Porsche Cayenne

Porsche Cayenne Porsche Cayenne

Porsche Cayenne

— 23.05.2002

Der Rennwagen fürs Gelände

450 PS, 0–100 km/h in 5,6 Sekunden, 266 Spitze: Im Herbst 2002 startet die schärfste Versuchung, seit es Offroader gibt. Mit dem Cayenne betritt Porsche vollkommen neues Gelände.

Porsche lässt es im Gelände krachen

Porsche mit Allradantrieb leisteten schon immer Besonderes. Bereits 1955 kletterte der Jagdwagen Typ 597 erfolgreich über Stock und Stein, rund 30 Jahre später setzte die Straßenversion des legendären 959 neue fahrdynamische Maßstäbe. So weit die glänzende Historie, die von der näheren Zukunft aber mit Sicherheit noch übertroffen wird. Denn ab Herbst 2002 soll der Porsche Cayenne den perfekten Mix aus beidem liefern: einen rassigen Rennwagen selbst für grobes Gelände.

Der erste Fünftürer der Firmengeschichte bringt dafür die allerbesten Voraussetzungen mit, dürfte Mercedes M-Klasse und BMW X5 das Leben ziemlich schwer machen. Unter der vorderen Haube des 4,79 Meter langen SUV, der anders als das VW-Schwestermodell Touareg in Leipzig gebaut wird, entwickelt ein 4,5-Liter-V8 markengerechtes Muskelspiel. Im Cayenne S als 340 PS starker Sauger, im Cayenne Turbo als gewaltiger Biturbo mit sagenhaften 450 PS – deutlich mehr, als ML 55 AMG (347 PS), BMW X5 4.6is (347 PS) oder Range Rover V8 (286 PS) bieten. Und auf jeden Fall genug Leistung, um schon den schwächeren Cayenne locker am Heck eines CLK 320 kleben zu lassen.

Bis 100 km/h vergehen gerade mal 7,2 Sekunden, die Spitze liegt bei rasanten 242 km/h – und das bei einem Leergewicht von 2245 Kilo. Der wirklich böse Cayenne Turbo, der seinen Anspruch optisch mit riesigen Lufteinlässen, vier Auspuffrohren und Powerdomes auf der Haube unterstreicht, eröffnet im SUV-Segment schließlich völlig neue Dimensionen. In unglaublichen 5,6 Sekunden stürmt er die Tempo-100-Marke, die Puste geht dem Allrad-Athleten erst bei 266 km/h aus. Noch mal ganz langsam: zweihundertsechsundsechzig Sachen – in einem 2355-Kilo-Klotz vom Format eines Kleintransporters. Wer würde da nicht verschreckt die linke Spur räumen und sich ungläubig die Augen reiben?

Stets mit allen vieren unterwegs

Um auch in solchen Tempo-Regionen – die selbst bei Mercedes & Co den Sportwagen vorenthalten bleiben (freiwillige Beschränkung auf 250 km/h) – sicher und souverän ans Ziel zu kommen, setzt Porsche auf feinste Fahrwerktechnik. Vorn kommt eine Doppelquerlenker-, hinten eine Mehrlenker-Achse zum Einsatz. Beide sind über einen Fahrschemel gelagert, der Komfort und Sicherheit erhöht. Angetrieben werden beim Cayenne grundsätzlich alle vier Räder. Das Porsche Traction Management (PTM) leitet das Antriebsmoment im Normalfall zu 62 Prozent an die Hinterräder und zu 38 Prozent an die Vorderräder.

Tritt der Ernstfall ein, drohen also die Räder einer Achse mit Traktionsverlust, greift eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung ins Geschehen ein und macht den Cayenne je nach Situation zum reinen Front- oder Hecktriebler. Dabei werden neben den Traktionsverhältnissen an den Achsen auch Fahrzeug-Geschwindigkeit, Querbeschleunigung, Lenkwinkel und Gaspedalstellung berücksichtigt. Die 3,5 Tonnen Anhängelast dürften dem Cayenne so kaum Probleme bereiten, den Bootsanhänger zieht er locker aus dem Sand. Im ständigen elektronischen Dialog mit PTM steht das ebenfalls serienmäßige Porsche Stability Management (PSM) – eine Art ESP, das auch ABS, ASR und das automatische Bremsdifferenzial steuert.

