Auch wenn sie es bei Porsche nicht offen zugeben, freuen sie sich diebisch. Darüber, dass sie es sind, die den ersten Plug-in-Hybriden der Luxusklasse an den Start gebracht haben. Und nicht Konzernschwester Audi – Vorsprung durch Technik hin oder her. Und tatsächlich scheint Porsche ein großer Wurf gelungen zu sein. Der Panamera S e-Hybrid soll in gerade mal 5,5 Sekunden von null auf 100 spurten, 270 km/h Spitze schaffen und trotzdem nur 3,1 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Klar, das ist ein Wert, der nur in der Theorie zu schaffen ist, weil er in einem speziellen Verbrauchszyklus für Plug-in-Hybriden ermittelt wird. Deshalb ist die spannende Frage: Wie viel verbraucht der elektrifizierte Panamera denn unter realistischen Bedingungen?
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Porsche Panamera Plug-in-Hybrid
Sensationswert auf der Sparrunde: Mit vollem Akku brauchte der Porsche nur 5,5 Liter auf 100 Kilometer.
Bild: Martin Meiners
Den angegebenen Normverbrauch von 3,1 Litern haben wir nicht geschafft – trotzdem ist der Porsche kein ökologisches Feigenblatt. Auf der 155 Kilometer langen AUTO BILD-Normrunde brauchte der Panamera im Schnitt 7,8 Liter. Ein respektabler Wert, der auf dem Niveau eines viel leistungsschwächeren Diesels liegt. Mit vollgeladenem Akku gestartet und sparsam gefahren, schaffte der Porsche 5,5 Liter pro 100 Kilometer – eine Sensation für eine 416 PS starke und rund 2,2 Tonnen schwere Limousine. Bei den Fahrleistungen hat Porsche nicht übertrieben. Den angegebenen Wert für den Sprint auf 100 km/h konnten wir sogar um eine Zehntelsekunde unterbieten. Anders als die Hybriden von Lexus jault beim Porsche zudem der Sechszylinder beim Beschleunigen nicht auf. Die Schwaben setzen auf eine nahezu perfekte Achtstufenautomatik statt eines stufenlosen Getriebes. Auf der Autobahn ab 180 Kilometern in der Stunde zeigt sich ein weiterer Vorteil des Hybriden: Der Elektromotor unterstützt den Verbrenner spürbar, treibt ihn spielerisch auf Tacho 280. Wir haben selten so viel Spaß mit einer großen Limousine gehabt.

Hybride und Spritparer bei AUTO BILD GREENCARS

Porsche Panamera Plug-in-Hybrid
Mit abgeschaltetem ESP lässt sich der Panamera fast wie ein Sportwagen mit dem Gaspedal lenken.
Bild: Martin Meiners
Das ist aber nur ein Teil der Faszination, die diese Hightech-Limousine ausmacht. Denn die Welt hat sich verändert: immer schneller, immer lauter, das allein geht heute nicht mehr. Stattdessen gelten neue Maßstäbe für den Fahrspaß: Nahezu lautlos aus dem Wohngebiet rollen, sich rund 30 Kilometer rein elektrisch bewegen – das ist ein ganz neues Porsche-Gefühl. Aber eben eines, das in die heutige Zeit passt. Dass sie bei Porsche mit dem Panamera Hybrid kein Auto für Öko-Aktivisten bauen wollten, zeigt die Limousine auf der abgesperrten Teststrecke. Auf dem Trockenhandlingkurs des Contidroms im niedersächsischen Wietze lässt der Panamera den Fahrer schon in der ersten Kurve vergessen, dass er eine schwere Limousine und keinen Sportler fährt. Der Porsche lenkt präzise ein, ohne nennenswerte Seitenneigung geht es selbst um schnell gefahrene Kurven. Bei ausgeschaltetem ESP lässt sich der Panamera dann fast wie ein Sportwagen mit dem Gaspedal lenken – auch wenn er wegen des schweren Akkus auf der Hinterachse nicht so gern driftet wie seine konventionell angetriebenen Brüder.
Trotz dieser sportlichen Qualitäten hat es Porsche nicht mit der Fahrwerkhärte übertrieben, der Panamera ist im Alltag straff, aber keineswegs unkomfortabel abgestimmt, ein gelungener Kompromiss. Keine Beschwerden also? Doch! Die Breite des Porsche macht ihn vor allem auf Landstraßen unübersichtlich, das flache Heck und die breiten C-Säulen schränken den Blick nach hinten unnötig ein. Ein Raumwunder war der Panamera auch noch nie. Im fein verarbeiteten Cockpit lässt es sich zwar selbst für große Fahrer bequem reisen, das flache Dach aber schränkt im Fond die Kopffreiheit stärker ein, als man es in dieser Klasse gewohnt ist.
Porsche Panamera Plug-in-Hybrid
Kofferraum auf Kompaktklasse-Niveau: Wegen des Akkus verpackt der Porsche nur 335 Liter.
Bild: Martin Meiners
Dazu kommt, dass der 9,4 Kilowattstunden große Akku das Kofferraumvolumen stark reduziert. Gerade mal 335 Liter passen hinter die serienmäßig elektrisch betätigte Klappe – ein Panamera S ohne Hybridantrieb schluckt 110 Liter mehr, ein BMW 7er Hybrid bietet für 460 Liter Platz. Schade eigentlich, denn die Zuladung von 432 Kilogramm ist durchaus alltagstauglich. Und wo wir schon beim Mäkeln sind: Das Bedienkonzept mit zahlreichen verstreuten Schaltern und Knöpfen ist unübersichtlich und nicht immer intuitiv zu erfassen. Dafür hat Porsche den Panamera beim jüngsten Facelift optisch fit für die nächsten Jahre gemacht. Die dezenten Änderungen stehen der Limousine ausgezeichnet, selbst das dicke Heck wirkt nun bekömmlicher. Und so teuer wie der Porsche aussieht, ist er auch. Mindestens 110.409 Euro wollen nach Zuffenhausen überwiesen werden. Richtig viel Geld, auch wenn Porsche von einem politischen Preis spricht. Denn der Plug-in-Hybrid ist trotz deutlich größeren Akkus nur drei Prozent teurer geworden als sein Vorgänger. Unterm Strich eine Luxuslimousine, die sich dank Technik einen deutlichen Vorsprung zur Konkurrenz sichert. Bei Porsche werden sie sich diebisch darüber freuen.

Fazit

von Stefan Voswinkel
Wenn schon Hybrid, dann so. Der Porsche schafft rund 30 Kilometer rein elektrisch, begeistert mit einem bisher nicht erreichten Spagat zwischen niedrigem Verbrauch und Top-Fahrleistungen. Einzig das etwas eingeschränkte Platzangebot und der hohe Preis sind zu kritisieren.