Porsche 911 GT3 RS im Test

Porsche 911 GT3 RS: Test

— 24.08.2015

Der Gipfel der Porschigkeit

Der Farbton mag ja auf einen zweiten Medaillenrag hinweisen – der Rest des hier getesteten Porsche 911 GT3 RS steht jedoch für Sieg. Anschnallen!

Video: Porsche 911 GT3 RS (2015)

GT3 RS im Tracktest

Ein Rennwagen für Rundstrecke und Alltag soll der 911 GT3 RS laut Marketing-Sprech sein. Haha! Selten so gelacht, Porsche. Mag ja sein, dass die Werber den rassigsten aller Elfer so gern ein bisschen in die Brötchen-hol-Ecke rücken wollen. Wir nicht! Wir haben es nämlich erlebt: Wer dem aktuellen RS Alltagstauglichkeit nachsagt, setzt auch das Sadomaso-Elaborat "Shades of Grey" mit einem Mickymaus-Heftchen gleich. Der RS ist so laut, so hart, so zappelig-fordernd – das tut einfach nur weh. Wir sind begeistert!

Mit alltäglichen Autoaufgaben hat der Wagen wenig am Hut

Alltagstauglich? Nein, definitiv nicht! Es sei denn, man ist zufällig Rennfahrer und beruflich unterwegs.

GT3 RS – dieser Typ wird nicht an jeder Ecke stehen. Um die 2500 wird es wohl geben, die meisten sind bereits verkauft. Dabei ist er mit einem Basispreis um rund 181.000 Euro sündhaft teuer. Fahrer und Beifahrer müssen sich von knallharten Schalensitzen in die Hüften piksen lassen, im Fond darf eine Handvoll Gepäck hinter den schwedischen Gardinen des stählernen Überrollkäfigs versauern. Und überhaupt: Im neuesten GT3 steckt allein ob der technischen Ausstattung deutlich mehr "24 Stunden Le Mans" als Feierabend in Lemgo. Beispiel: Statt einer Taste für eine Einparkhilfe gibt’s die Funktion Pit Speed – eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Boxengassen. Alles klar!? Also, Porsche, genug geschmunzelt. Widmen wir uns der Rundstrecken-Thematik. Denn die Rolle des wüsten Wettbewerbsrenners mit Nummernschild übernimmt der Ballermann eindeutig. Gebaut, um fix von Start nach Ziel zu kommen, vor Kurven spät zu bremsen, maximal schnell am Scheitelpunkt entlangzurauschen – und als Erster an der karierten Flagge vorbeizudonnern.
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Im Heck traben die Pferde lässig von der Kurbelwelle

Darunter steckt der Treibsatz: Die Asphalt-Rakete wird von 500 Boxer-PS mächtig unter Dampf gesetzt.

So etwas schafft man nicht allein mit einem dicken Motor unter der Haube. Zum 500 PS starken Vierliter-Boxer-Sauger steckt Porsche entsprechend hochkarätiges Beiwerk unter die aufgeplusterte 911-Turbo-Hülle. Zum Beispiel helfen Polycarbonat (hintere Scheiben), Magnesium (Dach) oder auch Kohlefaserkunststoff (Klappen, Kotflügel), das Gewicht zu drücken. Ausgefeilte Aerodynamik inklusive Monumental-Heckflügel presst den RS zudem mit Extra-Abtriebskraft auf die Straße. Spur verbreitert, Reifen klebrig (hinten wahnwitzige 325er), Achslenker extrasteif, Quersperre variabel – so krallt sich das Chassis zusätzlich in den Teer. Andere Tricks wie eine Allradlenkung, Keramik-Verbund-Bremsscheiben oder die Sportfunktion der Automatik holen dann die letzten Zehntelsekunden aus der gestoppten Rennrunde. Nach 1:28,34 Minuten hat der RS die 3,8 Kilometer des Contidroms dann auch einkassiert. So souverän hat hier noch keiner die Goldmedaille gegrabscht, selbst stärkere Konkurrenten müssen passen. Wie kommt’s?