Drohen allzu wilde Cayenne-Cowboys also in der Wiese oder an der Leitplanke zu enden, befiehlt PSM blitzschnell das Öffnen sämtlicher Sperren und bremst einzelne Räder gezielt ab. Doch nicht nur unsere Autobahnen und vor allem die amerikanischen Highways erklärt der Cayenne selbstsicher zu seinem Jagdrevier, auch abseits der Asphaltbänder will er fette Beute machen. Was von den Anlagen her kein Problem sein dürfte. Ein Knopfdruck genügt, schon schaltet der Cayenne in den Low-Range-Modus. Im Klartext heißt das: Die Geländeuntersetzung (Faktor 2,7) wird aktiviert, die Sperren (längs Serie, hinten optional) und das PSM wechseln in einen speziellen Geländemodus, die Luftfederung hebt das Fahrzeug um 26 Millimeter an. Ein zweiter Tastentipp sperrt das Längsdifferenzial schließlich zu 100 Prozent.

Beeindruckende Talente zu Porsche-Preisen

So gewappnet, bietet schon der Cayenne S mit 217 Millimetern Bodenfreiheit ein enormes Kletterpotenzial, verfügt über 104/116 Millimeter Ein-/Ausfederweg vorn und 135/98 Millimeter hinten. Wem das nicht reicht, der ordert die höhenverstellbare Luftfederung inklusive Niveauregulierung (Serie im Cayenne Turbo). Die Ein-/Ausfederwege liegen damit vorn bei 102/118, hinten bei 124/125 Millimetern. Die Bodenfreiheit selbst kann in sechs Stufen zwischen Sportwagen und Offroader verstellt werden: 273 mm Sondergeländeniveau (bis 30 km/h möglich), 243 mm Geländeniveau (bis 80 km/h möglich), 217 mm Normalniveau , 190 mm Tiefniveau (automatisch ab 125 km/h), 179 mm Sondertiefniveau (automatisch ab 210 km/h), 157 mm Beladungsniveau (nur im Stand möglich).

Zusammen mit der Luftfederung bietet Porsche außerdem das variable Dämpfungssystem PASM (Porsche Active Suspension Management). Abhängig von Fahrweise und Gelände wird die Dämpfkraft permanent angepasst, um die über fünf Beschleunigungssensoren gemessenen Aufbaubewegungen zu minimieren. Von Hand kann zudem zwischen den Programmen Normal, Sport und Komfort gewählt werden. Immer noch nicht genug? Dann hilft nur noch das Advanced-Offroad-Technikpaket, das Schweller- und Unterbodenschutz, Differenzialsperre hinten sowie hydraulisch entkoppelbare Stabilisatoren beinhaltet. Letzteres erhöht die Achsverschränkung vorn und hinten um je 70 Millimeter.

Preis und Technische Daten

Beeindruckende Talente, die aber leider ihren Preis haben. Der Cayenne S dürfte für annähernd 80.000 Euro vorfahren, der Cayenne Turbo wird wohl nicht unter 110.000 Euro liegen. Zahlen, die den avisierten Cayenne-Käufer offensichtlich nicht sehr beeindrucken. Die Jahresproduktion 2003, immerhin fast 25.000 Fahrzeuge, soll jetzt schon ausverkauft sein. Porsche mit Allradantrieb waren halt schon immer etwas Besonderes.

Technische Daten Länge/Breite/Höhe 4782 (Biturbo: 4786)/1928/1699 mm • Radstand 2855mm • Spurweite vorn/hinten 1647/1662 mm • V8 mit 4511 cm3 • Sauger: 250 kW (340 PS) bei 6000/min, 420 Nm bei 2500/min • Biturbo: 331kW (450 PS) bei 6000/min, 620 Nm bei 2250/min • Doppelquerlenkerachse vorn • Mehrlenker-Hinterachse • 18-Zoll-Bremsanlage vorn • 17-Zoll-Bremsanlage hinten • Räder/Reifen 255/55 R 18 • permanenter Allradantrieb • zulässiges Gesamtgewicht 3060/3080 Kilo • Zuladung 815/725 Kilo • Anhängelast 3500 Kilo • 0–100 km/h in 7,2/5,6 s • Höchstgeschwindigkeit 242/266 km/h (Werksangaben)

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.