Plug-in-Hybridautos: Verbrauchswerte — 15.08.2011
Zu grün, um wahr zu sein
Plug-in-Hybride tanken Benzin und laden Strom an der Steckdose. Dank einer Zauberformel der EU purzeln die Verbräuche. Während Hersteller sich ihre Flottenverbräuche schönrechnen, ist die Käuferverwirrung perfekt.
Als
BMW das 354-PS-Sportwagen-Konzept i8 der Weltpresse präsentierte, verkündeten die Bayern einen geradezu traumhaften Verbrauch für das Zukunftsmodell: 2,7 Liter, ein Wert aus der Lupo-Liga. Da es sich bei dem i8 um eines jener Plug-in-Hybridautos handelt, die rein elektrisch fahren können und bei denen bei leerem Akku ein Verbrenner als Notstromaggregat anspringt, hängt der echte Verbrauch jedoch stark vom individuellen Fahrprofil ab. Je kürzer die Abstände, in denen der Akku über ein Ladekabel wieder aufgeladen wird, desto geringer der Verbrauch. Das ist gut für Kurz-Pendler, aber schlecht für Langstreckenfahrer. Der sagenhaft niedrige Verbrauch des
BMW i8 tut dem Flottenverbrauch des Herstellers im Hinblick auf EU-Vorgaben gut.
Der offizielle Traum-Verbrauchswert des Audi A1 e-tron: 1,9 Liter auf 100 Kilometer.
Toyota nennt für den
Prius Plug-in (ab Mitte 2012) 2,6 Liter, beim
Audi A1 e-tron sind es gar nur 1,9 Liter. Verwirrende Werte – und zu grün, um wahr zu sein. Ursache der Verbrauchs-Verzerrungen ist die ECE-Norm R 101. In ihr ist für Plug-in-Hybridautos ein gut elf Kilometer langer Fahrzyklus festgelegt: eine Stadt- und eine Überlandfahrt, die die Plug-ins zweimal durchfahren – mit vollen und mit leeren Akkus. Also zuerst mit dem Elektromotor, anschließend auch mit dem Verbrenner. Über eine Formel werden beide Werte kombiniert. Problem: Weil im E-Betrieb kein Sprit verbraucht wird, fließt dieser Wert mit null ein, obwohl bei der Produktion einer Kilowattstunde 575 Gramm CO2 entstehen (Ökostrom: 40 g/kWh) und der Autofahrer den Strom bezahlen muss.
| Berechnung des Verbrauchs von Plug-in-Hybridautos nach ECE-Norm R 101: |
| C = (De x C1 + Dav x C2)/(De + Dav) |
| C = Gesamtverbrauch in l/100 km,
C1 = Kraftstoffverbrauch bei voll aufgeladenem Akku,
C2 = Kraftstoffverbrauch bei leerem Akku,
De = rein elektrische Reichweite,
Dav = 25 km (angenommene durchschnittliche Strecke zwischen zwei Akkuaufladungen) |
Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland fordert: "Energiekosten und die dazugehörigen Emissionen müssen auf den reinen Benzinverbrauch aufgeschlagen werden." Potenzielle Käufer brauchen tatsächlich drei Messgrößen, um richtig kalkulieren zu können: • den Stromverbrauch im Elektromodus • den Benzinverbrauch, wenn der Verbrenner läuft • elektrische Reichweite. Erst dann kann jeder anhand seines Fahrprofils errechnen, was sein Plug-in wirklich verbraucht. Diese Werte liegen zwar vor, die EU-Zauberformel aber verschleiert sie. "Die Verbrauchsmessung muss generell verändert werden", fordert Nikolaus Steininger von der zuständigen EU-Behörde. Bis 2014 soll ein neuer, weltweit geltender Fahrzyklus fertig sein. Bis dahin soll auch die erste Mercedes
S-Klasse als Plug-in-Hybrid auf dem Markt sein. Daimler hat bereits einen spektakulären Verbrauch angekündigt: unter vier Liter ...
Kommentare zum Artikel (4)
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Zusätzlich zu diesem angegeben Verbrauch wird auch der gewichtete Stromverbrauch ermittelt. Diesen sollten (oder müssen) die Hersteller zusätzlich angeben.
Da sehen wir mal ganz schön den Hauptgrund solcher politischer Vorgaben. Dem Verbraucher seine Produkte, die er besitzt madig machen und ihn zu Neukauf zu bewegen. Natürlich ist eine solche Vorgabe genau abgestimmt auf die neuen Produkte, die die Industrie liefern kann, das wird im Vorfeld exakt abgeklärt. Wie faustdick derartige "Fürsorge-Lügen" sind, lässt sich an diesem Beispiel schön erkennen, wo der Stromverbrauch zu Null (Kosten und Emissionen) angesetzt wird.
Nur eine Verlagerung von Sprit- zu Stromverbrauch.
Zunächst wichtig sind aber Aerodynamik + Leichtbau!
liebe Autobild,
darum handelt es sich bei der Vorgabe ja um eine Festlegung den Verbrauch zu messen.
Den CO2 Ausstoss und die Kosten kann - und will - man daran nicht fest machen.
Der Verbraucher hat ja eine Wahlfreiheit durch den Anbieter CO2 und Kosten zu beeinflussen - was er beim Benzin / Diesel nicht oder nur ganz wenig kann.
LG