Video: Kommentar Porsche 718 Cayman

"Mir fehlt der Spaß im Porsche"

Mögen echte Kaimane ja vorrangig fetten Fischen oder saftigen Kröten hinterherjagen – bei uns muss der gemeine Cayman mit trockenerer Beute klarkommen. Sind sie in unserem Auftrag unterwegs, müssen Typen wie Porsches neuer Mittelmotor-Star Staub fressen und auf der Rennstrecke beweisen, wie viel Biss sie tatsächlich haben. So viel verraten wir schon mal: Der neue Porsche Cayman – Beiname 718 – macht im Vergleich zum giftigen Vorgänger einen eher lustlosen Eindruck. Doch der Reihe nach.

Mit den beiden Zylindern geht auch viel Flair verloren

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Vierzylinder-Boxer mit Turbo: Nach dem Downsizing spielt der Cayman nicht mehr so befreit auf wie früher.
Bild: Toni Bader
Erst mal zu den wichtigsten Neuerungen: Im 718 kommt statt eines großvolumigen Sechszylinders ein Vierzylinder-Boxer mit zwei Liter Hubraum und Turboaufladung zum Einsatz. Das soll Sprit sparen, gleichzeitig (dank ausgeklügelter Abgasaufladung) den Drehmomentverlauf verbessern. Das Design hat Porsche ebenfalls geschärft, dazu gibt's Feinschliff am Fahrwerk (zum Beispiel dank variabler Stoßdämpfer) sowie stärkere Bremsen. Den Charakter eines Porsche aber prägt sein Motor. Das war immer so, das ist auch so geblieben. Allerdings nicht mehr ausschließlich im positiven Sinne. Die Maschine klingt künstlich aufgepäppelt, wird unter Last statt wonnig-gierig eher unangenehm laut und tourt wie an einer unsichtbaren Fessel geführt aus. Weder vom explosiven Wesen noch von der Drehfreude des Vorgängers ist viel übrig geblieben.
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An den Fahrleistungen gibt es nichts zu meckern

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Über jeden Zweifel erhaben: Tempo 100 erreicht der 718 in 4,4 Sekunden, maximal sind 275 km/h drin.
Bild: Toni Bader
Vom berauschenden Klangbild erst recht nicht. Auch liegt gefühlt stets eine kleine Schicht Flausch zwischen Fußsohle und Gaspedal. Das berüchtigte Turboloch haben Porsches Techniker nicht ganz zugeschaufelt – trotz großem Aufwand in Sachen Ladedruckregelung. Außerdem wirkt der Motor beim Ausdrehen (tatsächlich schafft er über 7500 Touren) unerwartet abgemüht. Gucken wir auf das Messblatt, macht der 718 seine Sache objektiv sehr ordentlich. Den Spurt auf Tempo 100 hakt er in 4,4 Sekunden ab, 275 km/h Spitze sprechen für sich. Der Porsche liegt sicher und trotz Mittelmotorbalance erfreulich unkapriziös. Allerdings tut er sich im 100-Prozent-Betrieb – also im harten Kampf auf der Ideallinie einer Handlingstrecke – viel schwerer als gedacht.
Dem Cayman fehlt irgendwie der Klebstoff an der Vorderachse. Unter Last und in engen Kehren schiebt er leicht schmierend über die Vorderräder nach außen. Der Effekt verstärkt sich mit heißen Reifen, selbst der Bremspunkt verschiebt sich dann in Richtung "länger". Kein Drama, schließlich startet die Verschiebung aus höchstem Niveau: Die Keramikbremsanlage ankert "porschig", das Pedalgefühl bleibt stets echt, 32,2 Meter sind möglich. Oder anders gesagt: Die Bremse, die beißt noch!

Fazit

Keine Frage, der Cayman ist wie gehabt ein sehr schnelles Auto, dabei ungemein fahrsicher. Er ist aber nicht mehr so faszinierend, so betörend, so aufregend wie einst.