Poker um VW's Scania- und MAN-Anteile

Chrysler 300 (2011) Chrysler 300 (2011)

Poker um VW's Scania- und MAN-Anteile

— 12.01.2011

Fiat meint es ernst

Zuerst klang es wie ein Scherz: Fiat-Chef Marchionne will die VW-Anteile an Scania und MAN übernehmen. Jetzt bestätigte ein Fiat-Sprecher, das Angebot sei ernst gemeint.

(dpa) Fiat will Volkswagen die Beteiligungen an den Lastwagenherstellern MAN und Scania abkaufen. "Dieses Angebot ist absolut ernst gemeint", sagte ein Fiat-Sprecher am 12. Januar 2011 und stellte damit klar: Konzernchef Sergio Marchionne hat nicht gespaßt. Marchionne hatte nur Stunden zuvor vor Journalisten den Eindruck erweckt, er habe am Vortag einen Witz gemacht, als er das Thema erstmals angesprochen hatte. Am 10. Januar hatte Marchionne sein Interesse an den Lastwagen-Beteiligungen von Volkswagen geäußert. Er reagierte damit auf andauernde Nachfragen, ob Volkswagen denn nun die Fiat-Konzerntochter Alfa Romeo schlucken werde. Der Fiat-Chef drehte den Spieß kurzerhand um: Wenn sich VW von seinen Anteilen an MAN und Scania trennen wollte, stünde Fiats Nutzfahrzeugsparte bereit, hatte Marchionne zur Verwunderung der Fachwelt gesagt.

Fiat-Chef Sergio Marchionne treibt nicht nur die Fiat-Chrysler-Ehe voran. Jetzt scheint er auch Interesse an Scania und MAN zu haben.

Fiat hat seine Iveco-Lastwagen samt Land- und Baumaschinen gerade erst unter dem Namen Fiat Industrial als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Vielleicht wolle VW dem Beispiel folgen und sich auch rein auf Pkw konzentrieren, hatte Marchionne gesagt. Alfa Romeo wolle er jedenfalls nicht hergeben: "Wir haben kein Interesse daran, zu verkaufen."

Unterdessen hat Fiat seinen Anteil am US-Autobauer Chrysler von 20 auf 25 Prozent erhöht. Dies gaben die beiden Konzerne am 10. Januar 2011 auf der Detroit Auto Show bekannt. In der Zusammenarbeit ändere sich dadurch aber nichts, sagte Doppel-Chef Sergio Marchionne. Fiat kontrolliert Chrysler de facto bereits seit dem Neustart nach der Insolvenz vor anderthalb Jahren. Die Anteilsaufstockung ist Teil einer Abmachung mit der US-Regierung, die Chrysler mitmilliardenschweren Hilfen vor dem Untergang bewahrt hatte. Fiat will seinen Anteil weiter auf 35 Prozent erhöhen und lotet auch eine Mehrheitsübernahme aus.

Eine Komplettübernahme Chryslers steht indes nicht zur Debatte. Chrysler soll stattdessen an die Börse zurückkehren – mit einem starken Großaktionär Fiat. Spekuliert wird, dass der Börsengang zum Jahresende 2011 über die Bühne geht. Marchionne sagte aber, erst mal müsse Chrysler einige Quartale unterm Strich Gewinn schreiben. Er sei jedoch zuversichtlich, dass der Börsengang komme. Marchionne will aus Fiat und Chrysler einen neuen, großen Autokonzern schmieden. Italienische Technik soll die amerikanischen Autos bei den Kunden wieder populär machen. Die Verkaufszahlen weisen bereits nach oben, die Verluste nehmen ab. Der Stuttgarter Daimler-Konzern war einst grandios bei Chrysler gescheitert.

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