Porsche 911 GT2 gegen Honda CBR 1000 RR

— 04.10.2007

Duell am Ring

Die alte Stammtischfrage: Wer ist schneller, Auto oder Motorrad? Zwei Männer und ihre Maschinen sollen eine endgültige Antwort liefern: Walter Röhrl im Porsche GT2 und Helmut Dähne auf einer Honda CBR 1000 im Zweikampf auf der Nordschleife.



Die Entscheidung fällt im Morgengrauen. Um Punkt sieben Uhr, zehn Minuten vor Sonnenaufgang, betritt Walter Röhrl den Asphalt der Nordschleife, dessen Temperatur um diese Zeit sieben Grad beträgt. Er geht in die Knie und legt dem Ring seine Hand auf. "Trocken", sagt Röhrl mehr zu sich selbst, "aber die Feuchtigkeit wird bald kommen, sogar wenn die Sonne steigt. Du siehst die feuchten Stellen nicht. Du denkst, das könnte auch dunkler Straßenbelag sein, und dann...", Röhrl reißt ein unsichtbares Lenkrad mit beiden Händen wild herum, "... passiert das hier." Hinter ihm steht Helmut Dähne in seinem berühmten roten Rennanzug. Er lächelt, er nickt. Und dann sagt er: "Auf geht's, Walter. Pack mer's."

Zwei Altmeister klären die ewige Stammtischfrage

Konkurrenten in der grünen Hölle: Helmut Dähne (links) und Walter Röhrl.

Konkurrenten in der grünen Hölle: Helmut Dähne (links) und Walter Röhrl.

Röhrl (60), Rallye-Weltmeister, Motorsport-Legende, seit 15 Jahren Chef-Testfahrer bei Porsche, und Dähne (62), 15-facher deutscher Motorradmeister und Rundenrekordhalter auf der Nordschleife – sie treten an diesem sonnigen Herbstmorgen zum Duell am Ring an. Sie wollen ein für allemal die alte Stammtischfrage klären, was denn nun schneller ist: Auto oder Zweirad. Sie wollen ausloten, wo welches Fahrzeug Vorteile hat, und wie sie sich auf die Rundenzeit auswirken. Wo spielt die Honda ihr besseres Leistungsgewicht (172 PS bei 205 kg) im Vergleich zum Porsche (530 PS bei 1440 kg) aus? Wo nutzt das Auto seine gegenüber dem Motorrad rund 20-mal so große Auflagefläche? "Ich fürchte", sagt Helmut Dähne als er sich die Stiefel anzieht, "gegen die Kombination aus GT2 und Walter wird es verdammt schwer."

Mit Tempo 270 durchs Schwedenkreuz

Sprintmonster: Von 0 auf Tempo 300 benötigt der GT2 gerade einmal 33 Sekunden.

Sprintmonster: Von 0 auf Tempo 300 benötigt der GT2 gerade einmal 33 Sekunden.

Ein paar Meter weiter schwingt sich der vielleicht beste deutsche Autofahrer aller Zeiten elegant hinter das Steuer des roten Sportwagens. Er hat dieses Modell mehr als anderthalb Jahre lang abgestimmt, ist mehr als ein Dutzend Mal mit dem GT2 auf der Nordschleife gewesen, hat Dämpfer und Federn immer wieder um Nuancen verändert. "Kollege Computer", so Röhrl, "leistet inzwischen echt gute Arbeit. Der erste Prototyp, den ich zu fahren bekomme, stimmt schon zu 90 Prozent." Röhrls Ziel war es, einen echten Sportwagen zu entwickeln, der im Grenzbereich so gutmütig ist, wie es ein derartiges PS-Monster überhaupt sein kann. "Der Übergang von Haftreibung zu Gleitreibung sollte weich sein", sagt Röhrl.

Dann rollt er auf die Strecke, die Sonne guckt gerade so über die Baumwipfel. Der GT2 klingt überraschend sanft im Vergleich zum GT3 mit seinem Saugmotor. Nun macht Röhrl ernst, jagt mit Tempo 270 durch die Linkskurve Schwedenkreuz, "obwohl das an der Grenze ist und ich mich inzwischen frage: Brauchst du das noch?" Er verdrängt diese Gedanken schnell wieder. Dann die Fuchsröhre runter, das Kurvengeschlängel geht auch mit Vollgas. Bis er irgendwann zu den Sprungkuppen am Schwalbenschwanz kommt, die er so liebt. Auf der Döttinger Höhe beschleunigt Röhrl auf 302 km/h. "Der GT2 hat einen unheimlichen Schub aus den unteren Drehzahlen. Das geht schon bei 1950 Touren los." Bei 1950! Nicht etwa bei "knapp 2000". Im Ziel bleibt die Uhr bei 7:32,18 Minuten stehen. Dähne murmelt etwas, das sich wie "unglaublich" anhört. Dann macht er sich bereit.

Die Honda braucht einen aufmerksamen Piloten

Superbike: 172 Vierzylinder-PS sind auch für Profis schwer zu beherrschen.

Superbike: 172 Vierzylinder-PS sind auch für Profis schwer zu beherrschen.