Die Fahrmaschine klebt geradezu am Straßenbelag

Unfassbar: Wer den Drift nicht provoziert, erlebt im GT3 RS Grip jenseits der Glaubwürdigkeitsschwelle.

Weil der RS den Zaubertrank aus Antrieb, Aerodynamik und Fahrwerk wohl direkt aus dem Kessel geschlürft hat. Wie vom Katapult abgezogen stürzt sich der RS auf die Geraden. Sein Boxeraggregat tourt kreischend bis dicht vor die 9000er-Marke im Drehzahlmesser. In Kurven addieren sich die irre Seitenführung der griffigen Vorderräder sowie das millimetergenaue Einlenken zum schaurig-schönen Achterbahn-Spaß. Zackig, bombenfest in der Spur, an Gesichtsmuskeln reißend. Fliehkräfte und mechanischer Grip des Elfers ringen wie zwei Kirmes-Grizzlys miteinander. Porschebär gewinnt und tritt auch sonst der Physik in den Allerwertesten. Beim Bremsen aus Tempo 200 (wir haben übrigens um die 120 Meter gemessen, sensationell!) möchte die Frontscheibe aus ihrem Rahmen flüchten. Ähnlich spektakulär geht es beim Beschleunigen zu: Irgendetwas muss sich zwischen Gummi und Straßenbelag gedrängelt haben. Klitzekleine Zahnräder? Wahrscheinlich. Denn durchdrehende Reifen kommen nur nach einem Gewaltstart oder im provozierten Drift vor.

Auffällig: Erst nach mehreren Runden stimmt die gedankliche Verknüpfung aus Vertrautheit mit dem Auto und der Haltung des rechten Fußes. Die extrem spitz ausgelegte Lenkung mag nämlich keine deutlichen Korrekturen bei hohem Tempo, an den Abtriebseffekt muss man sich ohnehin sachte herantasten. Das typische Wimmern und Davonschwimmen von Reifen im Grenzbereich fällt hier und heute aus – zu sorgfältig geführt peitscht der RS über den Kurs. Effektiv, beherrschbar und rekordverdächtig schnell. Das Ergebnis in Zahlen haben wir ja schon verraten. In ein Gefühl gepackt hieße das: Selten so gegrinst ...
Fahrzeugdaten Porsche 911 GT3 RS
Motor Sechszylinder-Boxer
Einbaulage hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 3996 cm.
kW (PS) bei 1/min 368 (500)/8250
Nm bei 1/min 460/6250
Vmax 310 km/h
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung v. 265/35 ZR 20/h. 325/30 ZR 21
Reifentyp Michelin Pilot Sport Cup 2
Radgröße v. 9,5 x 20"/h. 12,5 x 21"
Abgas CO2 296 g/km
Verbrauch* 19,2/8,9/12,7 l
Tankinhalt 64 l/Super plus
Kältemittel R134a
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine
Kofferraumvolumen v. 125 l/h. 260 l
Länge/Breite/Höhe 4545/1880-1978**/1291 mm
Testwagenpreis 192.472 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Porsche 911 GT3 RS
Beschleunigung
0–50 km/h 1,4 s
0–100/130 km/h 3,4/5,2 s
0–160/200 km/h 7,4/11,4 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 1,6 s
80–120 km/h 2,0 s
Leergewicht/Zuladung 1481/239 kg
Gewichtsverteilung v./h. 38/62 %
Wendekreis links/rechts 11,0/10,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 32,3 m
aus 100 km/h warm 31,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 69 dB (A)
bei 100 km/h 76 dB (A)
bei 130 km/h 80 dB (A)
Testverbrauch – CO2 14,4 l – 341 g/km
Reichweite 440 km

Porsche GT3 RS im ersten Test

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Dieser Artikel handelt vom Porsche GT3 RS (Test).

Veröffentlicht:

17.08.2015

Preis:

1,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Es mag stärkere Porsche-Modelle geben. Bequemere sowieso. Egal – der GT3 RS ist der rassigste Elfer, er verdichtet Porsche-Tugenden in ein Purismus-Atom. Faszinierend, authentisch und irre schnell. Unseren Rundenrekord knackt der RS quasi nebenbei – besser geht’s nicht!

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