan Pick-up 2.5 Di 4x4 Motor Nissan Pick-up 2.5 Di 4x4

Nissan Pick-up 2.5 Di im Gebrauchtwagentest

— 25.11.2010

Überteuerter Blender

Nissan Pickup 2.5 Di 4x4: ein rundum robuster Typ – mit konstruktiv krankem Motor. Der Gebrauchtwagen-Checker testet ein Exemplar der Version Navara Double Cab. Der ist das genaue Gegenteil.

Erst fällt der grüne Metalliclack ins Auge. Dann, dass er neu ist. Komplett? Tatsächlich, komplett. "War rundum verkratzt", erklärt der Händler. "Jedenfalls", versichert er, "hatte der Nissan keinen Unfall". Der Mann sollte es besser wissen – und vielleicht tut er dies sogar. Denn der Heckbereich kündet deutlich von einer Feindberührung. Die hat ganz klar nichts damit zu tun, dass die lieblos übergeduschte Ladefläche zerkratert ist wie ein Truppenübungsplatz nach dem Herbstmanöver. Unter der Motorhaube sieht der 2005er-Pickup mit Doppelkabine aus wie das Opfer einer Schlammlawine, innen wie ein runtergekommener Bauwagen. Inklusive öligen Flecken und zahlreichen Brandlöchern in den Polstern. Dazu stinkt das Interieur, als herrsche hier Seuchengefahr. Ohne Quaratäne-Overall und Latexhandschuhe auf zur Probefahrt? Soll ja die Abwehrkräfte stärken ...

Gebrauchtwagenbörse: Gebrauchte Nissan im Überblick

Diese Spuren stammen wohl kaum bloß vom schlichten Be- und Entladen des Nissan Pickup 2.5 Di 4x4.

Wenig überraschende Erkenntnisse der Tour: Bei Geradeausfahrt zerrt die Lenkung nach rechts, die Kupplung ist am Ende. Was mich indes überrascht, ist das Ausbleiben jeglicher gesundheitlicher Folgen. Und vor allem das einzig Positive an diesem ramponierten Pritschenwagen: der kräftig antretende Vierzylinder-Selbstzünder. Nicht, weil der so gar nicht mit dem kläglichen Rest des Fahrzeugs harmoniert. Sondern weil er normalerweise den einzigen Schwachpunkt dieser Baureihe darstellt. Wobei der Begriff Schwachpunkt untertrieben ist. Klar gesagt: Der Motor ist eine Fehlkonstruktion. Zumindest bezüglich der Anforderungen des deutschen Marktes. Klingt kryptisch? Die Erklärung folgt.

Verpfuschtes Facelift

1998 führte Nissan die intern D22 genannte Pick-up-Generation ein. Deren Antrieb: ein recht durstiger, aber sorgenarmer 2,5-Liter-Wirbelkammer-Turbodiesel mit 104 PS. Das große Facelift Anfang 2002 brachte dessen Erben, den 133 PS starken Direkteinspritzer. Und damit massive Probleme. Das kleinere betrifft den unzuverlässigen Öldruck-Kettenspanner, der für teure Motorschäden sorgen kann. Das größere lauert eine Etage tiefer: Mutmaßlich aufgrund zu knappen Kolbenspiels überhitzen die Brenneinheiten zwei und drei, die Folgen sind Kolbenkipper und -klemmer sowie brechende Kolbenbolzen – in der Folge zerschlagen die Pleuel schließlich die Motorblöcke.

Teurer Schaden

Stichwort Deutschland: Dieses Horrorszenario ereignet sich praktisch nur bei Reisetempi über 120 km/h – auf der Autobahn. Dort aber schockierend häufig: Bei unserer Leserbefragung beklagten sage und schreibe 32 Prozent aller Eigner dieses Modells mindestens einen kapitalen Motorschaden – mit Folgekosten, die bisweilen im fünfstelligen Euro-Bereich rangierten. Wobei der eigentliche Skandal darin liegt, dass Nissan den schwerwiegenden Konstruktionsmangel seit 2002 weder eingestanden noch kuriert hat. Im Gegenteil: Die 133-PS-Zeitbombe, die 2005 vom aktuellen Navara (171/174 PS) abgelöst wurde, ist seit 2009 als Modell NP 300 wieder neu und unverändert zu haben.

Finger weg – oder vorsichtig fahren

Cooler Typ mit krankem Motor. Wer sicher ist, dass er nie über 120 km/h fahren will, kann sich an ihn ranwagen.

Kulanzregelung? Nach wie vor Fehlanzeige. Lediglich gibt es den Motor inzwischen im Austausch. Zurück zu meinem übel zugerichteten Probanden. Mithin zur Frage, warum dessen Diesel noch so gut im Saft steht. Weil er noch nie die Bundesautobahn sah, könnte man gehässig sagen. Tatsächlich wurde das Auto gerade erst aus Spanien importiert, wo es offenbar als Baufahrzeug diente. 12.850 Euro soll es jetzt kosten. 11.500 halte ich für okay – bei gutem Zustand. Womit sich jeder weitere Kommentar erübrigt. Fazit: Wer diese Karre – für wie viel Geld auch immer – kauft, ist selbst schuld. Was genau genommen für die ganze Baureihe gilt. Mein Tipp, wenn es unbedingt Nissans Pick-up-Klassiker sein muss: zum neuen Grauimport für nur 16.000 Euro greifen – und dann gaaanz vorsichtig fahren. Vor allem nie über 120.

Autor: Wolfgang Blaube

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