Helmut Dähne kennt Walter Röhrl seit Anfang der 80er Jahre. Damals machte Röhrl mit seinem Bimota-SB3-Motorrad ein Fahrertraining am Nürburgring. Dähne war sein Lehrer. Doch ein Zweirad war Röhrl immer irgendwie suspekt, zu gefährlich. Ein Unfall sei nur eine Frage der Zeit. Vier Monate später verkaufte er die Maschine wieder. Dähne aber liebt "mei Motorradl". Mit 21 fuhr er erstmals die Nordschleife, 1993 stellte er auf einer Honda RC30 den noch heute gültigen Rundenrekord für Zweiräder auf: 7:49,72 Minuten. Inzwischen ist er den Eifelkurs "ein paar tausend Mal" gefahren. Jetzt schlurft er leicht vornübergebeugt zum feuerroten Superbike. Jetzt muss er auf der Strecke eine Antwort geben. Doch schnell wird klar: Das Motorrad hat keine echte Chance auf der 20,8 Kilometer langen Berg-und-Talbahn. Keine Vorteile beim Anbremsen, und in den Kurven ist es aufgrund der schmalen Reifen (vorn 120 Millimeter, hinten 190 Millimeter) deutlich langsamer als das Auto.

Und auch beim Herausbeschleunigen zieht die Honda dem Porsche trotz des besseren Leistungsgewichts kaum davon. "Da musst du viel zu sehr aufpassen, dass du dich nicht querlegst und abfliegst", sagt Dähne. Seine malträtierten Schultern könnten noch mehr erzählen. Auf der Döttinger Höhe schafft Helmut Dähne kurz Tempo 257. "Früher", sagt er, "hat es mit dem Motorrad noch Spaß gemacht. Heute ist es Ernst. Man ist mehr am Kämpfen." Sein Kampf reicht für eine Zeit von 8:12,62 Minuten. Das Rennen ist entschieden. Der Verlierer gratuliert dem Sieger, doch es scheint, als würde Walter Röhrl eher Erleichterung als Freude empfinden. Erleichterung darüber, dass Dähne gesund wieder vom Bock steigt. Röhrl sagt offen, was er vom Motorradfahren auf der Nordschleife hält: nichts. Eine Revanche mit vertauschten Fahrzeugen lehnt er lachend ab. Helmut Dähne sagt: "Ein guter Motorradfahrer ist mit einem Auto auf der Nordschleifen vergleichsweise viel schneller als ein guter Autofahrer auf einem Motorrad." Aber das ist eine andere Geschichte.

Honda CBR 1000 RR Fireblade: Vierzylinder, quer • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 998 cm³ • Leistung 126 kW (172 PS) bei 11.250/min • max. Drehmoment 115 Nm bei 10.000/min • Hinterradantrieb durch Kette • Sechsganggetriebe • Radaufhängung vorn Upsidedown-Gabel, hinten Zentralfederbein (Unit-Pro-Link-Schwinge) • Bremsen vorn 320 mm Doppelscheiben, hinten 220 mm Einscheiben • Reifen vorn 120/70 ZR 17, hinten 190/55 ZR 17 • L/B/H 2030/720/1120 mm • Radstand 1405 mm • Leergewicht 205 kg • Tankinhalt 18 l • Zuladung 180 kg • Höchstgeschwindigkeit 287 km/h Preis: 13.540 Euro

Porsche 911 GT2: Sechszylinder-Boxer, Turbo, hinten längs • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 3600 cm³ • Leistung 390 kW (530 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment 680 Nm bei 2200/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung v./h. • Keramik-Scheibenbremsen, innenbel. v/h Reifen vo. 255/35 ZR 19, hi. 325/30 ZR 19 • L/B/H 4469/1852/1285 mm • Radstand 2350 mm • Leergewicht 1440 kg • Kofferraumvolumen 105 l • Tankinhalt 90 l • Zuladung 310 kg • Beschleunigung 0-100 km/h in 3,7 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit 329 km/h • Verbrauch (EU-Mix) 12,5 l SP/100 km • CO2 298 g/km • Preis: 189.496 Euro

Die Fahrer im Steckbrief

Walter Röhrl: Geboren am 7. März 1947. Kaufmännische Lehre im Bischöflichen Ordinariat Regensburg. Mit 21 Debüt als Rallyefahrer in einem Fiat 850. 1980 und 1982 wird Walter Röhrl Rallye-Weltmeister mit Fiat und Opel. Außerdem fährt Röhrl für Mercedes und Lancia, ab 1984 ist er Audi-Werksfahrer. Seit 1993 arbeitet Röhrl als Test- und Entwicklungsfahrer sowie als Repräsentant für Porsche. Walter Röhrl lebt mit seiner Frau Monika in St. Englmar im Bayerischen Wald.

Helmut Dähne: Geboren am 29. November 1944. Er erlernt den Beruf des Kfz-Mechanikers bei BMW. Früh entdeckt er seine Leidenschaft für den Motorradsport. Mit 21 fährt Dähne erste Geländerennen. 1976 gewinnt er das legendäre Rennen auf der Isle of Man. 1993 holt er den letzten seiner 15 DM-Titel. Dähne startete bei 372 Rennen, von denen er 126 gewann. Sein Rundenrekord auf der Nordschleife gilt noch heute. Dähne ist ledig, lebt in München. Als Beruf gibt er "PR-Manager und Rentner" an.

Autor: Hauke Schrieber

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